Schlagwort: Aromaforschung

  • Kann Traubentrester alkoholfreiem Wein Aroma geben?

    Kann Traubentrester alkoholfreiem Wein Aroma geben?

    Alkoholfreier Wein beginnt oft mit einem Wein, dem der Alkohol nachträglich entzogen wird. Dabei verändert sich nicht nur der Alkoholgehalt: Auch flüchtige Aromastoffe können mit entfernt werden. An diesem Punkt setzt ein Forschungsprojekt der Hochschule Geisenheim an. Es fragt, ob gezielt fermentierter Traubentrester einen Teil der fehlenden Aromatik zurückbringen kann.

    Vorgestellt wird AROMAnoALK am Dienstag, 10. November 2026, um 14 Uhr auf der BrauBeviale in Nürnberg. Lisa Zimmermann präsentiert das Projekt am Stand der Hochschule Geisenheim in Halle 7, Stand 7-510. Der Ansatz klingt zunächst einfach: Ein Reststoff der Weinbereitung wird mithilfe von Mikroorganismen bearbeitet, um daraus Aromen für entalkoholisierten Wein und daraus hergestellte Getränke zu gewinnen. Ob das am Ende geschmacklich überzeugt, ist eine offene Forschungsfrage – kein bereits belegtes Ergebnis.

    Vom Pressrückstand zum möglichen Rohstoff

    Trester nennt man die festen Bestandteile, die nach dem Pressen der Trauben zurückbleiben: vor allem Schalen und Kerne, je nach Verarbeitung auch Stiele. Was davon übrig bleibt, ist keineswegs aromatisch neutral. In Schalen sitzen pflanzliche Inhaltsstoffe, die Mikroorganismen bei einer Fermentation umsetzen oder verändern können. Das Projekt will solche Vorgänge gezielt nutzen, statt den Trester nur als Nebenstrom der Weinproduktion zu betrachten.

    AROMAnoALK untersucht die Gewinnung von Aromen aus fermentiertem Trester zur Qualitätsoptimierung entalkoholisierter Weine. Nach Angaben des Forschungskreises der Ernährungsindustrie läuft das Vorhaben von 2024 bis 2027; beteiligt sind an der Hochschule Geisenheim Fachleute aus Mikrobiologie und Biochemie sowie aus der Oenologie. Die Laufzeit zeigt zugleich: Die Präsentation auf der Messe ist ein Einblick in laufende Forschung, kein Abschlussbericht.

    Was die Forschung noch zeigen muss

    Für die Übertragbarkeit auf den Keller kommt es auf mehrere Schritte an. Welcher Trester eignet sich – von welcher Rebsorte und aus welcher Verarbeitung? Welche Mikroorganismen bilden unter welchen Bedingungen die gewünschten Aromastoffe? Wie lassen sie sich aus dem vergorenen Material gewinnen, dosieren und stabil in ein fertiges Getränk einarbeiten? Und bleibt der gewünschte Effekt auch dann erhalten, wenn die Abläufe vergrößert werden?

    Die bislang zugänglichen Projektinformationen beantworten diese Detailfragen nicht. Sie benennen weder die eingesetzten Mikroorganismen noch konkrete Versuchsparameter oder sensorische Ergebnisse. Gerade die sensorische Prüfung ist entscheidend: Eine im Labor messbare Aromaverbindung muss nicht automatisch in einem Getränk ausgewogen wirken. Auch die Zusammensetzung des Tresters dürfte eine Rolle spielen. Sorte, Reife, Pressung und Verarbeitung beeinflussen, welches Ausgangsmaterial überhaupt vorliegt.

    Vom Labor in den Betrieb

    Selbst wenn ein Ansatz im Forschungsmaßstab funktioniert, ist damit die Anwendung im Weingut oder in einem größeren Betrieb nicht erwiesen. Für den Alltag zählen verlässliche Rohstoffqualität, kontrollierbare Fermentation, Lebensmittelsicherheit, Aufwand und Kosten. Dazu kommt die Frage, wie sich ein gewonnenes Aroma in unterschiedlichen alkoholfreien Weinen verhält. Ein Riesling ist nicht mit jedem entalkoholisierten Wein gleichzusetzen; auch die Ausgangsqualität und das Verfahren des Alkoholentzugs prägen das Produkt.

    Das Projekt ist deshalb interessant, weil es zwei Herausforderungen zusammenführt: den Umgang mit einem Nebenprodukt der Weinbereitung und die Suche nach neuen Möglichkeiten für alkoholfreie Weine. Die Messepräsentation kann klären, welche Versuchsschritte bereits erprobt werden und wie die Forschenden ihre Proben beurteilen. Bis belastbare Resultate veröffentlicht sind, bleibt der Trester vor allem ein möglicher Aromalieferant – nicht der Beleg für eine bereits verbesserte Qualität alkoholfreier Weine.

