Autor: WEINROOM

  • Nach dem Spritzen beginnt der Gewässerschutz erst richtig

    Nach dem Spritzen beginnt der Gewässerschutz erst richtig

    Nach der letzten Spritzfahrt ist die Arbeit am Pflanzenschutzgerät noch nicht vorbei. Im Behälter, in Pumpe und Leitungen bleibt technische Restmenge zurück; außen haften Spritzmittelspuren. Mit dem Spülwasser können sie den Weinberg verlassen – und, wenn Reinigung und Entsorgung falsch organisiert sind, in Kanalisation oder Oberflächengewässer gelangen.

    Das Gewässerschutzsymposium am 5. November 2026 am DLR Rheinpfalz in Neustadt an der Weinstraße nimmt Gerätereinigung und Waschwasseraufbereitung in den Blick. Die Fachveranstaltung kündigt praktische Vorführungen an. Welche Abläufe Betriebe im Alltag tatsächlich nutzen und welche Hürden sie dabei sehen, lässt sich aus dem Programm allein nicht ablesen. Die verfügbaren Empfehlungen zeigen jedoch, an welchen Stellen die Routine nach der Ausbringung entscheidend wird.

    Erst die Menge vermeiden

    Der erste Schritt beginnt schon vor dem Spritzen: Die benötigte Menge möglichst genau berechnen, damit am Ende wenig oder keine Brühe übrig bleibt. Die DLR-Broschüre zur Sachkunde im Weinbau beschreibt für unvermeidbare Reste ein Vorgehen, bei dem die Flüssigkeit verdünnt und auf einer bereits behandelten Rebfläche verteilt wird. Reste auf Wege, unbewachsene Flächen, in Gewässer oder in die Kanalisation zu entleeren, ist keine zulässige Alternative. Maßgeblich bleiben die Gebrauchsanleitung und die jeweiligen Anwendungsbestimmungen des Mittels.

    Auch die Innenreinigung folgt einem Zweck: Rückstände aus Behälter, Pumpe und Leitungen sollen verdünnt und kontrolliert auf der Rebfläche ausgebracht werden, nicht unkontrolliert ablaufen. Die DLR-Broschüre beschreibt dafür ein wiederholtes Spülen. Das ist mehr als ein kurzer Wasserstrahl in den Tank: Flüssigkeit muss durch die Teile des Geräts laufen, in denen Reste zurückbleiben können.

    Außenwäsche braucht einen geeigneten Platz

    Für die Außenreinigung nennen die DLR-Empfehlungen zwei Wege: die Anwendungsfläche oder einen eigens eingerichteten Reinigungsplatz. Bei der Reinigung im Weinberg soll die Fläche unbefestigt und möglichst bewachsen sein. Auf befestigtem Boden kann verschmutztes Wasser rasch abfließen; bei Regen droht zudem Abschwemmung in Gräben und Gewässer. Die rheinland-pfälzische Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion führt den Ort und die sachgerechte Durchführung der Gerätereinigung ausdrücklich als Gegenstand möglicher Kontrollen auf.

    Für Betriebe mit regelmäßigem Reinigungsbedarf können Auffang- und Aufbereitungssysteme eine weitere Möglichkeit sein. Die Rahmenempfehlungen des DLR beschreiben Anlagen, in denen Restmengen und Waschwasser gesammelt und über Substratbehälter verrieselt werden; Mikroorganismen bauen darin Pflanzenschutzmittel ab. Vor dem Bau sind laut DLR baurechtliche Fragen zu prüfen und Fachberatung einzubeziehen. Das ist keine Lösung, die sich ohne Blick auf Standort, Dimensionierung und Betriebspflichten einfach übernehmen lässt.

    Vom Merkblatt zur Betriebspraxis

    Ein Reinigungsplatz, Auffangtanks und eine Aufbereitung kosten Platz und Organisation. Besonders für kleinere Betriebe stellt sich damit die praktische Frage, ob eine gemeinsame oder gut erreichbare Infrastruktur verfügbar ist. Die Quellen belegen solche Optionen, aber nicht, wie verbreitet sie sind oder welche Unterstützung Winzerinnen und Winzer konkret benötigen. Dazu wären Gespräche mit Betrieben und Beratungsstellen nötig.

