Autor: WEINROOM

  • China als Absatzweg: Die Rechnung hinter dem Messeauftritt

    China als Absatzweg: Die Rechnung hinter dem Messeauftritt

    Die erste Bestellung ist noch kein tragfähiges Exportgeschäft. Für ein deutsches Weingut beginnt die entscheidende Rechnung dort, wo der Messekontakt endet: Wer bringt die Flaschen in den Handel, wer bezahlt ihre Vermarktung, und wann folgt eine zweite Order?

    Vom 10. bis 12. November 2026 bietet die ProWine Shanghai dafür einen Treffpunkt. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts vereint der von ihm organisierte deutsche Pavillon 45 Weingüter und Handelsunternehmen; mehr als zehn Aussteller treten erstmals auf dem chinesischen Markt an. Der gemeinsame Auftritt erleichtert die Präsentation. Die wirtschaftliche Arbeit dahinter bleibt betriebsspezifisch.

    Nicht ein Markt, sondern Vertriebswege

    China ist kein unbesetztes Absatzgebiet. Wine Australia beschreibt im März 2026 einen Markt im Umbau: zurückhaltende Konsumenten, weniger klassische Geschäftsessen, zugleich Interesse an leichteren Weinstilen. Das eröffnet Anknüpfungspunkte für deutsche Weißweine, ist aber keine Absatzgarantie.

    Für die Partnerwahl ist deshalb weniger das Versprechen landesweiter Reichweite entscheidend als die Frage, welche Kunden ein Importeur tatsächlich erreicht. Einfuhr und Weiterverkauf sind verschiedene Aufgaben. Ein Unternehmen kann Ware übernehmen, ohne selbst einen starken Zugang zu Restaurants, Fachgeschäften oder Onlinekunden zu besitzen. Der US-Agrardienst USDA beschreibt entsprechend verzweigte Wege über Importeure, Großhändler und unterschiedliche Vertriebskanäle.

    Wie verschieden deutsche Betriebe diese Wege anlegen, zeigen ihre eigenen Angaben: Reichsrat von Buhl nennt Vin Forever als Partner für China. Das rheinhessische Weingut Volker Barth verweist auf eine chinesische Website sowie Angebote über JD und Taobao. Daraus lassen sich weder Verkaufsmengen noch Erträge ableiten. Sichtbar wird aber: Auch digitaler Vertrieb braucht eine konkrete Organisation vor Ort.

    Was vom Flaschenpreis übrig bleibt

    Betriebswirtschaftlich sind zwei Rechnungen zu trennen. Auf chinesischer Seite muss der Endpreis Transport, Einfuhrabgaben, Lagerung und die beteiligten Handelsstufen tragen. Im Weingut zählt dagegen, was vom vereinbarten Erlös nach Herstellung, exportbezogenen Leistungen und eigener Vertriebsarbeit verbleibt. Wer welche Kosten übernimmt, hängt von den Liefervereinbarungen ab.

    Für die Kalkulation bedeutet das: Nicht nur Stand, Flug und Musterflaschen gehören auf den Zettel. Hinzu kommen gegebenenfalls Übersetzungen, Etikettenanpassungen, Verkaufsunterlagen, Schulungen und weitere Reisen. Der USDA-Bericht hebt sowohl digitale Vermittlung als auch Weinwissen als Elemente der Marktbearbeitung hervor. Beides beansprucht Zeit oder Geld – auch nach der Messe.

    Eine wichtige Gegenposition zum möglichst großen Vertriebsversprechen liefert die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA. Ihr Branchenreport rät davon ab, zu Beginn einem Partner Exklusivität für ganz China einzuräumen. Zeitlich und räumlich begrenzte Vereinbarungen sollen zunächst zeigen, ob die Zusammenarbeit funktioniert. Für die betriebliche Rechnung folgt daraus: Reichweite muss sich in erreichbaren Kunden und nachvollziehbaren Verkäufen niederschlagen.

    Die Uhr läuft bis zur Nachbestellung

    Eine belastbare allgemeine Frist, nach der deutsche Weingüter in China kostendeckend verkaufen, lässt sich aus den geprüften Unterlagen nicht ableiten. Ein Messekalender ist kein Absatzplan. Zwischen Muster, Erstauftrag, Auslieferung und Wiederbestellung liegen unterschiedliche wirtschaftliche Schritte.

    Ein sinnvoller Prüfmaßstab wäre deshalb nicht allein die versandte Menge. Aussagekräftiger sind bezahlte Rechnungen, der Abverkauf beim Partner und Nachbestellungen zu tragfähigen Konditionen. Zahlungsziele entscheiden zusätzlich darüber, wie lange der Betrieb vorfinanziert. Als redaktionelle Schlussfolgerung bleibt: China kann ein zusätzlicher Absatzweg sein. Ob er sich lohnt, zeigt nicht die Größe des ersten Auftrags, sondern was nach Aufwand, Betreuung und Wartezeit im Betrieb verbleibt.