  • Mehr Aroma ohne Alkohol: Was Forschung leisten kann

    Mehr Aroma ohne Alkohol: Was Forschung leisten kann

    Was nach dem Pressen übrig bleibt, könnte für alkoholfreie Produkte einen neuen Wert bekommen: Traubentrester, also Schalen, Kerne und Fruchtfleischreste. Die Hochschule Geisenheim untersucht im Projekt AROMAnoALK, wie sich daraus durch gezielte Fermentation Aromastoffe gewinnen lassen. Sie sollen entalkoholisierten Weinen und daraus hergestellten Getränken mehr Typizität geben – einen stärker erkennbaren Wein- oder Rebsortencharakter.

    Am 10. November 2026 stellt Lisa Zimmermann das Vorhaben um 14 Uhr auf der BrauBeviale in Nürnberg vor. Der Ansatz klingt einleuchtend: einen Nebenstrom der Weinbereitung nutzen, statt ihn nur als Rückstand zu betrachten. Doch zwischen einer aromatischen Fermentation und einem überzeugenden Getränk liegen mehrere Prüfungen.

    Warum Alkoholentzug mehr als Alkohol verändert

    Entalkoholisierung entfernt nicht einfach einen isolierten Bestandteil. Wie die Internationale Organisation für Rebe und Wein erläutert, verändert die Verringerung des Ethanols auch Aroma, Geschmack und Mundgefühl. Ein stärkerer Duft allein kann deshalb nicht sämtliche Veränderungen ausgleichen.

    Zudem kommt es auf das Verfahren an. Eine 2021 veröffentlichte Vergleichsstudie untersuchte Weiß-, Rosé- und Rotweine nach Umkehrosmose, einem Membranverfahren, und nach Vakuumdestillation. Bei jeweils 0,7 Volumenprozent Restalkohol blieben mit dem Membranverfahren mehr verschiedene flüchtige Verbindungen erhalten; auch die sensorische Akzeptanz fiel höher aus. Diese Versuche belegen keine allgemeine Rangfolge aller Anlagen. Und ihre Produkte waren nicht alkoholfrei im üblichen Sinne: Der untersuchte Restalkohol lag über 0,5 Volumenprozent.

    Trester als Ausgangsmaterial

    AROMAnoALK setzt bei einem zusätzlichen Aromarohstoff an. Fermentation bedeutet hier die gezielte Umsetzung des Tresters durch Mikroorganismen. Gewonnen werden sollen daraus Aromastoffe für entalkoholisierte Produkte. Das ist etwas anderes, als ausschließlich jene Aromen aufzufangen, die beim Alkoholentzug aus dem Ausgangswein entweichen.

    Nach Angaben des Forschungskreises der Ernährungsindustrie läuft das Projekt von 2024 bis 2027; beteiligt sind Geisenheimer Arbeitsbereiche für Mikrobiologie und Önologie, die Wissenschaft der Weinbereitung. Die öffentlich zugängliche Projektinformation beschreibt Ziele und erhofften Nutzen. Eine detaillierte Versuchsauswertung mit Aromaausbeuten, Dosierungen und belastbaren Vergleichsverkostungen bietet sie bislang nicht. Mehr Typizität ist damit zunächst ein Forschungsziel, kein nachgewiesenes Ergebnis für sämtliche alkoholfreien Weine.

    Was ein überzeugender Nachweis braucht

    Entscheidend wäre ein Vergleich desselben entalkoholisierten Grundprodukts mit und ohne Tresteraromen. Eine Blindverkostung müsste zeigen, ob die Zugabe nicht nur den Geruch verstärkt, sondern Ausgewogenheit und Wiedererkennbarkeit verbessert. Chemische Messwerte und sensorisches Urteil beantworten unterschiedliche Fragen: Eine höhere Konzentration beweist noch keinen höheren Genusswert.

    Für die Übertragung in den Keller wären weitere Nachweise nötig: Funktioniert der Ansatz mit unterschiedlichen Trestern und Grundweinen? Bleibt das Ergebnis während der Lagerung stabil? Sind Herstellung und Aufbereitung wirtschaftlich? Auch ein ökologischer Vorteil wäre erst dann belastbar, wenn der zusätzliche Aufwand der Verarbeitung mitbetrachtet wird.

    Traubenherkunft ist keine Zulassung

    Schließlich entscheidet die Rezeptur mit darüber, was rechtlich in der Flasche steckt. Für entalkoholisierten Wein gelten weinrechtliche Vorgaben; für andere Getränke können andere Regeln greifen. Die Herkunft eines Aromas aus Trauben ersetzt nicht die Prüfung, ob sein konkreter Einsatz zulässig ist und welche Bezeichnung das Endprodukt tragen muss. Auch die 2026 geänderten EU-Regeln für aromatisierte Weinerzeugnisse machen eine produktspezifische Einordnung notwendig.

    Für AROMAnoALK lässt sich aus den veröffentlichten Unterlagen keine pauschale rechtliche Freigabe ableiten. Der interessante Kern bleibt dennoch bestehen: Trester könnte zum gezielt genutzten Aromarohstoff werden. Ob daraus bessere alkoholfreie Produkte entstehen, müssen nachvollziehbare Versuche zeigen – nicht das Versprechen eines intensiveren Dufts.