    Die Hochschule Geisenheim zeigt am Beispiel ihrer Wasserschutzberatung, wie Beratung und Analysen in einem regionalen Programm organisiert werden können: Teilnehmende Betriebe erhalten dort unter anderem Untersuchungen und Düngeberatung. Das Angebot betrifft vor allem Nährstoffmanagement und ist kein Beleg für eine flächendeckende Beratung zur Gerätereinigung. Es macht aber sichtbar, dass Gewässerschutz nicht allein aus Vorschriften besteht: Betriebe brauchen nachvollziehbare Verfahren und erreichbare Beratung, angepasst an ihre Flächen und Arbeitsabläufe.

    Nach dem Spritzen zählt deshalb nicht nur, welches Mittel eingesetzt wurde und wie genau es ausgebracht wurde. Entscheidend ist auch, wo Restflüssigkeit und Waschwasser bleiben. Das Symposium setzt genau bei dieser oft unsichtbaren Etappe an – einer Arbeit, deren Erfolg sich daran bemisst, dass Rückstände nicht dort ankommen, wo sie nicht hingehören.

  • Bäume neben Reben: Wem steht das Bodenwasser zur Verfügung?

    Bäume neben Reben: Wem steht das Bodenwasser zur Verfügung?

    Bäume im Weinberg versprechen vieles auf einmal: Schatten, mehr Vielfalt und möglicherweise einen ausgeglicheneren Wasserhaushalt. Doch unter der Oberfläche stehen Baum und Rebe nicht unabhängig nebeneinander. Beide erschließen Boden, nehmen Wasser und Nährstoffe auf – und können sich dabei in die Quere kommen. Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung aus Geisenheim macht diese Konkurrenz messbar, zumindest für drei konkrete Weinberge und ein einzelnes Untersuchungsjahr.

    Die Arbeit von Michael Bruch, Lukas Fichtl und Matthias Friedel fragt, was in Reben geschieht, wenn eine Baumreihe in ihrer Nähe steht. Ihr Ergebnis ist kein allgemeines Urteil über Agroforst im Weinbau, sondern ein genauer Blick auf bestimmte Abstände, Standorte und Messzeitpunkte.

    Drei Standorte, drei Abstände

    Die Forschenden untersuchten 2025 drei Weinberge in Geisenheim. Neben Rebzeilen standen Feldahorn, Birken oder Platanen. Die verglichenen Reben wuchsen in vier, sechs oder 18 Metern Abstand zur Baumreihe. Erfasst wurden unter anderem der Wasserstatus der Reben, das Öffnungsverhalten ihrer Spaltöffnungen und Eigenschaften der Beeren.

    Spaltöffnungen sind kleine Poren auf der Blattoberfläche. Über sie nimmt die Pflanze Kohlendioxid auf und gibt Wasserdampf ab. Bei Wassermangel können sie sich stärker schließen; die Pflanze begrenzt damit den Wasserverlust, zugleich wird der Gasaustausch eingeschränkt. Auch das sogenannte Vor-Mittags-Wasserpotential, ein Messwert für den Wasserzustand des Blatts, fiel in der Untersuchung nahe den Bäumen im Mittel negativer aus: bei vier Metern Abstand stärker als bei sechs und 18 Metern.

    Das Muster spricht dafür, dass die Reben in unmittelbarer Nähe der Baumreihen unter den untersuchten Bedingungen stärker mit Wasserknappheit konfrontiert waren. Es beweist aber nicht, dass jeder Baum jedem Rebstock Wasser entzieht. Die Messungen bilden einen bestimmten Zeitraum und konkrete Standorte ab; Unterschiede zwischen den Weinbergen beeinflussten mehrere Ergebnisse.

    Wurzeln weichen aus

    Besonders anschaulich ist der Blick in den Boden. An einem Standort legte das Team sechs Rieslingstöcke frei und erfasste ihre strukturellen Wurzeln dreidimensional. Die Wurzeln tendierten dazu, von der Baumreihe weg zu wachsen; in Richtung der Bäume fanden sich weniger starke Wurzelachsen. Das passt zur Deutung einer Konkurrenz um Wasser. Eine Kartierung von sechs Reben an nur einem Standort kann jedoch nicht zeigen, wie sich Wurzeln in jedem Weinberg oder unter anderen Bodenbedingungen entwickeln.

