Kategorie: Regionen

  • KaiserHerbst: Warum ein guter Tag nicht viele Termine braucht

    KaiserHerbst: Warum ein guter Tag nicht viele Termine braucht

    Der KaiserHerbst spannt seinen Bogen 2026 vom 10. Oktober bis zum 8. November: vier Wochen mit Angeboten rund um Wein, Kulinarik, Natur und Kultur am Kaiserstuhl und Tuniberg. Für das letzte Wochenende am 7. und 8. November liegt der Reiz nicht zwingend darin, möglichst viele Programmpunkte abzuhaken. Ein Tag, der Zeit für den Ort lässt, kann mehr über eine Weinregion erzählen als ein dicht getakteter Kalender.

    Das ist ein Vorschlag zur Planung, kein Vor-Ort-Bericht: Konkrete Veranstaltungen, freie Plätze und Öffnungszeiten für das Abschlusswochenende sind vor einer Fahrt aktuell zu prüfen. Die Veranstalterseite beschreibt ein breites Programm, das sich über mehrere Orte und Formate verteilt. Gerade deshalb lohnt es sich, den Tag nicht mit ungeprüften Erwartungen zu füllen.

    Erst den Ort wählen, dann den Termin

    Der Kaiserstuhl ist keine einzelne Weinbergkulisse, sondern eine Region mit verstreuten Orten, Betrieben und Wegen. Wer den Tag mit einem bestimmten Programmpunkt beginnt und den nächsten erst danach sucht, riskiert, mehr Zeit auf dem Weg als am Ziel zu verbringen. Praktischer ist die umgekehrte Reihenfolge: zunächst einen Ort und ein Format auswählen, dann prüfen, was sich in dessen Nähe sinnvoll anschließen lässt.

    Für die Auswahl zählen drei Fragen: Wird erklärt, wie Weinbau und Landschaft zusammenhängen? Ist der Ort mit dem gewählten Verkehrsmittel erreichbar? Und bleibt zwischen den Stationen Zeit, statt nur knapp zur nächsten weiterzuziehen? Eine Führung, ein Besuch bei einem Weingut oder ein Naturerlebnis kann den Kern des Tages bilden. Eine zweite Station ist dann eine Ergänzung, kein Pflichtpunkt.

    Die Landschaft nicht nur als Kulisse lesen

    Der Naturgarten Kaiserstuhl stellt Wein, Natur, Kultur und Kulinarik als Themen des Herbstprogramms nebeneinander. Für Gäste kann eine gute Vermittlung daraus einen Zusammenhang machen: Wie prägen Gelände und Böden die Arbeit in den Reben? Was lässt sich bei einem Spaziergang erkennen, was erst im Gespräch mit einem Betrieb? Die Fragen sind konkreter als das Versprechen, eine Region in wenigen Stunden vollständig kennenzulernen.

    Auch für den Wein gilt: Herkunft ist mehr als ein Name auf der Karte. Ein Gespräch über Weinberge und Bewirtschaftung kann den Blick auf den Ort lenken, anstatt nur eine Folge von Proben zu bieten. Wer Wein probiert, sollte den Besuch entsprechend planen – etwa mit einer alkoholfreien Anreise und ohne weitere Fahrt am Steuer. Die redaktionelle Auswahl eines Termins sagt dabei nichts über die Qualität einzelner Weine aus.

    Eine Mahlzeit als Teil des Tages

    Regionale Küche muss kein zusätzlicher Programmpunkt im Wettlauf sein. Sie kann eine Pause markieren und den Besuch mit dem Ort verbinden: als reserviertes Essen oder als unkomplizierte Einkehr, sofern Angebot und Öffnungszeiten für den betreffenden Tag bestätigt sind. Gerade im November ist es sinnvoll, diese Details vorab zu klären, statt sich auf spontane Verfügbarkeit zu verlassen.

    So entsteht ein überschaubarer Ablauf: eine Veranstaltung mit erkennbarem Bezug zur Region, Zeit für einen Weg durch die Landschaft und eine Mahlzeit. Wer noch eine zweite Veranstaltung einplant, sollte prüfen, ob sie tatsächlich einen neuen Blick eröffnet – oder nur den Kalender füllt.

    Ein Wochenende ohne Vollständigkeitsanspruch

    Der KaiserHerbst endet am Sonntag, 8. November 2026. Sein Programm lädt dazu ein, verschiedene Seiten der Region zu entdecken; daraus folgt aber kein Auftrag, möglichst viele davon an einem Tag unterzubringen. Welche Termine am Abschlusswochenende stattfinden, ob Plätze verfügbar sind und wie gut sich einzelne Orte verbinden lassen, sollte vor der Abfahrt anhand der aktuellen Angaben geprüft werden.

