Schlagwort: PIWI-Rebsorten

  • PIWI-Züchtung: Wie lange soll eine Resistenz tragen?

    PIWI-Züchtung: Wie lange soll eine Resistenz tragen?

    Eine Resistenz ist kein Versprechen auf Unverwundbarkeit. Sie ist ein Vorsprung, den eine Rebe gegenüber einem Krankheitserreger besitzt – und den der Erreger durch Anpassung verkleinern kann. Für die PIWI-Züchtung lautet die entscheidende Frage deshalb nicht nur, ob eine neue Sorte Mehltau widersteht. Es geht auch darum, wie lange und unter welchen Bedingungen dieser Schutz trägt.

    Das Thema ist aktuell: Die Hochschule Geisenheim plant für ihre internationale Alumni-Woche vom 22. bis 28. November 2026 einen Arbeitsbereich zu Rebenzüchtung und Mikrobiologie. Ein Anlass, genauer auf die Zusammenarbeit von Labor, Züchtung und Weinberg zu schauen – ohne dass sich daraus bereits Ergebnisse oder Aussagen der Teilnehmenden ableiten lassen.

    Wenn der Erreger dazulernt

    PIWI steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Viele davon tragen Erbanlagen, die ursprünglich aus anderen Vitis-Arten stammen und der europäischen Kulturrebe Schutz vor echtem oder falschem Mehltau verleihen. Dieser Schutz beruht zum Teil darauf, dass die Pflanze bestimmte Merkmale des Erregers erkennt und eine Abwehrreaktion auslöst.

    Doch Krankheitserreger sind keine unveränderlichen Gegenspieler. In ihren Populationen können Varianten auftreten, die von einer Abwehr weniger gut erkannt werden. Unter dem Druck einer verbreiteten Resistenz haben solche Varianten einen Vorteil: Sie können sich stärker vermehren und die Schutzwirkung der Sorte schwächen. INRAE-Forschung aus dem Jahr 2026 beschreibt unterschiedliche Anpassungswege des Erregers des falschen Mehltaus. Das unterstreicht, warum eine erfolgreiche Resistenz nicht automatisch dauerhaft ist.

    Eine feste Haltbarkeit in Jahren lässt sich daraus nicht ableiten. Sie hängt unter anderem davon ab, welche Erregerstämme vorkommen, welche Resistenzgene eine Sorte trägt und wie stark sie angebaut wird. Auch Standort und Witterung beeinflussen, wann und wie deutlich eine Krankheit auftritt. Ein einzelnes Jahr ohne sichtbaren Befall beweist daher weder dauerhafte Resistenz noch deren Zusammenbruch.

    Mehr als ein Schutzschlüssel

    Ein Weg, die Widerstandskraft zu stärken, ist die Kombination mehrerer Resistenzfaktoren. Fachleute sprechen von Pyramiden, wenn mehrere Gene gegen denselben Erreger in einer Sorte zusammenkommen. Muss der Erreger mehrere Abwehrmechanismen zugleich überwinden, kann das schwieriger sein als bei einer einzelnen Resistenz. Eine Garantie ist auch das nicht: Resistenzgene unterscheiden sich in ihrer Wirkung, und Erreger können sich weiterentwickeln.

    Züchtung prüft deshalb nicht nur, ob ein Sämling im Labor auf einen Erreger reagiert. Entscheidend sind mehrjährige Versuche, verschiedene Erregerstämme und Beobachtungen an unterschiedlichen Standorten. Die OIV empfiehlt für die Beurteilung von Mehltauresistenz Feldprüfungen über mehrere Jahre; bei Prüfungen auf falschen Mehltau sollen sie ohne chemischen Pflanzenschutz oder Resistenzverstärker erfolgen. So lässt sich die natürliche Reaktion der Rebe besser beurteilen.

    Der Weinberg als Frühwarnsystem

    Auch nach der Sortenzulassung endet die Prüfung nicht. Das französische OSCAR-Netzwerk beobachtet resistente Sorten in Praxisparzellen, erfasst Krankheitsverläufe und sammelt Erregerproben. Im Labor werden diese auf Eigenschaften wie Aggressivität und Virulenz untersucht. Solche Netze verbinden Beobachtungen aus Weinbergen mit genetischen und biologischen Analysen – und können Veränderungen sichtbar machen, die eine Einzelparzelle kaum einordnet.

    Für den Weinbau zählt dabei nicht nur der große Resistenzbruch. Wiederkehrender Befall, Unterschiede zwischen Sorten oder Regionen und der nötige Pflanzenschutz gehören ebenfalls in die Erfassung. PIWI bedeutet nicht automatisch „nie spritzen“: Die Sorten können auch von weiteren Krankheiten betroffen sein, und bei nachlassender Wirkung müssen Betriebe ihre Maßnahmen anpassen.