  • Mehr Aroma ohne Alkohol: Was Forschung leisten kann

    Mehr Aroma ohne Alkohol: Was Forschung leisten kann

    Was nach dem Pressen übrig bleibt, könnte für alkoholfreie Produkte einen neuen Wert bekommen: Traubentrester, also Schalen, Kerne und Fruchtfleischreste. Die Hochschule Geisenheim untersucht im Projekt AROMAnoALK, wie sich daraus durch gezielte Fermentation Aromastoffe gewinnen lassen. Sie sollen entalkoholisierten Weinen und daraus hergestellten Getränken mehr Typizität geben – einen stärker erkennbaren Wein- oder Rebsortencharakter.

    Am 10. November 2026 stellt Lisa Zimmermann das Vorhaben um 14 Uhr auf der BrauBeviale in Nürnberg vor. Der Ansatz klingt einleuchtend: einen Nebenstrom der Weinbereitung nutzen, statt ihn nur als Rückstand zu betrachten. Doch zwischen einer aromatischen Fermentation und einem überzeugenden Getränk liegen mehrere Prüfungen.

    Warum Alkoholentzug mehr als Alkohol verändert

    Entalkoholisierung entfernt nicht einfach einen isolierten Bestandteil. Wie die Internationale Organisation für Rebe und Wein erläutert, verändert die Verringerung des Ethanols auch Aroma, Geschmack und Mundgefühl. Ein stärkerer Duft allein kann deshalb nicht sämtliche Veränderungen ausgleichen.

    Zudem kommt es auf das Verfahren an. Eine 2021 veröffentlichte Vergleichsstudie untersuchte Weiß-, Rosé- und Rotweine nach Umkehrosmose, einem Membranverfahren, und nach Vakuumdestillation. Bei jeweils 0,7 Volumenprozent Restalkohol blieben mit dem Membranverfahren mehr verschiedene flüchtige Verbindungen erhalten; auch die sensorische Akzeptanz fiel höher aus. Diese Versuche belegen keine allgemeine Rangfolge aller Anlagen. Und ihre Produkte waren nicht alkoholfrei im üblichen Sinne: Der untersuchte Restalkohol lag über 0,5 Volumenprozent.

    Trester als Ausgangsmaterial

    AROMAnoALK setzt bei einem zusätzlichen Aromarohstoff an. Fermentation bedeutet hier die gezielte Umsetzung des Tresters durch Mikroorganismen. Gewonnen werden sollen daraus Aromastoffe für entalkoholisierte Produkte. Das ist etwas anderes, als ausschließlich jene Aromen aufzufangen, die beim Alkoholentzug aus dem Ausgangswein entweichen.

    Nach Angaben des Forschungskreises der Ernährungsindustrie läuft das Projekt von 2024 bis 2027; beteiligt sind Geisenheimer Arbeitsbereiche für Mikrobiologie und Önologie, die Wissenschaft der Weinbereitung. Die öffentlich zugängliche Projektinformation beschreibt Ziele und erhofften Nutzen. Eine detaillierte Versuchsauswertung mit Aromaausbeuten, Dosierungen und belastbaren Vergleichsverkostungen bietet sie bislang nicht. Mehr Typizität ist damit zunächst ein Forschungsziel, kein nachgewiesenes Ergebnis für sämtliche alkoholfreien Weine.

    Was ein überzeugender Nachweis braucht

    Entscheidend wäre ein Vergleich desselben entalkoholisierten Grundprodukts mit und ohne Tresteraromen. Eine Blindverkostung müsste zeigen, ob die Zugabe nicht nur den Geruch verstärkt, sondern Ausgewogenheit und Wiedererkennbarkeit verbessert. Chemische Messwerte und sensorisches Urteil beantworten unterschiedliche Fragen: Eine höhere Konzentration beweist noch keinen höheren Genusswert.

    Für die Übertragung in den Keller wären weitere Nachweise nötig: Funktioniert der Ansatz mit unterschiedlichen Trestern und Grundweinen? Bleibt das Ergebnis während der Lagerung stabil? Sind Herstellung und Aufbereitung wirtschaftlich? Auch ein ökologischer Vorteil wäre erst dann belastbar, wenn der zusätzliche Aufwand der Verarbeitung mitbetrachtet wird.

    Traubenherkunft ist keine Zulassung

    Schließlich entscheidet die Rezeptur mit darüber, was rechtlich in der Flasche steckt. Für entalkoholisierten Wein gelten weinrechtliche Vorgaben; für andere Getränke können andere Regeln greifen. Die Herkunft eines Aromas aus Trauben ersetzt nicht die Prüfung, ob sein konkreter Einsatz zulässig ist und welche Bezeichnung das Endprodukt tragen muss. Auch die 2026 geänderten EU-Regeln für aromatisierte Weinerzeugnisse machen eine produktspezifische Einordnung notwendig.

    Für AROMAnoALK lässt sich aus den veröffentlichten Unterlagen keine pauschale rechtliche Freigabe ableiten. Der interessante Kern bleibt dennoch bestehen: Trester könnte zum gezielt genutzten Aromarohstoff werden. Ob daraus bessere alkoholfreie Produkte entstehen, müssen nachvollziehbare Versuche zeigen – nicht das Versprechen eines intensiveren Dufts.