    Ein gelungener Besuch braucht keinen Marathon. Ein gut gewählter Termin, ein aufmerksamer Blick auf die Landschaft und genügend Zeit dazwischen sind ein vernünftiger Maßstab für einen Tag am Kaiserstuhl.

  • Steirische Rieden erklären, ohne eine Rangliste zu schreiben

    Steirische Rieden erklären, ohne eine Rangliste zu schreiben

    Am 18. November 2026 lädt Wein Steiermark zur Riedenweinpräsentation ins Palais Ferstel, Strauchgasse 4, in Wien. Die Veranstalterseite kündigt rund 60 steirische Winzerinnen und Winzer und mehr als 350 Weine an, darunter Schaumweine. Die Verkostung ist für Weininteressierte von 16 bis 20 Uhr geöffnet; Fachbesucher können laut Veranstalter bereits ab 15 Uhr teilnehmen. Entscheidend ist weniger, welcher Wein am meisten Aufmerksamkeit erhält, als die Frage, was seine Herkunft tatsächlich erklärt.

    Eine Riede ist eine Einzellage. Im steirischen DAC-System steht der Riedenwein an der Spitze der Herkunftsstufen, über Gebiets- und Ortswein. Das ist eine Herkunftsangabe, keine Rangliste einzelner Hänge: Die Bezeichnung verspricht eine eng umrissene Herkunft, nicht automatisch einen einheitlichen Stil oder ein vorweggenommenes Qualitätsurteil.

    Erst die Herkunft, dann der Ausbau

    Die Steiermark umfasst drei DAC-Gebiete: Südsteiermark, Weststeiermark und Vulkanland Steiermark. Ihre Rebflächen ziehen sich über Hügel und steile Hänge; Boden, Höhe, Ausrichtung und lokale Wetterverhältnisse können sich auch innerhalb eines Gebiets deutlich unterscheiden. Die Rieden-Verordnung des Landes legt fest, welche Einzellagen als Rieden bezeichnet werden. Nach Angaben von Wein Steiermark ist Handlese in den steirischen DAC-Gebieten vorgeschrieben.

    Beim Vergleich lohnt sich ein konkreter Gesprächsleitfaden. Wo genau liegt die Riede, wie ist sie ausgerichtet, und welche Bodenverhältnisse prägen sie? Welche Rebsorte steht im Glas? Wie unterscheidet sich der Jahrgang von den Vorjahren? Erst danach folgt die Kellerfrage: etwa ob der Wein im Edelstahltank oder im Holz ausgebaut wurde, wie lange er auf der Hefe lag und ob der Ausbau die Herkunft hervorheben oder einen eigenen Stil setzen sollte. Solche Fragen machen Unterschiede besprechbar, ohne sie vorschnell einem einzelnen Faktor zuzuschreiben.

    Jahrgang und Reife mitdenken

    Ein Lagenname allein erklärt nicht, wie sich ein Wein zeigt. Der Jahrgang bringt seine Bedingungen mit; Erntezeitpunkt, Reife der Trauben und Entscheidungen im Keller prägen den späteren Wein zusätzlich. Bei älteren Jahrgängen kann man Erzeugerinnen und Erzeuger fragen, wie sich die Weine entwickelt haben und welche Flaschen sie für einen Vergleich ausgewählt haben. Gereifte Weine sind angekündigt; konkrete Jahrgänge nennt die Veranstaltungsseite nicht.

    Auch die Zahl der Proben spricht für ein gezieltes Vorgehen statt eines Rundgangs im Wettlauf. Eine Rebsorte aus zwei Rieden desselben Jahrgangs kann einen Vergleich eröffnen; anschließend lässt sich dieselbe Riede über unterschiedliche Jahrgänge oder Ausbauweisen betrachten. Das ist kein kontrolliertes Experiment: Häufig unterscheiden sich zugleich Erzeuger, Lesezeitpunkt und Kellerarbeit. Gerade deshalb lohnt das Gespräch mit den Winzerinnen und Winzern.

    Die Präsentation versammelt laut Veranstalter Weine aus allen drei steirischen DAC-Gebieten und mehr als 50 Rieden. Sie kann damit eine Landkarte in Gläsern bieten – sofern man die Namen nicht als Podestplätze liest. Wer Herkunft, Jahrgang und Ausbau getrennt erfragt, nimmt mehr mit als eine persönliche Favoritenliste.

