Kategorie: Wein & Genuss

  • Lutzmannsburg öffnet die Keller – doch wie viel Arbeit wird sichtbar?

    Lutzmannsburg öffnet die Keller – doch wie viel Arbeit wird sichtbar?

    Am Samstag, 7. November, sollen in Lutzmannsburg die Türen zu den Weinkellern offenstehen. Die Gemeinde nennt für den Tag der offenen Kellertür die Zeit von 13 bis 21 Uhr und als Veranstalter den Weinbauverein. Doch die Frage, wie viel vom Betrieb hinter der Flasche dabei tatsächlich sichtbar wird, lässt sich am Vortag nur mit Vorbehalt beantworten: Das detaillierte Programm ist noch nicht veröffentlicht.

    Der Weinbauverein kündigt an, dass die Winzerfamilien Gäste zum Ausklang des Weinjahres in ihre Keller einladen. Als Möglichkeit nennt er, die Weine Lutzmannsburgs kennenzulernen und die Familien persönlich zu treffen. Was einzelne Stationen zeigen oder erklären, welche Betriebe teilnehmen und ob es Führungen oder Einblicke in die Arbeit gibt, ist auf der Veranstaltungsseite noch offen. Eine Besichtigung von Produktionsräumen oder Gespräche über konkrete Arbeitsschritte sollte man deshalb nicht als gesichertes Angebot voraussetzen.

    Zwischen Probierglas und Arbeitsalltag

    Ein gemeinsamer Öffnungstag kann mehr sein als eine Abfolge von Verkostungsständen: Im Gespräch lässt sich etwa nachfragen, wie Entscheidungen im Weingarten und Keller zusammenhängen, welche Arbeiten den Jahrgang prägen und wie ein Betrieb seine Weine ausbaut. Das ist eine Möglichkeit, keine bestätigte Programmbeschreibung. Gerade die Unterscheidung ist wichtig: Ein offener Keller bedeutet nicht automatisch, dass jede Station Betriebsabläufe zeigt oder dass Gäste überall denselben Einblick bekommen.

    Lutzmannsburg ist als Rotweinort im Mittelburgenland bekannt; auf der offiziellen Veranstaltungsseite steht die Begegnung mit den Winzerfamilien und der Vielfalt ihrer Weine im Mittelpunkt. Welche Weine ausgeschenkt werden, ob Jungweine dabei sind und welche Speisen angeboten werden, ist für den diesjährigen Termin noch zu bestätigen. Wer sich für Handwerk interessiert, kann die Gelegenheit nutzen, nicht nur nach dem Geschmack, sondern auch nach Herkunft, Verarbeitung und den Entscheidungen hinter dem Wein zu fragen.

    Wege und Angebote bleiben zu klären

    Für die Planung fehlen noch praktische Angaben: Welche Keller sind beteiligt, wie weit liegen die Stationen auseinander, und wie kommen Besucherinnen und Besucher zwischen ihnen weiter? Ein früherer Veranstaltungshinweis eines einzelnen Weinguts erwähnte einen Bummelzug. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass dieser auch 2026 fährt. Ebenso sind aktuelle Informationen zu Eintritt, Anreise und möglichen Angeboten ohne Alkohol vor der Veröffentlichung direkt beim Veranstalter zu bestätigen.

    Wer den Tag besuchen möchte, sollte deshalb das Programm des Weinbauvereins prüfen, sobald es vorliegt, und die Anreise so planen, dass kein Alkohol am Steuer im Spiel ist. Ein alkoholfreies Angebot ist bislang nicht ausgewiesen; das ist keine Aussage darüber, ob es keines geben wird. Für einen belastbaren Eindruck davon, was die offenen Türen tatsächlich zeigen, braucht es schließlich den Besuch selbst. Bis dahin bleibt der Termin ein Versprechen auf Begegnungen – nicht schon der Beleg für einen Blick hinter sämtliche Abläufe.