    „Wem steht das Bodenwasser zu?“ ist deshalb keine Frage mit einer einfachen Antwort. Wasser wird nicht zwischen Pflanzen aufgeteilt wie ein festes Vorratsfach. Niederschlag, Bodentiefe und Bodenstruktur, Wurzelverteilung, Baumart und Witterungsverlauf bestimmen, was jeweils erreichbar ist. Auch die Rebe selbst passt ihr Wachstum an. Im Versuch lagen die Baumreihen vier Meter von der ersten Rebzeile entfernt; die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Anordnungen übertragen.

    Nutzen und Konkurrenz zugleich

    Agroforst – die Kombination von Gehölzen mit landwirtschaftlichen Kulturen – kann das Mikroklima verändern. Baumkronen können Schatten und Windschutz bieten; tief reichende Wurzeln könnten unter bestimmten Bedingungen Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließen. Als hydraulischer Lift wird der mögliche Transport tieferen Wassers in trockenere obere Bodenschichten bezeichnet. Ob Reben davon profitieren oder ob die Bäume vor allem mit ihnen konkurrieren, hängt jedoch von den konkreten Bedingungen ab.

    Eine weitere 2026 veröffentlichte Untersuchung aus Bordeaux liefert dazu einen anderen, nicht direkt vergleichbaren Befund: In einer ungewöhnlich nassen Vegetationsperiode 2024 fand sie keinen Hinweis auf verstärkte Wasserkonkurrenz zwischen Bäumen und Reben. Sie untersuchte ein anderes System und andere Fragen. Zusammengenommen machen die Arbeiten vor allem deutlich, wie wichtig Wetter und Versuchsbedingungen für die Bewertung sind.

    Für die Praxis folgt daraus keine pauschale Empfehlung, Bäume zu pflanzen oder zu meiden. Die Geisenheimer Studie liefert einen Hinweis auf mögliche Wasser- und Wurzelkonkurrenz bei geringer Distanz. Ob daraus ein Vorteil oder ein Nachteil für einen konkreten Weinberg entsteht, lässt sich erst mit Blick auf Standort, Baumart, Abstand, Boden und mehrere Jahre beurteilen. Genau diese Langzeitperspektive bleibt eine wichtige nächste Aufgabe der Forschung.

  • Welche roten Sorten tragen jenseits des Spätburgunders?

    Welche roten Sorten tragen jenseits des Spätburgunders?

    Spätburgunder ist Deutschlands wichtigste rote Rebsorte – aber nicht die einzige, die Herkunft und Stil prägt. Die Ergebnisliste des Deutschen Rotweinpreises 2026 zeigt, wie weit das Spektrum reicht: vom württembergischen Lemberger über Cabernet Franc und Syrah bis zu fränkischem Tauberschwarz. Das sind zunächst Wettbewerbsergebnisse, keine eigene Verkostungsbilanz; spannend ist, was die Sorten über Weinbau und mögliche Stilrichtungen erzählen.

    Lemberger: Württembergs vielseitiger Charakterkopf

    Die stärkste Gegenstimme zum Spätburgunder kommt aus Württemberg. Lemberger, in Österreich und anderen Ländern meist Blaufränkisch genannt, stammt aus dem heutigen Nordosten Sloweniens. Er treibt früh aus und reift spät – eine Kombination, die warme, windgeschützte Standorte verlangt. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts standen 2023 bundesweit 1.917 Hektar unter Lemberger, davon 1.757 Hektar in Württemberg.

    Seine Spannweite ist groß: Es gibt fruchtbetonte, leichtere Weine ebenso wie Varianten mit kräftigerem Gerbstoff und Struktur. Das ist auch eine Frage des Ausbaus: Holz kann Würze und Körper stärker hervortreten lassen; im Wettbewerb 2026 erreichten sowohl Lemberger als auch die als Blaufränkisch bezeichnete Variante hohe Platzierungen. Für den Tisch heißt das: Ein leichterer Stil kann eine Vesper begleiten, ein dichterer verträgt kräftigere Speisen – etwa Schmorgerichte oder gereiften Käse. Das sind Anregungen, keine festen Regeln.

