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    Emrich-Schönleber: Was hinter der Auszeichnung steckt

    Der VINUM Weinguide Deutschland 2027, seit dem 3. November 2026 erhältlich, zeichnet Emrich-Schönleber als Weingut des Jahres aus. Der Titel ist ein aktueller Anlass, aber keine Erklärung für den Betrieb. Die führt nach Monzingen an der Nahe: zu einer Familie, die aus einem gemischten Landwirtschaftsbetrieb ein auf Riesling ausgerichtetes Weingut formte – und sich auch heute nicht nur an dem orientiert, was sich am leichtesten verkaufen ließe.

    Vom Mischbetrieb zum Weingut

    Weinbau in der Familie Emrich ist laut der betriebseigenen Chronik seit der Mitte des 18. Jahrhunderts belegt. In den 1960er Jahren sicherte Landwirtschaft neben Viehhaltung den Betrieb gegen die Risiken des Weinbaus ab. Zwischen 1965 und 1985 wurde daraus schrittweise ein reines Weingut; die Rebfläche wuchs nach Angaben des Hauses von etwa zwei auf zehn Hektar. Werner Schönleber setzte den Ausbau fort. 1994 trat der Betrieb dem VDP bei.

    Seit 2018 liegt die alleinige Verantwortung bei Frank Schönleber, der den Betrieb zuvor mit seinem Vater Werner geführt hatte. Die Arbeitsteilung bleibt familiär: Werner bringt seine langjährige Erfahrung im Außenbetrieb ein, Frank verantwortet Keller und Weinbauentscheidungen. Hanne Schönleber betreut vor allem Verkauf und Privatkunden; Anja Schönleber unterstützt Büro und Buchhaltung. Diese Rollen schildert die Familie selbst – sie geben Einblick in eine Organisation, in der Weinberg, Keller und Kundenkontakt nicht als getrennte Welten erscheinen.

    Der Hang als langfristige Aufgabe

    Der Halenberg ist mehr als ein Name auf dem Etikett. Frank Schönleber sagt im VDP-Interview, der Familie gehörten mehr als 60 Prozent der VDP.GROSSEN LAGE. Einen großen Teil habe sie nach jahrzehntelanger Verbuschung rekultiviert. Das ist eine langfristige Entscheidung: Flächen zurückzugewinnen verlangt Arbeit, bevor daraus wieder Ertrag werden kann. Der Betrieb führt außerdem die Lagen Frühlingsplätzchen und Auf der Ley in Monzingen sowie den Monzinger Niederberg.

    Die VDP-Angaben nennen 22,8 Hektar Rebfläche und Riesling als mit Abstand wichtigste Rebsorte. Die eigene Chronik spricht von rund 22 Hektar und einem Rieslinganteil von rund 90 Prozent; die Angaben weichen in den Anteilen leicht voneinander ab. Das gemeinsame Bild ist klar: Der Betrieb konzentriert sich stark auf Riesling, ergänzt durch Burgundersorten. Der VDP führt Schiefer, Quarzit und Kiesel als geologische Merkmale der Weinberge.

    Nicht nur dem Markt folgen

    Eine wirtschaftliche Entscheidung lässt sich auch daran ablesen, was ein Betrieb nicht aufgibt. Frank Schönleber beschreibt im VDP-Interview, dass die Nachfrage zunehmend den trockenen Weinen zugutekam. Komplett auf trockene Weine umzustellen, wäre nach seiner Einschätzung wirtschaftlich naheliegend. Trotzdem hält das Haus an fruchtsüßen Spätlesen fest: als Tradition der Nahe, die weiterentwickelt werden soll, statt sie aus dem Sortiment zu streichen.

    Das ist keine Absage an Veränderung. Schönleber spricht von einer feineren Ausrichtung dieser Weine und nennt als weiteres Vorhaben, einen Teil der Orts- und Lagenweine länger im Keller zurückzuhalten. Das bindet Lagerraum und verzögert den Verkauf; wie stark sich das betriebswirtschaftlich auswirkt, lässt sich aus öffentlichen Angaben nicht beziffern. Es zeigt aber, dass Entscheidungen hier nicht allein am kurzfristigen Absatz ausgerichtet werden.

    Auszeichnung und Alltag

    Der Weinguide-Titel würdigt das Haus, ersetzt aber nicht den Blick auf seine Entwicklung: den Umbau vom Mischbetrieb, die Rekultivierung am Halenberg und die Aufgabenverteilung über mehrere Generationen. Emrich-Schönleber ist ein Familienbetrieb, dessen Kontinuität nicht bedeutet, alles unverändert zu lassen. Sie zeigt sich darin, dass ein jüngerer Betriebsleiter Verantwortung übernimmt, während Erfahrung und gewachsene Verpflichtungen im Weinberg präsent bleiben – und dass auch eine weniger gefragte Weinkategorie ihren Platz behalten darf.