  • Wiener Wein im eigenen Stadtalltag

    Wiener Wein im eigenen Stadtalltag

    Eine Stadt kann sich ihren Wein nicht bloß ins Glas holen: In Wien stehen die Weingärten tatsächlich im Stadtgebiet. Zwischen dicht bebauten Vierteln, Verkehrsachsen und Grünraum wächst eine landwirtschaftliche Kultur, die im Alltag leicht aus dem Blick gerät – bis eine Flasche auf dem Tisch steht oder die Winzerinnen und Winzer selbst ausschenken.

    Am Donnerstag, 12. November 2026, soll die Tour de Vin unter dem Titel „Wine in the City“ in die Markterei Markthalle kommen. Falstaff kündigt dort neun Wiener ÖTW-Betriebe mit aktuellen Jahrgängen und gereiften Weinen an. Was Besucherinnen und Besucher tatsächlich fragen und welche Themen das Gespräch prägen, lässt sich vor dem Termin nicht vorwegnehmen. Die Veranstaltung ist deshalb ein Anlass, die Verbindung zwischen Herkunft und Stadtleben zu betrachten – kein Ersatz für Stimmen aus dem Publikum.

    Weinbau, nicht bloß Stadtromantik

    Wien ist das einzige österreichische Weinbaugebiet, das eine Großstadt umfasst. Nach der Flächendokumentation von Österreich Wein waren 2023/24 insgesamt rund 588 Hektar Rebfläche ausgewiesen. Der Wiener Gemischte Satz machte davon mit rund 239 Hektar einen großen Teil aus. Die Zahlen machen den Weinbau zu mehr als einer malerischen Kulisse: Reben gehören zur landwirtschaftlichen Nutzung und prägen zugleich den offenen Landschaftsraum der Stadt.

    Besonders eng mit Wien verbunden ist der „Wiener Gemischte Satz DAC“. Die geschützte Bezeichnung ist an konkrete Regeln gebunden: Mindestens drei Rebsorten müssen gemeinsam im Weingarten stehen, zusammen gelesen und verarbeitet werden. Der größte Sortenanteil darf höchstens die Hälfte ausmachen, der drittgrößte muss mindestens zehn Prozent erreichen. Das ist mehr als ein traditionsreich klingender Name: Die Herkunft und die gemeinsame Verarbeitung sind Teil dessen, was die Bezeichnung verspricht.

    Vom Heurigen auf den Esstisch

    Der Heurige ist ein naheliegender Ort, Wiener Wein kennenzulernen, aber nicht der einzige. In einer Weinbar, im Restaurant oder zu Hause kann ein Wiener Weißwein auch ein unkomplizierter Begleiter zum Essen sein. Zu einer würzigen Jause oder gebratenem Gemüse kann ein trockener Weißwein mit lebendiger Säure einen frischen Gegenpol setzen; bei reichhaltigeren Speisen hilft Säure, den Eindruck von Fett auszubalancieren. Das ist keine starre Paarungsregel: Entscheidend sind Zubereitung, Würze und der Stil des konkreten Weins.

    Der Gemischte Satz bietet zudem einen guten Gesprächseinstieg, weil seine Rebsorten nicht erst im Keller zu einer Cuvée verschnitten werden: Sie wachsen gemeinsam und werden zusammen verarbeitet. Wie sich das in einem bestimmten Wein ausdrückt, hängt jedoch vom Jahrgang und vom Ausbau ab. Ohne konkrete Flaschen und gesicherte Angaben wäre es falsch, einen einheitlichen Geschmack für Wiener Wein zu behaupten.

    Begegnung statt fertiger Antwort

    Eine Verkostung mitten in der Stadt kann Herkunft greifbarer machen: Wer ein Glas probiert, kann direkt nach Weingarten, Rebsorten oder Bewirtschaftung fragen – oder danach, welcher Wein zum Essen auf dem eigenen Tisch passt. Ob solche Fragen am 12. November tatsächlich den Ton angeben, ist noch offen. Ebenso offen bleibt, ob das Publikum stärker über Herkunft, Arbeitsweise oder den Platz des Weins in der Gastronomie sprechen möchte.