    Frühburgunder und Tauberschwarz: kleine Flächen, eigene Geschichten

    Der Frühburgunder reift früher als der Spätburgunder und ist in Deutschland eine Nischensorte. Im Wettbewerb siegte 2026 ein Frühburgunder aus Randersacker; auch ein Wein von der Ahr kam auf einen Spitzenplatz. Seine frühe Reife macht ihn zu einer eigenständigen Option, nicht bloß zu einer kleinen Kopie des bekannteren Burgunders. Die getrennte Wettbewerbskategorie St. Laurent/Frühburgunder fasst zwei Sorten zusammen, die im Glas nicht gleichzusetzen sind.

    Noch stärker an eine Region gebunden ist der Tauberschwarz, ein historischer Klassiker aus dem Taubertal. Der erste Platz der Kategorie „Deutsche Klassiker“ ging 2026 an einen Tauberschwarz aus Franken; ein weiterer schaffte es ebenfalls aufs Podium. Solche Resultate verleihen einer Sorte Sichtbarkeit, sagen aber allein noch nichts darüber aus, wie groß ihre Verfügbarkeit oder Nachfrage ist. Ihr Wert liegt auch darin, regionale Weinidentität jenseits der bekannten Namen erfahrbar zu machen.

    Internationale Sorten und die Frage nach dem Platz am Markt

    Auch Merlot, Syrah und Cabernet Franc finden in deutschen Weinbergen passende Standorte. Ihre Siege bei VINUM zeigen, dass sie nicht nur als Verschnittpartner auftreten müssen: 2026 gewann ein Merlot aus Württemberg, ein Syrah aus Baden und ein Cabernet Franc ebenfalls aus Baden. In Cuvées wiederum können unterschiedliche Sorten kombiniert werden, um Frucht, Säure, Gerbstoff und Körper auszubalancieren.

    Die Rangliste ist allerdings ein Ausschnitt der Spitze. Im Alltag bestimmen Fläche, Preis, Verfügbarkeit und vertraute Namen mit, welche Sorten ihren Weg in Handel und Gastronomie finden. In Rheinland-Pfalz, wo viele deutsche Rebflächen liegen, waren 2025 Dornfelder und Spätburgunder die flächenstärksten roten Sorten; beim Dornfelder ging die Fläche zurück, beim Spätburgunder stieg sie leicht. Eine große Wettbewerbsvielfalt bedeutet also nicht automatisch, dass jede Sorte breit verfügbar ist.

    Vielfalt ist mehr als eine Rangliste

    Der Rotweinpreis, den VINUM seit 1987 veranstaltet, feiert 2026 seine 40. Ausgabe. Die diesjährige Liste reicht von etablierten Sorten bis zu historischen und internationalen Reben. Sie macht Vielfalt sichtbar, bleibt aber ein Wettbewerb mit Kategorien und einer Auswahl eingereichter Weine. Für Weininteressierte ist gerade das ein guter Ausgangspunkt: nicht nach einem Ersatz für Spätburgunder zu suchen, sondern nach Sorten, die zu Region, Stil und Anlass passen. Am 28. November 2026 stehen die prämierten Weine bei Preisverleihung und Publikumsveranstaltung in Stuttgart im Mittelpunkt.

  • Nordische Absatzwege statt einer einzigen Exporthoffnung

    Nordische Absatzwege statt einer einzigen Exporthoffnung

    Der US-Markt ist für deutsche Weinerzeuger nicht einfach durch einen anderen zu ersetzen. Das zeigte schon die Exportbilanz für 2025: Nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) sank der Wert der deutschen Weinexporte insgesamt um zwei Prozent auf 377 Millionen Euro. In die USA gingen elf Prozent weniger Wein als im Vorjahr; der Exportwert fiel um 19 Prozent auf 51 Millionen Euro. Das DWI-Exportforum am 28. Oktober 2026 in Oppenheim nahm deshalb unter anderem Schweden und Finnland in den Blick. Die entscheidende Frage ist nicht, welches Land die USA ablösen kann, sondern welche Märkte zu Produkt, Kapazität und Vertriebsmodell eines Betriebs passen.