    Die Dauerhaftigkeit entsteht somit nicht allein im Züchtungslabor. Sie hängt auch davon ab, ob Weinbau, Forschung und Züchtung ihre Beobachtungen systematisch teilen. Wenn auffällige Befälle dokumentiert und Erreger untersucht werden, lässt sich die nächste Züchtung gezielter ausrichten. Die Resistenzfrage ist deshalb kein Countdown, sondern eine fortlaufende Aufgabe: Schutzgene auswählen, ihre Wirkung unter realen Bedingungen prüfen und rechtzeitig reagieren, wenn der Erreger neue Wege findet.

  • Kärnten öffnet seine Keller: Wie erklärt sich eine Weinregion?

    Kärnten öffnet seine Keller: Wie erklärt sich eine Weinregion?

    Am Samstag, 7. November, kündigt der Weinbauverband Kärnten einen „Tag der offenen Kellertür“ an. Von 14 bis 20 Uhr sollen Gäste Einblick in den Weinbau des südlichsten österreichischen Bundeslands bekommen. Welche Betriebe heuer teilnehmen und an welchen Adressen sich ihre Türen öffnen, ließ sich aus den verfügbaren Veranstaltungsangaben noch nicht einzeln bestätigen – vor der Anreise lohnt daher der Blick auf die aktuellen Informationen des Verbands.

    Ein offener Keller ist mehr als ein Ort zum Probieren. Er macht sichtbar, wie eine Weinregion funktioniert: in den Weingärten, die sich über verschiedene Täler und Höhenlagen verteilen, in der Auswahl der Reben und in den Entscheidungen, die vom Erntezeitpunkt bis zum Ausbau reichen. Ob die beteiligten Betriebe daraus ein gemeinsames Bild Kärntens zeichnen oder vor allem ihre eigenen Geschichten erzählen, wird sich am Veranstaltungstag zeigen.

    Eine Region aus vielen Weinorten

    Kärnten gehört zur österreichischen Weinbauregion Bergland. Die Weingärten liegen nicht in einem geschlossenen Gürtel, sondern an mehreren Orten des Bundeslands. Der Weinbauverband beschreibt Schwerpunkte im Lavanttal, rund um St. Veit und den Längsee, im Raum Feldkirchen sowie bei Klagenfurt. Weiter westlich gibt es einzelne Weinbauflächen.

    Das prägt auch den Blick auf das „Terroir“: Statt einer einzigen, leicht wiedererkennbaren Landschaft begegnet man unterschiedlichen Standorten. Nach Angaben des Verbands wird der Weinbau überwiegend an Hängen und Steilhängen betrieben, meist zwischen etwa 400 und 750 Metern Seehöhe. Der Alpenhauptkamm hält manche nördlichen Wetterströmungen ab; zugleich beeinflussen kühle Bergluft im Frühjahr und warme Sommer die Vegetationszeit. Das sind Rahmenbedingungen, keine Garantie für ein einheitliches Geschmacksbild.

    Rebsorten erzählen mit

    Österreich Wein nennt für Kärnten weiße Burgundersorten als wichtige Gruppe; daneben wachsen unter anderem Sauvignon Blanc, Riesling und Traminer. Auch Zweigelt und Blauer Burgunder sind vertreten. Der Weinbauverband verweist zudem auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten, kurz PIWI, und auf Handarbeit bei der Lese. Das sind unterschiedliche Antworten auf Standort, Betriebsweise und den Umgang mit Pflanzenschutz – nicht bloß eine regionale Mode.

    Für Besucherinnen und Besucher kann der direkte Austausch mit den Winzerinnen und Winzern diese Vielfalt greifbar machen: Welche Sorte gedeiht auf welchem Hang? Was bedeutet die Seehöhe im jeweiligen Betrieb? Und welche Arbeit lässt sich im Keller noch nachvollziehen, wenn die Lese längst vorbei ist? Gute Antworten verbinden die Namen der Reben mit konkreten Entscheidungen, statt Kärnten auf ein einziges Landschafts- oder Aromaversprechen zu reduzieren.

    Vor der Fahrt genau hinschauen

    Der Verbandseintrag nennt Kärnten als Veranstaltungsort und den Zeitraum von 14 bis 20 Uhr, aber keine einzelnen Kelleradressen. Damit bleibt offen, ob sich die Betriebe bequem miteinander verbinden lassen oder ob zwischen den Standorten längere Wege liegen. Auch Anmeldung, Eintritt und mögliche Besuchsregeln sollten vorab direkt geprüft werden.

    Gerade darin liegt die praktische Seite eines offenen Kellertags: Er kann eine Weinregion nicht nur im Glas, sondern als Netz aus Orten, Höhenlagen und Arbeitsweisen erklären. Für Kärnten wäre das ein passender Zugang – vorausgesetzt, die einzelnen Türen und Wege sind für Gäste klar ausgewiesen.

  • Pilzfest ist nicht trockenheitsfest: Welche Rebe für welches Problem?

