Vom 10. bis 12. November wird Shanghai zum Treffpunkt für Weinhandel und Erzeuger: Die ProWine Shanghai öffnet im Shanghai New International Expo Centre (SNIEC), in den Hallen W4 und W5. Im deutschen Weinpavillon präsentieren sich laut Deutschem Weininstitut (DWI) 45 Weingüter und Handelsunternehmen; mehr als zehn davon treten erstmals auf dem chinesischen Markt auf. Das Programm umfasst Verkostungen und kurze Seminare. Für die Aussteller ist die Messe damit Schaufenster und Arbeitsgespräch zugleich.
Doch ein voller Stand, geknüpfte Kontakte und ausgeschenkte Gläser sind noch kein belastbarer Absatzweg. Die entscheidende Arbeit beginnt, wenn die Messegäste wieder abgereist sind: Kontakte sortieren, passende Importpartner prüfen, Konditionen und Lieferfähigkeit klären – und verabredete nächste Schritte nachhalten.
Wachstum gegen einen schrumpfenden Markt
Die Rahmenlage ist widersprüchlich. Nach Angaben des DWI exportierte Deutschland 2025 fünf Millionen Liter Flaschenwein nach China, rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Der Wert stieg dabei um 2,6 Prozent auf 26,5 Millionen US-Dollar; der Durchschnittspreis je Liter sank um 6,8 Prozent auf 5,30 US-Dollar. Das ist ein Zuwachs für deutsche Flaschenweine, aber kein Beleg dafür, dass sich der chinesische Markt insgesamt erholt.
Die OIV beziffert Chinas Weinimporte 2025 auf 2,1 Millionen Hektoliter, ein Minus von 26,7 Prozent gegenüber 2024. Der Importwert sank um 14,6 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Ein wachsender deutscher Absatzanteil trifft also auf ein insgesamt deutlich kleineres Importgeschäft. Für neue Marktteilnehmer erhöht das den Druck, nicht nur Aufmerksamkeit, sondern eine tragfähige Positionierung und einen Vertriebspartner zu finden, der die Weine tatsächlich in den Markt bringen kann.
Der Kontakt braucht einen nächsten Schritt
Im deutschen Pavillon treffen unterschiedliche Geschäftsmodelle aufeinander: Familienweingüter aus mehreren Anbaugebieten, Genossenschaften, größere Kellereien und Unternehmen mit bestehender Exporterfahrung. Die Ausstellerliste des German Pavilion führt neben Weinerzeugern auch Handels- und Importfirmen auf. Das schafft Möglichkeiten für Gespräche, sagt aber noch nichts darüber aus, ob aus einer Begegnung eine Zusammenarbeit entsteht.
Dafür braucht es mehr als eine Visitenkarte. Passt der potenzielle Partner zu Sortiment, Preisposition und gewünschtem Absatzkanal? Kann er Import, Lagerung und Distribution übernehmen? Welche Mengen und Lieferfristen sind realistisch? Und wer kümmert sich nach dem ersten Gespräch um Muster, Produktinformationen, Preislisten und eine verbindliche Rückmeldung? Das sind keine Ergebnisse der Messe, sondern Fragen, an denen sich ihre geschäftliche Wirkung messen lässt.
Erfolg nicht am Stand zählen
Eine belastbare Nachbereitung beginnt schon vor der Anreise. Wer konkrete Gesprächsziele und passende Ansprechpartner festlegt, kann nach der Messe unterscheiden zwischen losem Interesse, qualifiziertem Kontakt und einer vereinbarten nächsten Handlung. Dazu können etwa ein Folgetermin, eine Musterprüfung oder ein konkreter Vorschlag für Sortiment und Konditionen gehören. Spätere Kennzahlen wären beispielsweise neu aufgenommene Importpartnerschaften, tatsächlich ausgelöste Bestellungen und wiederkehrende Aufträge. Entscheidend ist, Zeitraum und Ziel vorab festzulegen – und nicht bloß die Zahl der Gespräche zu melden.
Das DWI begleitet die deutsche Messepräsenz im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat fachlich. Die gemeinsame Präsentation bündelt Aufmerksamkeit und macht Herkunftsregionen sichtbar. Doch ob daraus dauerhafte Geschäftsbeziehungen werden, lässt sich erst nach der Messe beantworten. Shanghai ist für die Aussteller deshalb nicht der Abschluss eines Exportprojekts, sondern ein möglicher Anfang: mit Gesprächen, die weitergeführt, geprüft und in konkrete Vertriebsarbeit übersetzt werden müssen.