  • Klimaanpassung braucht einen Plan für den ganzen Betrieb

    Klimaanpassung braucht einen Plan für den ganzen Betrieb

    Die Tagung über nachhaltigen Weinbau, die vom 12. bis 14. November 2026 auf La Gomera angekündigt ist, stellt eine Frage, die weit über die Kanaren hinausreicht: Wie kann ein Weinbaubetrieb auf ein unsicherer werdendes Klima reagieren, ohne dabei Wasser, Boden, Arbeitskraft und wirtschaftliche Tragfähigkeit gegeneinander auszuspielen? Der Ort liefert dafür Anschauung – aber kein fertiges Rezept.

    La Gomeras Weinberge liegen vielfach an steilen Hängen. Kleine, von Mauern gestützte Terrassen gliedern das Gelände; Maschinen können dort kaum eingesetzt werden. Nach Angaben der kanarischen Landwirtschaftsverwaltung umfasst die geschützte Herkunftsbezeichnung DOP La Gomera rund 120 Hektar. Die Insel ist damit ein besonderer Rahmen für eine Tagung, deren Veranstalter unter anderem Bodenpflege, Begrünung und Weinbau in komplexem Gelände ankündigen.

    Anpassung ist mehr als eine Maßnahme

    Im deutschen Weinbau liegen andere Bedingungen vor: Flusstäler, Steillagen und wärmere, trockenere Standorte unterscheiden sich selbst innerhalb eines Anbaugebiets. Gemeinsam ist ihnen, dass Reben als Dauerkultur lange an einen Standort gebunden sind. Eine Entscheidung über Begrünung, Unterlage oder Rebsorte wirkt daher über eine Saison hinaus. Und kein einzelner Eingriff beantwortet zugleich die Fragen nach Wasserversorgung, Starkregen, Frost, Erntezeitpunkt und Kosten.

    Das zeigt sich bereits beim Boden. Eine Begrünung zwischen den Rebzeilen kann Wasser aufnehmen, Abfluss bremsen und Erosion mindern. Sie beansprucht aber ebenfalls Wasser. In trockenen Phasen zählt deshalb nicht das Prinzip „immer begrünen“, sondern die passende Mischung aus Pflanzenbestand, Pflegezeitpunkt und Bodenverhältnissen. Das Umweltbundesamt nennt Bodenbedeckung, humusfördernde Bewirtschaftung und standortangepasste Bodenbearbeitung als mögliche Wege, Verdunstung und Erosionsrisiko zu reduzieren. Welche davon sinnvoll ist, hängt von Wasservorrat, Hang und Bewirtschaftung ab.

    Auch Bewässerung ist keine isolierte technische Entscheidung. Sie setzt eine verfügbare Wasserquelle voraus und kann Investitionen, Energiebedarf sowie laufende Arbeit bedeuten. Wo Wasser knapp oder rechtlich begrenzt ist, lässt sich eine Anlage nicht einfach als allgemeine Klimavorsorge behandeln. Umgekehrt muss ein Betrieb beurteilen, ob in bestimmten Jahren oder Entwicklungsphasen gezieltes Wasser tatsächlich einen Unterschied macht. Dazu gehören belastbare Informationen über Bodenfeuchte und Wetter ebenso wie die Frage, wer die Anlage betreibt und bezahlt.

    Boden, Rebe und Arbeitszeit zusammen denken

    Für die Rebe selbst kommen weitere Stellschrauben hinzu: Unterlagen, Rebsorten, Laubwand und Zeitpunkt der Arbeiten. Später reifende Sorten oder veränderte Erziehungs- und Pflegemaßnahmen können Spielräume eröffnen, doch Neuanpflanzungen binden Kapital und Fläche über Jahre. Zudem wirken Herkunftsregeln und die Identität eines Betriebs mit: Was sich agronomisch anbietet, muss nicht ohne Weiteres zu einem bestehenden Sortiment oder zu den Vorgaben einer geschützten Herkunft passen.

    Ein Projekt der Universität Bayreuth in Franken bringt die Logik einer Betriebsplanung auf den Punkt: Dort werden unter anderem trockenheitstolerante Unterlagen, Begrünung, Bodenpflege und spätreifende Sorten als mögliche Ansätze diskutiert. Die Universität beschreibt erfolgreiche Anpassung nicht als Einzelrezept, sondern als standortspezifische Kombination aus Boden-, Wasser-, Pflanzen- und Biodiversitätsmanagement. Das ist eine hilfreiche Orientierung, keine Erfolgsgarantie. Ein Versuch auf einer fränkischen Fläche belegt nicht automatisch, was in einer Moselsteillage oder auf einem sandigen Standort funktioniert.