    Gerade diese Antworten würden aus einer Präsentation einen Bericht über Stadtalltag machen. Vor dem Termin lässt sich nur festhalten: Wiener Wein ist keine bloße Besucherattraktion, sondern kommt aus Rebflächen innerhalb der Stadt und trägt eine klar definierte Herkunftsbezeichnung. Ob diese Nähe im Alltag spürbar wird, entscheidet sich nicht allein im Weingarten – sondern auch dort, wo Menschen Wein zum Essen wählen, im Lokal darüber sprechen oder ihn bei einer Präsentation kennenlernen.

  • Kärnten öffnet seine Keller: Wie erklärt sich eine Weinregion?

    Kärnten öffnet seine Keller: Wie erklärt sich eine Weinregion?

    Am Samstag, 7. November, kündigt der Weinbauverband Kärnten einen „Tag der offenen Kellertür“ an. Von 14 bis 20 Uhr sollen Gäste Einblick in den Weinbau des südlichsten österreichischen Bundeslands bekommen. Welche Betriebe heuer teilnehmen und an welchen Adressen sich ihre Türen öffnen, ließ sich aus den verfügbaren Veranstaltungsangaben noch nicht einzeln bestätigen – vor der Anreise lohnt daher der Blick auf die aktuellen Informationen des Verbands.

    Ein offener Keller ist mehr als ein Ort zum Probieren. Er macht sichtbar, wie eine Weinregion funktioniert: in den Weingärten, die sich über verschiedene Täler und Höhenlagen verteilen, in der Auswahl der Reben und in den Entscheidungen, die vom Erntezeitpunkt bis zum Ausbau reichen. Ob die beteiligten Betriebe daraus ein gemeinsames Bild Kärntens zeichnen oder vor allem ihre eigenen Geschichten erzählen, wird sich am Veranstaltungstag zeigen.

    Eine Region aus vielen Weinorten

    Kärnten gehört zur österreichischen Weinbauregion Bergland. Die Weingärten liegen nicht in einem geschlossenen Gürtel, sondern an mehreren Orten des Bundeslands. Der Weinbauverband beschreibt Schwerpunkte im Lavanttal, rund um St. Veit und den Längsee, im Raum Feldkirchen sowie bei Klagenfurt. Weiter westlich gibt es einzelne Weinbauflächen.

    Das prägt auch den Blick auf das „Terroir“: Statt einer einzigen, leicht wiedererkennbaren Landschaft begegnet man unterschiedlichen Standorten. Nach Angaben des Verbands wird der Weinbau überwiegend an Hängen und Steilhängen betrieben, meist zwischen etwa 400 und 750 Metern Seehöhe. Der Alpenhauptkamm hält manche nördlichen Wetterströmungen ab; zugleich beeinflussen kühle Bergluft im Frühjahr und warme Sommer die Vegetationszeit. Das sind Rahmenbedingungen, keine Garantie für ein einheitliches Geschmacksbild.

    Rebsorten erzählen mit

    Österreich Wein nennt für Kärnten weiße Burgundersorten als wichtige Gruppe; daneben wachsen unter anderem Sauvignon Blanc, Riesling und Traminer. Auch Zweigelt und Blauer Burgunder sind vertreten. Der Weinbauverband verweist zudem auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten, kurz PIWI, und auf Handarbeit bei der Lese. Das sind unterschiedliche Antworten auf Standort, Betriebsweise und den Umgang mit Pflanzenschutz – nicht bloß eine regionale Mode.