    Pilzfest ist nicht trockenheitsfest: Welche Rebe für welches Problem?

    Gesunde Trauben, aber zu wenig Wasser: Schon zum Lesebeginn am 18. August 2026 meldete das Deutsche Weininstitut Trockenheitsprobleme, besonders in jungen Anlagen. Teilweise wurden Trauben entfernt, um die Reben zu entlasten. Auch ältere Weinberge auf wenig wasserspeichernden Böden waren gefährdet. Der Bericht beschreibt einen Zwischenstand, zeigt aber deutlich: Traubengesundheit und Wasserversorgung sind verschiedene Aufgaben.

    Genau deshalb lohnt der Blick auf die Geisenheimer Rebsortentage vom 27. und 28. August 2026. Die Hochschule stellte dort Arbeiten an PIWI-Sorten, Klonen und Unterlagen vor. Drei Ansätze, die im Gespräch über robuste Reben leicht zusammenrücken, tatsächlich aber unterschiedliche Probleme bearbeiten.

    PIWI: Abwehr ist kein Wasservorrat

    PIWI steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Bei ihrer Züchtung werden Qualitätseigenschaften von Kulturreben mit Resistenzen anderer Reben kombiniert. Im Mittelpunkt stehen der Echte und der Falsche Mehltau. Die Widerstandskraft fällt je nach Sorte und Erreger unterschiedlich aus; auch Blätter und Trauben können verschieden reagieren.

    Widerstandsfähig bedeutet zudem nicht unverwundbar. Die rheinland-pfälzische Weinbauberatung sieht auch bei PIWIs gezielte Pflanzenschutzbehandlungen vor, unter anderem, um die Resistenz zu erhalten. Der Gewinn liegt im verminderten Aufwand, nicht im Versprechen völliger Behandlungsfreiheit.

    Über die Reaktion auf Wassermangel sagt das Kürzel dagegen nichts Verlässliches. Das Julius Kühn-Institut behandelt Klimaanpassung ausdrücklich als zusätzliche Züchtungsaufgabe neben der Pilzresistenz. Eine PIWI-Sorte kann für einen trockenen Standort geeignet sein – belegt werden muss diese Eigenschaft gesondert.

    Klone: dieselbe Sorte, andere Trauben

    Klonenselektion setzt innerhalb einer bestehenden Rebsorte an. Ausgewählte Rebstöcke werden vegetativ, also ohne neue Kreuzung über Samen, vermehrt. Genutzt werden Unterschiede, die etwa durch natürliche Mutationen entstanden sind.

    Ein anschauliches Beispiel liefert der Spätburgunder: Geisenheim entwickelte unter anderem lockerbeerige und kleinbeerige Klontypen sowie solche mit aufrechtem Wuchs. Ziel war insbesondere, die Anfälligkeit für Botrytis, den Erreger der Graufäule, zu senken. Eine günstigere Traubenstruktur ist jedoch etwas anderes als die eingekreuzte Mehltauresistenz einer PIWI-Sorte. Und auch sie belegt noch keine Trockenheitstoleranz.

    Unterlagen: die Entscheidung unter der Erde

    Bei der Pfropfrebe trägt die Unterlage das Wurzelsystem; auf ihr sitzt das Edelreis der gewünschten Weinsorte. Unterlagen dienen dem Schutz vor der Wurzelreblaus, müssen aber zugleich zum Boden und zum Wasserhaushalt passen.

    Wie eng die Auswahl abgewogen werden muss, zeigt Weinbauberater Gerd Götz vom DLR Rheinpfalz: Trockentoleranz steht neben Kalkverträglichkeit, Wuchskraft und Verträglichkeit mit dem Edelreis. Auch die Reife wird beeinflusst. Für einen beispielhaften trockenen, heißen Rieslingstandort nennt er unter anderem „5 BB“ und „1103 Paulsen“ als mögliche Unterlagen. Das ist eine standortgebundene Abwägung, keine Bestenliste für trockene Weinberge.

    Erst den Standort prüfen

    Für eine Pflanzentscheidung gehören deshalb Bodenbeschaffenheit, Wasserhaushalt, Kalkgehalt, Pflanzdichte und Ertragsziel zusammen. Dazu braucht es mehrjährige Vergleiche der vorgesehenen Sorte-Klon-Unterlagen-Kombination unter ähnlichen Bedingungen. Auch das Rebalter zählt: Geisenheim untersucht Wasserstresstoleranz in einem Rieslingversuch mit gleichem Klon und gleicher Unterlage, aber unterschiedlich alten Reben.

    Die entscheidende Frage lautet also nicht: Welche Rebe kann alles? Sondern: Welches Problem soll sie hier lösen? Gegen Mehltau, Traubenfäule und Wassermangel können unterschiedliche Eigenschaften helfen. Erst ihre passende Kombination macht aus einem einzelnen Vorteil eine tragfähige Entscheidung für den Weinberg.