    Die Kombination muss außerdem zur verfügbaren Arbeitszeit passen. Begrünung will gesteuert, Erosionsschutz gepflegt, Bewässerung überwacht und eine veränderte Reberziehung umgesetzt werden. In Handarbeitslagen ist die zusätzliche Pflege besonders sorgfältig gegen den möglichen Nutzen abzuwägen. Klimaanpassung ist damit auch eine organisatorische Aufgabe: Wer erledigt welche Arbeit, zu welchem Zeitpunkt, mit welcher Technik und mit welchen Kosten? Solche Fragen gehören in denselben Plan wie die Wahl einer Maßnahme.

    Was sich übertragen lässt – und was nicht

    La Gomeras Terrassen zeigen, wie stark Weinbau an Gelände und menschliche Arbeit gebunden sein kann. Gerade deshalb wäre es falsch, die Insel als Vorbild für deutsche Betriebe schlechthin zu behandeln. Die dortige Herkunft DOP La Gomera und ihre kleinteiligen Hanglagen bilden einen anderen Zusammenhang als deutsche Weinbaugebiete mit anderen Niederschlägen, Böden, Flächenstrukturen und Regeln. Auch die auf der Tagungsseite beschriebenen Themen und Programmpunkte sind zunächst Veranstalterangaben; eine endgültige Bilanz der Tagung kann vor ihrem Beginn nicht gezogen werden.

    Übertragbar ist eher die Methode: Risiken für den eigenen Betrieb benennen, mehrere Maßnahmen gemeinsam prüfen und deren Kosten, Nutzen und Nebenwirkungen gegeneinander abwägen. Dazu zählen längere Trockenphasen ebenso wie Starkregen, der Boden abträgt; ein wärmerer Jahresverlauf ebenso wie Spätfrost. Der Klimablick darf nicht nur auf den heißen Sommer fallen.

    Ein praktikabler Plan beginnt deshalb mit einer Bestandsaufnahme: Wo steht Wasser zur Verfügung? Welche Parzellen verlieren bei Starkregen Boden? Wo ist Handarbeit unverzichtbar? Welche Investitionen kann der Betrieb tragen, und welche Entscheidungen sind durch Herkunftsregeln oder bestehende Kundenbindungen eingeschränkt? Aus dieser Analyse können Prioritäten entstehen – zunächst kleinere Änderungen bei Bodenpflege und Arbeitsabläufen, später womöglich kostspieligere Eingriffe wie Bewässerung oder eine schrittweise Sortimentsänderung.

    Der Ertrag solcher Planung ist nicht, jede Wetterfolge verhindern zu können. Er liegt darin, Abhängigkeiten sichtbar zu machen und Entscheidungen nicht erst dann zu treffen, wenn eine Krise schon auf dem Weinberg steht. Die Tagung auf La Gomera kann dafür Gesprächsanlass sein. Die Antworten müssen jedoch aus dem Boden, dem Wasserhaushalt und der wirtschaftlichen Wirklichkeit jedes einzelnen Betriebs kommen.

  • Die Waadt sucht das Gespräch jenseits der Sprachgrenze

    Die Waadt sucht das Gespräch jenseits der Sprachgrenze

    Am 9. November zieht ein Stück Waadt nach Bern: Mehr als 30 Weingüter präsentieren im Kursaal ihre Weine, darunter jüngere und ältere Jahrgänge. Der Salon des Vins Vaudois ist eine Gelegenheit, die Herkunft nicht nur auf dem Etikett zu lesen, sondern den Erzeugerinnen und Erzeugern direkt Fragen zu stellen. Für das deutschsprachige Publikum wird dabei auch die Übersetzung wichtig – nicht nur die sprachliche, sondern die von Landschaft, Rebsorte und Jahrgang.

    Sechs Weinregionen, mehr als ein Bild

    Wer Waadt sagt, meint oft Chasselas und Lavaux. Beides gehört zum Kern des Kantons, doch es erzählt nicht die ganze Geschichte. Die offizielle Regionalgliederung umfasst sechs Weinregionen: La Côte, Lavaux, Chablais, Bonvillars, Les Côtes de l’Orbe und Vully. Dazu kommen acht kontrollierte Ursprungsbezeichnungen. Die Reblandschaft reicht vom Genfersee bis an die Ufer des Neuenburger- und Murtensees.