    Für Besucherinnen und Besucher kann der direkte Austausch mit den Winzerinnen und Winzern diese Vielfalt greifbar machen: Welche Sorte gedeiht auf welchem Hang? Was bedeutet die Seehöhe im jeweiligen Betrieb? Und welche Arbeit lässt sich im Keller noch nachvollziehen, wenn die Lese längst vorbei ist? Gute Antworten verbinden die Namen der Reben mit konkreten Entscheidungen, statt Kärnten auf ein einziges Landschafts- oder Aromaversprechen zu reduzieren.

    Vor der Fahrt genau hinschauen

    Der Verbandseintrag nennt Kärnten als Veranstaltungsort und den Zeitraum von 14 bis 20 Uhr, aber keine einzelnen Kelleradressen. Damit bleibt offen, ob sich die Betriebe bequem miteinander verbinden lassen oder ob zwischen den Standorten längere Wege liegen. Auch Anmeldung, Eintritt und mögliche Besuchsregeln sollten vorab direkt geprüft werden.

    Gerade darin liegt die praktische Seite eines offenen Kellertags: Er kann eine Weinregion nicht nur im Glas, sondern als Netz aus Orten, Höhenlagen und Arbeitsweisen erklären. Für Kärnten wäre das ein passender Zugang – vorausgesetzt, die einzelnen Türen und Wege sind für Gäste klar ausgewiesen.

  • Wie viel Weinwelt passt in ein Händlersortiment?

    Wie viel Weinwelt passt in ein Händlersortiment?

    Ein Sortiment ist eine Landkarte mit blinden Flecken. Es kann zeigen, wie weit Weinbau geografisch und stilistisch reicht – und zugleich erzählen, was ein Händler für relevant, verständlich und lieferbar hält. Die MondoVino macht diese Auswahl in Wien sichtbar: WEIN & CO kündigt für den 13. und 14. November in der MARX HALLE mehr als 170 Produzentinnen und Produzenten aus Österreich und anderen Ländern an. Über 1.000 Produkte sollen sich dort erkunden lassen, neben Wein auch Bier, Spirituosen, Delikatessen und alkoholfreie Angebote.

    Die Zahl klingt nach Fülle. Doch Vielfalt ist nicht schon dann vermittelt, wenn viele Flaschen nebeneinanderstehen. Ein gutes Sortiment braucht Entscheidungen: Welche Herkunft bekommt Platz? Welche Rebsorte erzählt etwas Eigenständiges? Und wie finden Kundinnen und Kunden zwischen vertrauten Namen und weniger bekannten Regionen einen Zugang? Gerade diese Fragen machen eine Händlerverkostung interessant – nicht als Einkaufsliste, sondern als Blick auf die Arbeit hinter dem Regal.

    Auswahl heißt auch: weglassen

    Kein Händler kann die Weinwelt vollständig abbilden. Platz, Nachfrage, Verfügbarkeit und Preis setzen Grenzen; hinzu kommen persönliche Beziehungen zu Produzenten und die Frage, ob sich ein Wein schlüssig erklären lässt. Das sind allgemeine Kriterien des Handels, keine Aussage über die Auswahl der diesjährigen Messe. Bei einer Veranstaltung wie der MondoVino treffen sie auf ein Publikum, das vergleichen und nachfragen kann: über Herkunft, Ausbau, Rebsorten oder den Weg einer Flasche bis nach Wien.

    Für unabhängige Importeure und die Gastronomie ist Auswahl ebenfalls Übersetzungsarbeit. Ein Wein auf der Karte oder im Regal braucht mehr als ein Herkunftsland als Etikett: Er sollte sich in einen Zusammenhang stellen lassen – etwa als passende Begleitung zu einem Gericht, als Ausdruck einer Region oder als Gegenpol zu einem vertrauten Stil. In der Gastronomie kann Säure etwa Fett und Cremigkeit ausbalancieren; Süße wiederum verändert, wie scharf ein Gericht wirkt. Solche Zusammenhänge helfen beim Einordnen, ohne aus Kombinationen starre Regeln zu machen.

