Vom 12. bis 14. November richtet sich der Blick des Weinbaus auf La Gomera: Die Insel beherbergt die III Jornadas Técnicas Internacionales de Vitivinicultura Sostenible, eine internationale Fachtagung, die in der Agenda der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) steht. Organisiert wird sie von der Cátedra de Agroturismo y Enoturismo de Canarias der Universität La Laguna und des Kanarischen Instituts für Lebensmittelqualität, gemeinsam mit dem Cabildo von La Gomera. Es geht um mehr als ein grünes Etikett: Was muss ein Weinbaubetrieb belegen, wenn er seine Arbeit nachhaltig nennt?
Die Frage ist auf der Insel besonders konkret. La Gomera ist steil und kleinteilig; Reben stehen auf Terrassen und Hängen, die vielerorts von Trockenmauern gehalten werden. Das macht den Anbau arbeitsintensiv und erschwert den Zugang mit Maschinen. Die geschützte Herkunftsbezeichnung DOP La Gomera umfasst die Insel. Doch Herkunft allein ist kein Nachhaltigkeitsnachweis. Entscheidend ist, welche Folgen die Bewirtschaftung tatsächlich hat – für Wasser und Böden ebenso wie für Menschen und Betriebskosten.
Eine Bilanz statt eines Schlagworts
Für den Wasserverbrauch reicht es nicht, nur die Menge zu nennen, die auf dem Weinberg ankommt. Aussagekräftig wäre eine nachvollziehbare Bilanz: Wie viel Wasser wird je Fläche und Erntemenge eingesetzt, aus welcher Quelle stammt es, und wie verändern sich Bedarf und Ertrag zwischen Jahren? Auch Bodenpflege und Vegetation im Weinberg können die Bewertung beeinflussen. Solche Fragen sind hier Prüfkriterien, keine vorweggenommenen Ergebnisse über Betriebe auf La Gomera.
Ähnlich sorgfältig müsste der Blick auf Transport und Energie ausfallen. Inselwein kann Wege zu Abfüllung, Verpackung und Absatzmärkten einschließen, die sich von denen eines Festlandsbetriebs unterscheiden. Zugleich ist eine Bilanz nur dann fair, wenn sie klar abgrenzt, welche Strecken und Prozessschritte sie erfasst. Ohne vergleichbare Bezugsgrößen drohen einfache Aussagen – etwa «regional» oder «ressourcenschonend» – mehr zu versprechen, als Daten tragen.
Der Aufwand gehört mitgerechnet
Nachhaltigkeit ist nicht allein eine Frage des ökologischen Fußabdrucks. Auf steilen Parzellen kostet Handarbeit Zeit; Erreichbarkeit, Pflege der Mauern und verfügbare Arbeitskräfte prägen, ob eine Bewirtschaftung langfristig möglich ist. Eine umfassendere Betrachtung würde daher Umweltwirkungen mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit und sozialen Bedingungen zusammendenken. Welche Kennzahlen dafür taugen, hängt auch davon ab, ob sie auf Betriebsebene erhoben und über mehrere Jahre verglichen werden können.
Die Veranstalter stellen die Tagung unter das Thema nachhaltiger beziehungsweise regenerativer Weinbau. Das Cabildo kündigte ein ausführliches technisches und akademisches Programm an; Details waren zum Redaktionsstand noch nicht vollständig veröffentlicht. Deshalb lässt sich noch nicht sagen, welche konkreten Fallstudien oder Messverfahren diskutiert werden. Gerade darin liegt der journalistische Prüfstein für die Vorschau: Nicht ein Bekenntnis zur Nachhaltigkeit macht ein Verfahren überprüfbar, sondern offengelegte Kriterien, belastbare Daten und eine Bilanz, die Zielkonflikte nicht ausblendet.
Drei Tage auf La Gomera
Die Tagung findet vom 12. bis 14. November 2026 auf La Gomera statt. Im Mittelpunkt stehen laut Veranstaltern Herausforderungen des Weinbaus angesichts von Klimawandel und Wasserknappheit; außerdem ist die Verleihung des Preises «Vitivinicultura Sostenible 2026» angekündigt. Der genaue Veranstaltungsort auf der Insel war in den geprüften Angaben nicht ausgewiesen. Für die Region ist das Treffen eine Gelegenheit, die besondere Arbeit in ihren Weinbergen in eine größere Debatte einzubringen – und für die Fachwelt, Nachhaltigkeit dort nicht als Etikett, sondern als überprüfbare Praxis zu diskutieren.