    Das ist mehr als eine Karte für den Prospekt. Zwischen den Regionen ändern sich Lage, Relief und Nähe zu See, Jura oder Alpen. In Lavaux prägen steile, terrassierte Hänge das Bild; La Côte liegt am Genfersee und an den Ausläufern des Jura. Im Chablais treffen Alpenraum und See aufeinander. Solche Unterschiede verdienen am Verkostungstisch eine genaue Frage: Welche Herkunft steht auf der Flasche – und was bedeutet sie für den Wein? Ein Ort oder eine Appellation ist dabei keine Geschmacksbeschreibung, sondern zunächst eine präzise Herkunftsangabe.

    Chasselas als Einstieg, nicht als Grenze

    Chasselas ist die bekannteste Waadtländer Rebsorte und für viele der naheliegende Anfang. Doch gerade ein Salon mit mehr als 30 Betrieben kann zeigen, wie schnell dieses Bild zu eng wird. Neben dem vertrauten Weisswein aus Chasselas begegnen Besucherinnen und Besuchern weitere Sorten und unterschiedliche Stilentscheidungen. Welche Weine tatsächlich am Tisch stehen, hängt vom Angebot der teilnehmenden Betriebe ab; eine pauschale Verkostungserwartung lässt sich daraus nicht ableiten.

    Für den Austausch lohnt sich eine konkrete Frage nach dem Ort: Woher stammt der Wein, und welche Herkunftsbezeichnung trägt er? Ebenso aufschlussreich kann sein, nach dem Ausbau oder nach dem Umgang mit einem gereiften Jahrgang zu fragen. So wird aus einer allgemeinen Erklärung der Waadt ein Gespräch über den einzelnen Wein. Die Herkunft lässt sich nicht auf eine einzige Landschaft oder Sorte verkürzen.

    Was ein gereifter Jahrgang erzählen kann

    Die Veranstalter kündigen neben jüngeren auch ältere Jahrgänge an. Das macht den Termin besonders interessant: Gereifte Weine können Fragen nach Entwicklung und Trinkfenster aufwerfen, ohne dass sich das vorab für jede Flasche gleich beantworten lässt. Alter allein ist kein Qualitätsversprechen. Entscheidend bleiben Herkunft, Jahrgang, Ausbau und Zustand des einzelnen Weins – und die Auskunft des Weinguts dazu.

    Auch Handel und Gastronomie dürften andere Fragen mitbringen als private Gäste: Welche Weine lassen sich im Sortiment erklären? Welche Herkunftsangaben sind dem Publikum bekannt, und wo braucht es Orientierung? Der Salon setzt dafür auf unmittelbare Begegnungen. Ob daraus neue Bekanntschaften oder konkrete Geschäftsbeziehungen entstehen, lässt sich vor dem Termin nicht sagen. Sicher ist: Der Waadtländer Auftritt stellt die Region in Bern nicht als einheitliche Marke aus, sondern als Gefüge verschiedener Weinlandschaften, Betriebe und Jahrgänge.

    Ein Gespräch auf Augenhöhe

    Der Salon findet im Kursaal Bern statt und wird in Zusammenarbeit mit VINUM organisiert. Eine zusätzliche Auswahl ausgezeichneter Weine des Grand Prix du Vin Suisse 2026 ist ebenfalls angekündigt. Damit verbindet der Nachmittag und Abend regionale Präsentation mit einem Blick auf ausgezeichnete Schweizer Weine.

    Wer hingeht, muss die sechs Weinregionen nicht schon vorher auseinanderhalten können. Sinnvoller ist es, mit offenen Fragen zu kommen: Was unterscheidet diesen Wein von einem aus der Nachbarregion? Warum wurde gerade dieser Jahrgang mitgebracht? Und welche Herkunft sagt das Etikett genau aus? Wenn darauf konkrete Antworten folgen, ist der Salon mehr als eine Verkostung – er wird zum Gespräch zwischen Waadt und Deutschschweiz.

  • Zürich und Basel: Zwei Wege, Weinregionen zu erklären

    Zürich und Basel: Zwei Wege, Weinregionen zu erklären

    Weinregionen kommen im November an zwei sehr unterschiedlichen Orten in die Stadt: auf die Zürichseeflotte am Bürkliplatz und in die historischen Säle des Badischen Bahnhofs in Basel. Die Expovina läuft vom 29. Oktober bis 12. November 2026; der Badische Weinbahnhof folgt am 14. November. Hier eine internationale Auswahl, dort die Konzentration auf ein deutsches Anbaugebiet.

    Beide Veranstaltungen bringen Herkunft dorthin, wo das Publikum lebt. Doch ihre Programme setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Zürich bietet Orientierung in einer großen Weinwelt, Basel macht Unterschiede innerhalb einer benachbarten Region zum Thema.