    Orientierung statt Marathon

    Die Veranstalterankündigung nennt sechs Masterclasses und geführte Wine Walks von rund 45 Minuten. Letztere sollen jeweils ausgewählte Weingüter und Themen verbinden; eine Anmeldung ist erforderlich. Solche Formate können bei großer Auswahl eine nützliche Dramaturgie setzen: Wer sich für Schaumwein, Herkunft oder gereifte Weine interessiert, folgt einem roten Faden, statt planlos von Stand zu Stand zu gehen. Ob die jeweilige Auswahl überzeugt, lässt sich allerdings erst vor Ort beurteilen.

    Auch der angekündigte begehbare Verkostungswürfel mit Blindproben setzt einen anderen Akzent: Aufmerksamkeit weg vom Etikett, hin zum Vergleich. Das ersetzt weder Herkunftswissen noch die Erklärung durch Produzentinnen und Produzenten. Es kann aber daran erinnern, dass ein Wein nicht allein durch Namen, Preis oder Prestige spricht.

    Was im Regal nachwirkt

    Eine Messe zeigt ein Sortiment für zwei Nachmittage; ein Händler muss daraus Entscheidungen für den Alltag treffen. Welche Flasche bleibt im Gespräch, welche findet ihren Platz bei einem Essen, welche erschließt eine neue Region? Die MondoVino liefert dafür ein großes Schaufenster und die Gelegenheit, Fragen direkt an Ausstellende zu richten. Das Urteil über noch nicht verkostete Weine bleibt offen. Interessant ist schon jetzt die Grundfrage: Wie viel Welt passt ins Regal – und wie viel Erklärung braucht es, damit aus Auswahl Orientierung wird?

  • Würzburg unter der Stadt: Was Keller über Wein vermitteln

    Würzburg unter der Stadt: Was Keller über Wein vermitteln

    In Würzburg liegt Weinbau nicht nur an den Hängen über dem Main. Ein Teil seiner Geschichte und Arbeit steckt unter der Stadt: in Gewölben, Lagerkellern und Räumen, die bis heute zu Weingütern gehören. Am Samstag, 21. November 2026, öffnen Bürgerspital, Juliusspital, Staatlicher Hofkeller und Weingut am Stein ihre Keller für die „Nacht der offenen Weinkeller“. Der Termin ist noch nicht gewesen; was die Gäste dort tatsächlich erfahren, lässt sich vorab nicht als Erlebnisbericht erzählen. Die angekündigten Orte und Programmpunkte zeigen aber, welche Geschichten Keller vermitteln können – und wo die Inszenierung mitredet.

    Vom Raum zum Arbeitswissen

    Ein Keller ist zunächst kein Museum, sondern Teil des Betriebs. Hier wird Wein gelagert, umgefüllt oder für die Abfüllung vorbereitet. Holzfass und Edelstahltank stehen dabei für unterschiedliche Materialien und Arbeitsweisen, nicht automatisch für eine einfache Gegenüberstellung von „traditionell“ und „modern“. Wer im Keller mehr erfahren will, sollte deshalb auf die konkreten Abläufe achten: Welche Gefäße werden wofür genutzt? Wie unterscheiden sich Ausbau und Lagerung? Und welche Arbeitsschritte finden heute überhaupt noch in dem Raum statt?

    Die Veranstalter stellen verschiedene Kellerwelten in Aussicht. Das Bürgerspital kündigt Stationen mit ausgewählten Weinen und Einblicke in einen Bereich mit Edelstahltanks an. Im Juliusspital sollen große Holzfässer den historischen Keller prägen. Beim Weingut am Stein sind für das Warm-up Kellerführungen mit Erläuterungen zum Ausbau angekündigt; dort sollen auch Weine direkt aus dem Fass probiert werden können. Solche Programmpunkte können Arbeitswissen vermitteln – wenn aus dem Blick auf Fass oder Tank auch eine Erklärung wird, was darin geschieht.