  • Offene Keller statt Ausflugsroutine: Das Burgenland im November

    Offene Keller statt Ausflugsroutine: Das Burgenland im November

    Eine Kellertür ist ein guter Grund, einen Ausflug nicht durchzutakten. Für das Martiniloben in Purbach am Neusiedler See lohnt es sich, wenige Stationen auszuwählen und Zeit für Fragen zu lassen. Am Freitag und Samstag, 6. und 7. November 2026, öffnen dort 17 Weinbaubetriebe jeweils von 15 bis 21 Uhr. Veranstalter ist der Verein Purbacher Winzer; zum Wein kommt Kunst in Kooperation mit dem Kunstkreis Purbach.

    Der Reiz dieses Novemberwochenendes liegt nicht darin, möglichst viele Gläser zu sammeln. Interessanter ist die Gelegenheit, Herkunft und Kellerarbeit zusammenzudenken: draußen die Weinberge, im Ort die historischen Keller, im Gespräch die Entscheidungen eines Betriebs.

    Kellergasse mit Geschichte, Betriebe im ganzen Ort

    Um 1850 begannen Purbacher Winzer, am Fuß des Leithagebirges ihre Keller zu errichten. Rund 50 historische Keller bilden heute die Kellergasse. Sie gibt dem Besuch einen landschaftlichen und handwerklichen Zusammenhang – ist aber nicht mit dem gesamten Veranstaltungsgebiet gleichzusetzen. Die teilnehmenden Betriebe verteilen sich auch über andere Straßen des Orts.

    So nennt das Programm das Weinhaus Schüller in der Kellergasse 12, das Weingut Familie Braunstein in der Hauptgasse 16 und den Weinhof Leidl-Putz in der Sätzgasse 13. Das sind mögliche Anlaufpunkte, keine Qualitätsrangliste. Sinnvoll ist eine kleine Route mit Zeit für Gespräche, eine Essenspause und die Wege dazwischen.

    Herkunft verstehen, den Jahrgang offenlassen

    Purbach gehört zur Weinlandschaft des Leithabergs. Kalk und kristalline Gesteine wie Glimmerschiefer prägen das Gebiet; zu seinen wichtigen Rebsorten zählen Blaufränkisch und weiße Burgundersorten. Das liefert Gesprächsstoff jenseits der Frage, welcher Wein am besten gefällt: Von welchem Boden stammen die Trauben? Warum wurde dieser Wein im Holz, jener im Tank ausgebaut?

    Wer dem Jahrgang 2026 begegnen möchte, sollte gezielt fragen, welche Weine bereits vorgestellt werden und welche noch im Keller bleiben. Aus dem Termin nach der Lese lässt sich weder eine vollständige Jungweinprobe noch ein Urteil über den Jahrgang ableiten. Auch ältere Weine können helfen, die Arbeitsweise eines Betriebs zu verstehen. Eine konkrete Ausschankliste ist bislang nicht belegt.

    Am Samstag ist um 14 Uhr die Weintaufe zwischen den beiden Türkentoren angekündigt. Wer zuerst die Landschaft kennenlernen möchte, kann an beiden Tagen um 10 Uhr zu einer geführten Weinbergwanderung aufbrechen. Laut Veranstalterfolder beginnt sie am Kellerplatz, dauert etwa zweieinhalb Stunden und kostet neun Euro; eine Anmeldung ist vorgesehen.

    Mit der Bahn hin – und mit Rückfahrplan zurück

    Für die Anreise aus Wien bietet der veröffentlichte Regelfahrplan eine konkrete Möglichkeit: Der direkte REX64 fährt um 13.18 Uhr am Hauptbahnhof ab und erreicht Purbach am Neusiedlersee um 14.13 Uhr. Für die Rückfahrt ist ein direkter REX64 um 21.46 Uhr verzeichnet, mit Ankunft in Wien um 22.42 Uhr. Das lässt nach dem Ende der Kelleröffnung Zeit für den Weg zum Bahnhof, sofern die letzte Station entsprechend gewählt ist. Die Zeiten gelten nach Regelfahrplan; kurzfristige Abweichungen bleiben möglich.

    Die Zweitageskarte kostet laut Veranstalter 50 Euro, einschließlich eines Weineinkaufsgutscheins über 25 Euro. Karten gibt es im Stadl der Familie Fischer zwischen den beiden Türkentoren und beim Weinhof Leidl-Putz; vorgesehen ist ausschließlich Barzahlung. Preisstand: 5. November 2026.

    Zum guten Besuchsplan gehören außerdem Wasser, kleine Proben, ein Spuckgefäß und eine feste Essenspause. Wer alkoholfrei unterwegs sein möchte, sollte das Angebot vorab mit den gewünschten Betrieben vereinbaren. Die Zahl besuchter Keller ist schließlich kein Maß für einen gelungenen Nachmittag – ein aufschlussreiches Gespräch schon eher.