    Zürich: Orientierung zwischen vielen Herkünften

    Für die Expovina nennt der Veranstalter rund 200 Aussteller und etwa 4.000 Weine aus 33 Ländern. Portugal ist Gastland. Die Messe findet diesmal nicht ausschließlich auf Schiffen statt: Wegen des tiefen Wasserstands wurde ein rund 1.000 Quadratmeter großer Seepavillon eingerichtet. Einzelne Standortangaben im gedruckten Katalog können deshalb überholt sein.

    Zur Vermittlung gehören mehrere Ebenen. Eine digitale Messebegleitung bündelt Weine, Aussteller und Programm. Masterclasses in der Captain’s Lounge auf der Fähre Schwan widmen sich unter anderem Regionen; an der Swan Tasting Bar sind wechselnde Gastregionen vorgesehen. Neben dem Gespräch am Stand gibt es damit ausdrücklich Angebote, die eine Auswahl thematisch zusammenführen.

    Auch prämierte Weine der Expovina Wine Trophy sind Teil des Messeangebots. Auszeichnungen stehen hier also neben Wissensformaten. Über die geografische Herkunft einer Flasche, ihre Rebsorte und die Arbeit im Keller geben allerdings erst die jeweiligen Produktinformationen und Erläuterungen Auskunft. Eine Medaille allein beantwortet diese Fragen nicht.

    Basel: Eine Region wird aufgefächert

    Der Badische Weinbahnhof kündigt für den 14. November von 14 bis 20 Uhr mehr als 30 Betriebe im Gare du Nord im Badischen Bahnhof an. Es ist nach Veranstalterangaben die siebte Ausgabe. Die veröffentlichte Betriebsliste reicht von Weil am Rhein und Istein über Ihringen und Königschaffhausen bis nach Durbach und St. Leon-Rot.

    Damit ist der geografische Rahmen enger als in Zürich, aber keineswegs einheitlich. Baden gliedert sich in neun Weinbaubereiche. Das Deutsche Weininstitut hebt für das Markgräflerland den Gutedel hervor, während am Kaiserstuhl und Tuniberg rote und weiße Burgundersorten eine wichtige Rolle spielen. Schon die Zuordnung eines Betriebs zu seinem Bereich hilft, den großen Herkunftsnamen Baden genauer zu fassen.

    Wie Herkunft und Handwerk zusammenkommen, zeigt ein Ausstellerporträt des Veranstalters: Beim Weingut am Schlipf in Weil am Rhein nennt es für Gutedel Maischegärung und langes Hefelager. Das ist zunächst eine Information über die Erzeugung, keine unabhängige Verkostungsbeschreibung. Sie macht aber deutlich, warum die Rebsorte allein einen Wein noch nicht erklärt.

    Was hinter dem Regionsnamen liegt

    Auch das Wort Vulkan erklärt den Kaiserstuhl nur teilweise. Die Landesgeologie beschreibt dort einen kleinräumigen Wechsel der Ausgangsgesteine und Böden; große Flächen sind von Löss geprägt. Die konkrete Lage eines Weinbergs ist daher aufschlussreicher als ein pauschales Gesteinsetikett. Welche Bedeutung der Standort für einen bestimmten Wein hat, muss am einzelnen Beispiel erläutert werden.

    Die Programme eröffnen somit zwei Vergleichsmöglichkeiten: zwischen Ländern und Regionen in Zürich, zwischen Betrieben einer Region in Basel. Welcher Zugang beim Publikum mehr Verständnis schafft, lässt sich aus den Ankündigungen nicht ableiten. Belegt sind die Angebote, nicht ihr Lernerfolg. Für die Erklärung einer Flasche liefern jedoch Ort, Rebsorte und Ausbau jeweils andere Informationen als Punktzahl und Preis.

  • Treffpunkt Meran: Welche Antworten Italiens Weinbranche jetzt braucht

    Treffpunkt Meran: Welche Antworten Italiens Weinbranche jetzt braucht

    Meran bringt für ein Gespräch über Herkunft gute Voraussetzungen mit: Weinbau prägt das Umland, dessen vergleichsweise mildes Klima und sandige Böden die örtliche Tourismusorganisation hervorhebt. Doch wenn sich die Weinwelt vom 6. bis 10. November zum 35. Merano WineFestival trifft, reicht der Blick auf den Weinberg allein nicht aus. Ebenso wichtig wird sein, wer die Weine künftig bestellt – und zu welchem Anlass.