    Geschichte ist mehr als Kulisse

    Besonders sichtbar wird der lange Zusammenhang von Wein und Stadt im Staatlichen Hofkeller unter der Würzburger Residenz. Das Weingut führt seine Geschichte auf eine Schenkung von 1128 zurück und verweist auf den Bau des heutigen Kellers ab 1720. Die Räume sind damit nicht bloß eine stimmungsvolle Hülle: Sie gehören zu einer Weinwirtschaft, deren Besitz- und Herrschaftsgeschichte sich mehrfach verändert hat. Die knappe Zeitlinie des Hofkellers erzählt auch von Übergängen – vom fürstbischöflichen über den königlich bayerischen zum staatlichen Betrieb.

    Ein weiterer Blick in die Stadtgeschichte führt in den Gewölbekeller der Alten Universität. Nach Angaben der Universität wurde er als Weinkeller angelegt und ab 1928 vom jüdischen Weinhändler Max Stern gepachtet. Die Familie floh vor der nationalsozialistischen Verfolgung; im Zweiten Weltkrieg diente der Keller als Luftschutzraum. Er gehört nicht zu den vier Veranstaltungsorten des Abends, zeigt aber, wie sich die Geschichte eines Weinkellers mit Handel, Verfolgung und Stadtleben verschränken kann. Solche Geschichten brauchen Kontext – stimmungsvolle Beleuchtung allein erzählt sie nicht.

    Unterwegs mit Maß und Orientierung

    Die Keller liegen nicht an einem einzigen Ort. Der VDP kündigt Shuttlebusse zwischen den Innenstadtweingütern und dem Weingut am Stein an; die Stadt Würzburg nennt abweichende Angaben zu Preis und Ablauf. Wer den Abend plant, sollte die aktuellen Informationen des Veranstalters prüfen und nicht mit einem festen Takt oder Betrag rechnen, solange die Angaben auseinandergehen. Der Shuttle macht den Ortswechsel ohne eigenes Auto grundsätzlich möglich; die Veranstaltung sollte dennoch kein Trinkparcours sein. Ein einzelner Keller, eine Führung und Zeit zum Zuhören können mehr über Wein vermitteln als möglichst viele Stationen.

    Auch die Atmosphäre ist Teil des Abends: Musik, Licht, Essen und Ausschank gehören zum angekündigten Programm. Sie können Keller zugänglich machen, aber auch den Blick auf ihre Funktion überdecken. Entscheidend ist die Frage, ob neben dem schönen Raum verständlich wird, wie Wein entsteht und warum genau dieser Keller so gebaut und genutzt wurde. Unter der Stadt lässt sich dann nicht nur feiern, sondern auch lesen – in Mauern, Fässern und den Geschichten, die Menschen mit ihnen verbinden.

  • Offene Keller statt Ausflugsroutine: Das Burgenland im November

    Offene Keller statt Ausflugsroutine: Das Burgenland im November

    Eine Kellertür ist ein guter Grund, einen Ausflug nicht durchzutakten. Für das Martiniloben in Purbach am Neusiedler See lohnt es sich, wenige Stationen auszuwählen und Zeit für Fragen zu lassen. Am Freitag und Samstag, 6. und 7. November 2026, öffnen dort 17 Weinbaubetriebe jeweils von 15 bis 21 Uhr. Veranstalter ist der Verein Purbacher Winzer; zum Wein kommt Kunst in Kooperation mit dem Kunstkreis Purbach.

    Der Reiz dieses Novemberwochenendes liegt nicht darin, möglichst viele Gläser zu sammeln. Interessanter ist die Gelegenheit, Herkunft und Kellerarbeit zusammenzudenken: draußen die Weinberge, im Ort die historischen Keller, im Gespräch die Entscheidungen eines Betriebs.

