Eine Kellertür ist ein guter Grund, einen Ausflug nicht durchzutakten. Für das Martiniloben in Purbach am Neusiedler See lohnt es sich, wenige Stationen auszuwählen und Zeit für Fragen zu lassen. Am Freitag und Samstag, 6. und 7. November 2026, öffnen dort 17 Weinbaubetriebe jeweils von 15 bis 21 Uhr. Veranstalter ist der Verein Purbacher Winzer; zum Wein kommt Kunst in Kooperation mit dem Kunstkreis Purbach.
Der Reiz dieses Novemberwochenendes liegt nicht darin, möglichst viele Gläser zu sammeln. Interessanter ist die Gelegenheit, Herkunft und Kellerarbeit zusammenzudenken: draußen die Weinberge, im Ort die historischen Keller, im Gespräch die Entscheidungen eines Betriebs.
Kellergasse mit Geschichte, Betriebe im ganzen Ort
Um 1850 begannen Purbacher Winzer, am Fuß des Leithagebirges ihre Keller zu errichten. Rund 50 historische Keller bilden heute die Kellergasse. Sie gibt dem Besuch einen landschaftlichen und handwerklichen Zusammenhang – ist aber nicht mit dem gesamten Veranstaltungsgebiet gleichzusetzen. Die teilnehmenden Betriebe verteilen sich auch über andere Straßen des Orts.
So nennt das Programm das Weinhaus Schüller in der Kellergasse 12, das Weingut Familie Braunstein in der Hauptgasse 16 und den Weinhof Leidl-Putz in der Sätzgasse 13. Das sind mögliche Anlaufpunkte, keine Qualitätsrangliste. Sinnvoll ist eine kleine Route mit Zeit für Gespräche, eine Essenspause und die Wege dazwischen.
Herkunft verstehen, den Jahrgang offenlassen
Purbach gehört zur Weinlandschaft des Leithabergs. Kalk und kristalline Gesteine wie Glimmerschiefer prägen das Gebiet; zu seinen wichtigen Rebsorten zählen Blaufränkisch und weiße Burgundersorten. Das liefert Gesprächsstoff jenseits der Frage, welcher Wein am besten gefällt: Von welchem Boden stammen die Trauben? Warum wurde dieser Wein im Holz, jener im Tank ausgebaut?
Wer dem Jahrgang 2026 begegnen möchte, sollte gezielt fragen, welche Weine bereits vorgestellt werden und welche noch im Keller bleiben. Aus dem Termin nach der Lese lässt sich weder eine vollständige Jungweinprobe noch ein Urteil über den Jahrgang ableiten. Auch ältere Weine können helfen, die Arbeitsweise eines Betriebs zu verstehen. Eine konkrete Ausschankliste ist bislang nicht belegt.
Am Samstag ist um 14 Uhr die Weintaufe zwischen den beiden Türkentoren angekündigt. Wer zuerst die Landschaft kennenlernen möchte, kann an beiden Tagen um 10 Uhr zu einer geführten Weinbergwanderung aufbrechen. Laut Veranstalterfolder beginnt sie am Kellerplatz, dauert etwa zweieinhalb Stunden und kostet neun Euro; eine Anmeldung ist vorgesehen.
Mit der Bahn hin – und mit Rückfahrplan zurück
Für die Anreise aus Wien bietet der veröffentlichte Regelfahrplan eine konkrete Möglichkeit: Der direkte REX64 fährt um 13.18 Uhr am Hauptbahnhof ab und erreicht Purbach am Neusiedlersee um 14.13 Uhr. Für die Rückfahrt ist ein direkter REX64 um 21.46 Uhr verzeichnet, mit Ankunft in Wien um 22.42 Uhr. Das lässt nach dem Ende der Kelleröffnung Zeit für den Weg zum Bahnhof, sofern die letzte Station entsprechend gewählt ist. Die Zeiten gelten nach Regelfahrplan; kurzfristige Abweichungen bleiben möglich.
Die Zweitageskarte kostet laut Veranstalter 50 Euro, einschließlich eines Weineinkaufsgutscheins über 25 Euro. Karten gibt es im Stadl der Familie Fischer zwischen den beiden Türkentoren und beim Weinhof Leidl-Putz; vorgesehen ist ausschließlich Barzahlung. Preisstand: 5. November 2026.
Zum guten Besuchsplan gehören außerdem Wasser, kleine Proben, ein Spuckgefäß und eine feste Essenspause. Wer alkoholfrei unterwegs sein möchte, sollte das Angebot vorab mit den gewünschten Betrieben vereinbaren. Die Zahl besuchter Keller ist schließlich kein Maß für einen gelungenen Nachmittag – ein aufschlussreiches Gespräch schon eher.