    Termin und Hauptort sind inzwischen direkt bestätigt: Gourmet’s International veranstaltet das Festival im Kurhaus und an weiteren Orten der Stadt. Die fünftägige Schau bietet damit einen konkreten Treffpunkt für eine Branche, deren Hoffnungen auf Erholung neben grundlegenden Fragen an ihr Angebot stehen.

    Was Meran auf den Tisch bringt

    Der Auftakt am 6. November gehört „TasteTerroir – bio&dynamica“. Angekündigt sind biologische, biodynamische und Naturweine, Amphorenweine sowie Produkte mit wenig oder ohne Alkohol. Vom 7. bis 9. November folgt „The Festival“ mit italienischen und internationalen Weinen; am 10. November setzt „Catwalk Champagne &more“ den Schwerpunkt auf Schaumwein. Masterclasses im Hotel Terme ergänzen das Programm.

    Schon diese Nachbarschaft ist interessant: Herkunft, Bewirtschaftung, Ausbaugefäß und Alkoholgehalt bezeichnen unterschiedliche Eigenschaften eines Weins. Keine ersetzt die andere. Die Frage an die Betriebe lautet deshalb nicht bloß, welche Kategorie sie bedienen. Sie lautet, wie verständlich sie erklären können, was ihr Produkt ausmacht. Meran ist dabei keine Vorschau auf einen einzigen Jahrgang, sondern ein Vergleichsraum für unterschiedliche Herkünfte und Erzeugnisse. Ein Qualitätsurteil über das angekündigte Angebot lässt sich daraus nicht ableiten.

    Exportplus ist noch keine Entwarnung

    Wie vorsichtig Erfolgsmeldungen zu lesen sind, zeigen die jüngsten Zahlen des Branchenverbands Unione Italiana Vini. Nach dessen Auswertung vorläufiger EU-Daten stieg der Wert italienischer Weinlieferungen in die USA von Juli bis September 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um nahezu 17 Prozent. Über die ersten neun Monate blieb jedoch ein Minus von sechs Prozent.

    UIV-Präsident Lamberto Frescobaldi sieht als mögliche Erklärung für den Quartalsanstieg auch das Auffüllen amerikanischer Lager, nicht allein zusätzlichen Konsum. Für die Gespräche in Meran ergibt sich daraus eine nüchterne Leitfrage: Kommen neue Bestellungen aus dauerhaftem Interesse – oder aus dem Warenbedarf der Zwischenhändler? Beides kann Kellereien helfen, verlangt aber unterschiedliche Planung. Eine Exportzahl allein beantwortet noch nicht, welche Weine am Restauranttisch oder im Handel tatsächlich überzeugen.

    Alkoholfrei braucht ein eigenes Profil

    Besonders deutlich wird die Unsicherheit bei entalkoholisierten Weinen. Im April erwartete das Observatorium UIV-Vinitaly für 2026 einen Anstieg der italienischen Produktion um 90 Prozent. Das war eine Prognose, kein bereits erreichtes Jahresergebnis. Zugleich meldete die Untersuchung FIPE-UIV, dass 71 Prozent der befragten Restaurants kein Interesse hätten, entalkoholisierte Weine auf ihre Karte zu nehmen.

    Wachstumserwartung und Zurückhaltung stehen also nebeneinander. Dass der Meraner Auftakttag No-/Low-Alcohol-Produkte ausdrücklich aufführt, macht die Kategorie sichtbar; ihren Platz beim Publikum beweist es noch nicht. Zu klären bleibt, welches geschmackliche Profil, welchen Service und welche verständliche Ansprache solche Produkte brauchen. Sie verdienen eine eigenständige Betrachtung, nicht die Rolle einer bloßen Ersatzlösung.

    Die produktivste Erwartung an Meran ist deshalb keine schnelle Antwort für ganz Italien. Interessant wird, ob Betriebe Herkunft und veränderte Nachfrage zusammenbringen, ohne ihre Unterschiede einzuebnen. Nicht jeder Wein muss leichter werden, nicht jedes Weingut braucht eine alkoholfreie Linie. Aber jedes Angebot braucht eine plausible Antwort auf die Frage, für wen es gedacht ist.

  • Eine Ernte, mehrere Zahlen: Wie der Jahrgang 2026 vermessen wird

    Eine Ernte, mehrere Zahlen: Wie der Jahrgang 2026 vermessen wird

    Eine Weinernte kann gegenüber dem Vorjahr wachsen und trotzdem unterdurchschnittlich ausfallen. Sie kann auch in zwei Veröffentlichungen unterschiedlich groß erscheinen, ohne dass eine davon zwangsläufig falsch ist. Beim deutschen Jahrgang 2026 treffen beide Fälle zusammen. Wer die Zahlen verstehen will, muss zuerst auf ihre Zeitangaben schauen.