    Kellergasse mit Geschichte, Betriebe im ganzen Ort

    Um 1850 begannen Purbacher Winzer, am Fuß des Leithagebirges ihre Keller zu errichten. Rund 50 historische Keller bilden heute die Kellergasse. Sie gibt dem Besuch einen landschaftlichen und handwerklichen Zusammenhang – ist aber nicht mit dem gesamten Veranstaltungsgebiet gleichzusetzen. Die teilnehmenden Betriebe verteilen sich auch über andere Straßen des Orts.

    So nennt das Programm das Weinhaus Schüller in der Kellergasse 12, das Weingut Familie Braunstein in der Hauptgasse 16 und den Weinhof Leidl-Putz in der Sätzgasse 13. Das sind mögliche Anlaufpunkte, keine Qualitätsrangliste. Sinnvoll ist eine kleine Route mit Zeit für Gespräche, eine Essenspause und die Wege dazwischen.

    Herkunft verstehen, den Jahrgang offenlassen

    Purbach gehört zur Weinlandschaft des Leithabergs. Kalk und kristalline Gesteine wie Glimmerschiefer prägen das Gebiet; zu seinen wichtigen Rebsorten zählen Blaufränkisch und weiße Burgundersorten. Das liefert Gesprächsstoff jenseits der Frage, welcher Wein am besten gefällt: Von welchem Boden stammen die Trauben? Warum wurde dieser Wein im Holz, jener im Tank ausgebaut?

    Wer dem Jahrgang 2026 begegnen möchte, sollte gezielt fragen, welche Weine bereits vorgestellt werden und welche noch im Keller bleiben. Aus dem Termin nach der Lese lässt sich weder eine vollständige Jungweinprobe noch ein Urteil über den Jahrgang ableiten. Auch ältere Weine können helfen, die Arbeitsweise eines Betriebs zu verstehen. Eine konkrete Ausschankliste ist bislang nicht belegt.

    Am Samstag ist um 14 Uhr die Weintaufe zwischen den beiden Türkentoren angekündigt. Wer zuerst die Landschaft kennenlernen möchte, kann an beiden Tagen um 10 Uhr zu einer geführten Weinbergwanderung aufbrechen. Laut Veranstalterfolder beginnt sie am Kellerplatz, dauert etwa zweieinhalb Stunden und kostet neun Euro; eine Anmeldung ist vorgesehen.

    Mit der Bahn hin – und mit Rückfahrplan zurück

    Für die Anreise aus Wien bietet der veröffentlichte Regelfahrplan eine konkrete Möglichkeit: Der direkte REX64 fährt um 13.18 Uhr am Hauptbahnhof ab und erreicht Purbach am Neusiedlersee um 14.13 Uhr. Für die Rückfahrt ist ein direkter REX64 um 21.46 Uhr verzeichnet, mit Ankunft in Wien um 22.42 Uhr. Das lässt nach dem Ende der Kelleröffnung Zeit für den Weg zum Bahnhof, sofern die letzte Station entsprechend gewählt ist. Die Zeiten gelten nach Regelfahrplan; kurzfristige Abweichungen bleiben möglich.

    Die Zweitageskarte kostet laut Veranstalter 50 Euro, einschließlich eines Weineinkaufsgutscheins über 25 Euro. Karten gibt es im Stadl der Familie Fischer zwischen den beiden Türkentoren und beim Weinhof Leidl-Putz; vorgesehen ist ausschließlich Barzahlung. Preisstand: 5. November 2026.

    Zum guten Besuchsplan gehören außerdem Wasser, kleine Proben, ein Spuckgefäß und eine feste Essenspause. Wer alkoholfrei unterwegs sein möchte, sollte das Angebot vorab mit den gewünschten Betrieben vereinbaren. Die Zahl besuchter Keller ist schließlich kein Maß für einen gelungenen Nachmittag – ein aufschlussreiches Gespräch schon eher.