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Welche roten Sorten tragen jenseits des Spätburgunders?

Der Spätburgunder bleibt Deutschlands bekannteste rote Sorte. Doch die Ergebnisse des Rotweinpreises 2026 rücken Lemberger, Frühburgunder, Tauberschwarz und internationale Reben ins Blickfeld – mit sehr unterschiedlichen Ansprüchen und Einsatzmöglichkeiten.

Spätburgunder ist Deutschlands wichtigste rote Rebsorte – aber nicht die einzige, die Herkunft und Stil prägt. Die Ergebnisliste des Deutschen Rotweinpreises 2026 zeigt, wie weit das Spektrum reicht: vom württembergischen Lemberger über Cabernet Franc und Syrah bis zu fränkischem Tauberschwarz. Das sind zunächst Wettbewerbsergebnisse, keine eigene Verkostungsbilanz; spannend ist, was die Sorten über Weinbau und mögliche Stilrichtungen erzählen.

Lemberger: Württembergs vielseitiger Charakterkopf

Die stärkste Gegenstimme zum Spätburgunder kommt aus Württemberg. Lemberger, in Österreich und anderen Ländern meist Blaufränkisch genannt, stammt aus dem heutigen Nordosten Sloweniens. Er treibt früh aus und reift spät – eine Kombination, die warme, windgeschützte Standorte verlangt. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts standen 2023 bundesweit 1.917 Hektar unter Lemberger, davon 1.757 Hektar in Württemberg.

Seine Spannweite ist groß: Es gibt fruchtbetonte, leichtere Weine ebenso wie Varianten mit kräftigerem Gerbstoff und Struktur. Das ist auch eine Frage des Ausbaus: Holz kann Würze und Körper stärker hervortreten lassen; im Wettbewerb 2026 erreichten sowohl Lemberger als auch die als Blaufränkisch bezeichnete Variante hohe Platzierungen. Für den Tisch heißt das: Ein leichterer Stil kann eine Vesper begleiten, ein dichterer verträgt kräftigere Speisen – etwa Schmorgerichte oder gereiften Käse. Das sind Anregungen, keine festen Regeln.

Frühburgunder und Tauberschwarz: kleine Flächen, eigene Geschichten

Der Frühburgunder reift früher als der Spätburgunder und ist in Deutschland eine Nischensorte. Im Wettbewerb siegte 2026 ein Frühburgunder aus Randersacker; auch ein Wein von der Ahr kam auf einen Spitzenplatz. Seine frühe Reife macht ihn zu einer eigenständigen Option, nicht bloß zu einer kleinen Kopie des bekannteren Burgunders. Die getrennte Wettbewerbskategorie St. Laurent/Frühburgunder fasst zwei Sorten zusammen, die im Glas nicht gleichzusetzen sind.

Noch stärker an eine Region gebunden ist der Tauberschwarz, ein historischer Klassiker aus dem Taubertal. Der erste Platz der Kategorie „Deutsche Klassiker“ ging 2026 an einen Tauberschwarz aus Franken; ein weiterer schaffte es ebenfalls aufs Podium. Solche Resultate verleihen einer Sorte Sichtbarkeit, sagen aber allein noch nichts darüber aus, wie groß ihre Verfügbarkeit oder Nachfrage ist. Ihr Wert liegt auch darin, regionale Weinidentität jenseits der bekannten Namen erfahrbar zu machen.

Internationale Sorten und die Frage nach dem Platz am Markt

Auch Merlot, Syrah und Cabernet Franc finden in deutschen Weinbergen passende Standorte. Ihre Siege bei VINUM zeigen, dass sie nicht nur als Verschnittpartner auftreten müssen: 2026 gewann ein Merlot aus Württemberg, ein Syrah aus Baden und ein Cabernet Franc ebenfalls aus Baden. In Cuvées wiederum können unterschiedliche Sorten kombiniert werden, um Frucht, Säure, Gerbstoff und Körper auszubalancieren.

Die Rangliste ist allerdings ein Ausschnitt der Spitze. Im Alltag bestimmen Fläche, Preis, Verfügbarkeit und vertraute Namen mit, welche Sorten ihren Weg in Handel und Gastronomie finden. In Rheinland-Pfalz, wo viele deutsche Rebflächen liegen, waren 2025 Dornfelder und Spätburgunder die flächenstärksten roten Sorten; beim Dornfelder ging die Fläche zurück, beim Spätburgunder stieg sie leicht. Eine große Wettbewerbsvielfalt bedeutet also nicht automatisch, dass jede Sorte breit verfügbar ist.

Vielfalt ist mehr als eine Rangliste

Der Rotweinpreis, den VINUM seit 1987 veranstaltet, feiert 2026 seine 40. Ausgabe. Die diesjährige Liste reicht von etablierten Sorten bis zu historischen und internationalen Reben. Sie macht Vielfalt sichtbar, bleibt aber ein Wettbewerb mit Kategorien und einer Auswahl eingereichter Weine. Für Weininteressierte ist gerade das ein guter Ausgangspunkt: nicht nach einem Ersatz für Spätburgunder zu suchen, sondern nach Sorten, die zu Region, Stil und Anlass passen. Am 28. November 2026 stehen die prämierten Weine bei Preisverleihung und Publikumsveranstaltung in Stuttgart im Mittelpunkt.

Redaktionell geprüft · 5. November 2026

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