    Veröffentlichungsdatum ist nicht Erhebungsstichtag

    Die am 13. Oktober veröffentlichte Destatis-Prognose nennt 8,0 Millionen Hektoliter Weinmost: fünf Prozent mehr als 2025, vier Prozent weniger als im Durchschnitt 2020 bis 2025. Ihr Datenstand ist jedoch der 20. September. Rund 400 freiwillige Berichterstatterinnen und Berichterstatter schätzen die erwarteten Mosterträge ihrer Betriebe. Das ist keine vollständige Vermessung bereits gefüllter Keller; Erfahrungen und Annahmen über den weiteren Verlauf fließen ein.

    Die jüngere DWI-Mitteilung vom 20. Oktober verarbeitet dagegen die abschließenden regionalen Schätzungen aus allen 13 Anbaugebieten. Ihre Tabelle trägt den Stand 21. Oktober und summiert sich auf 7,732 Millionen Hektoliter. „Final“ bezeichnet hier weiterhin eine Schätzung, nicht das endgültige amtliche Ernteergebnis. Auch sind beide Veröffentlichungen keine völlig getrennten Messwelten: Die DWI-Tabelle nennt den Deutschen Weinbauverband und Destatis als Datenherkunft.

    Zwei Maßstäbe für dieselbe Menge

    Gerundet spricht das DWI von 7,7 Millionen Hektolitern und Vorjahresniveau. Die Tabelle zeigt gegenüber 7,664 Millionen Hektolitern im Jahr 2025 ein kleines Plus, gerundet ein Prozent. Zugleich liegt die Prognose zehn Prozent unter dem dort ausgewiesenen Zehnjahresmittel.

    Darin steckt kein Widerspruch zu den vier Prozent unter Durchschnitt bei Destatis: Dort umfasst die Vergleichsperiode sechs Jahre, beim DWI zehn. Hinzu kommt die veränderte Ernteschätzung. Die beiden Abstände sind deshalb keine unmittelbar vergleichbaren Schadensanzeigen. Wer eine Ernte einordnet, braucht neben der Menge stets den Bezugszeitraum.

    Mosel, Franken, Pfalz: drei unterschiedliche Bilanzen

    An der Mosel erwartet die jüngere Tabelle 610.000 Hektoliter, 18 Prozent weniger als 2025 und 13 Prozent unter dem Zehnjahresmittel. Franken steht mit 326.000 Hektolitern bei minus 15 beziehungsweise minus 20 Prozent. Die Pfalz dagegen gewinnt gegenüber 2025 zwölf Prozent hinzu: Ihre 2,1 Millionen Hektoliter bleiben dennoch fünf Prozent unter dem längeren Mittel. Erholung ist nicht dasselbe wie eine große Ernte.

    Als Erklärung für die regionalen Unterschiede nennt das DWI die Niederschlagsverteilung und die Wasserspeicherfähigkeit der Böden. Doch auch innerhalb eines Gebiets unterscheiden sich die Bedingungen. Der Pfälzer Winzer Franz Wehrheim berichtet im VDP-Rückblick besonders von Schwierigkeiten junger Anlagen und leichter Böden. Dorothee Zilliken schildert für ihre Beobachtungen an Mosel, Saar und Ruwer dagegen eine gute Versorgung der Reben trotz Wärme. Solche Betriebsberichte ergänzen die Statistik, ersetzen aber keinen Gebietsdurchschnitt.

    Weniger Most ist noch kein besserer Wein

    Schon zur offiziellen fränkischen Leseeröffnung am 3. September wurden gesunde Trauben und hohe Qualität hervorgehoben. Auch die späteren Branchenberichte beurteilen den Jahrgang ausgesprochen positiv. Sebastian Fürst beschreibt beim VDP eine sehr frühe fränkische Lese und gesundes, reifes Lesegut.

    Das sind zugeordnete Einschätzungen der Erzeugerseite, keine unabhängigen Urteile über sämtliche fertigen Weine. Eine Mengenstatistik kann sie weder bestätigen noch widerlegen. Sie beschreibt, wie viel Most erwartet wird – nicht, wie ausgewogen oder langlebig ein Wein sein wird. Für den Jahrgang 2026 bleiben deshalb zwei Fragen getrennt: Was kam mengenmäßig zusammen? Und was entsteht daraus im Keller?