    Die nordischen Länder bieten dabei keine einheitliche Antwort. In der DWI-Statistik für 2024 lag der Exportwert deutschen Weins nach Schweden bei 17 Millionen Euro, nach Finnland bei 13 Millionen Euro. Die Mengen entwickelten sich unterschiedlich: Schweden verzeichnete gegenüber 2023 einen Rückgang um 10,5 Prozent auf 72.000 Hektoliter, Finnland einen Zuwachs um 6,4 Prozent auf 47.000 Hektoliter. Ein Vergleich mit dem US-Geschäft braucht zudem Augenmaß: Die USA bleiben für Deutschland ein wesentlich größerer Einzelmarkt, während die nordischen Länder jeweils eigene Handelsstrukturen haben.

    Der Zugang läuft über andere Türen

    In Schweden und Finnland prägen staatliche Einzelhandelsmonopole den Verkauf von Wein. In Schweden ist das Systembolaget der zentrale Einzelhändler für alkoholische Getränke oberhalb bestimmter Alkoholgrenzen; in Finnland übernimmt Alko eine entsprechende Rolle. Für ein Weingut bedeutet das: Der Markteintritt erschöpft sich nicht darin, einen Importeur zu finden und eine Preisliste zu verschicken. Produkte müssen in die jeweiligen Beschaffungs- und Listungsverfahren passen. Lieferfähigkeit, Kalkulation, Produktinformationen und die Fähigkeit, auf Ausschreibungen zu reagieren, werden Teil der Exportarbeit.

    Das Systembolaget beschreibt die Zulassung von Lieferanten als eigenen mehrstufigen Prozess: Unternehmen benötigen unter anderem bestimmte Genehmigungen und müssen Produktdaten über vorgesehene Systeme bereitstellen. Auch Alko veröffentlicht Vorgaben für Lieferanten und die Listung von Produkten. Solche Verfahren schaffen einen vergleichsweise klar geregelten Zugang, garantieren aber weder eine Aufnahme ins Sortiment noch dauerhaft bestellte Mengen. Ein lokaler Importeur oder eine erfahrene Agentur kann die Abläufe erleichtern; die Verantwortung für passende Produkte, zuverlässige Lieferungen und wirtschaftliche Konditionen bleibt beim Betrieb.

    Der US-Markt: größer, aber nicht einfacher

    Das US-Geschäft ist strukturell anders: Importeur und Vertriebspartner sind wichtige Bindeglieder, zugleich ist der Absatz über mehrere Ebenen und regionale Märkte organisiert. Hinzu kommen Zoll- und Wechselkursrisiken sowie Aufwand für Logistik, Kommunikation und die Betreuung von Handel und Gastronomie. Die jüngsten DWI-Zahlen zeigen, wie schnell sich politische und wirtschaftliche Bedingungen in der Bilanz niederschlagen können: 2025 sank der durchschnittliche Ab-Hof-Exportpreis deutscher Weine in die USA laut Institut um 41 Cent auf 4,43 Euro je Liter.

    Ein Markt mit größerem Umsatzpotenzial verlangt nicht automatisch weniger Arbeit. Betriebe müssen prüfen, ob sie größere Liefermengen verlässlich bedienen können, ob ein Partner ihre Weine tatsächlich positioniert und ob der erzielbare Erlös die Kosten von Vertrieb und Betreuung trägt. In Schweden oder Finnland wiederum kann ein überschaubareres Geschäft mit spezifischen Anforderungen an Ausschreibungen und Sortiment verbunden sein. Für kleine Weingüter ist daher nicht allein die Einwohnerzahl entscheidend, sondern auch, ob sie Personal und Zeit für Marktaufbau, Übersetzungen, Dokumentation und regelmäßigen Kontakt aufbringen können.

    Diversifizieren heißt auswählen

    Das DWI-Forum kündigte Schweden und Finnland als Schwerpunkte an und bot Gespräche mit Marktansprechpartnern an. Detaillierte Ergebnisse der Veranstaltung liegen in den geprüften Unterlagen nicht vor. Doch die verfügbaren Zahlen und die unterschiedlichen Marktzugänge machen schon deutlich: „Norden“ ist keine fertige Exportstrategie. Schweden und Finnland müssen einzeln betrachtet werden – ebenso wie einzelne US-Regionen und Vertriebspartner.

    Für eine belastbare Planung 2027 heißt das, Chancen nicht mit einer pauschalen Ersatzmarkt-Erzählung zu verwechseln. Exportdiversifizierung kann die Abhängigkeit von einem einzelnen Absatzland verringern. Sie verteilt aber auch Aufwand: Jeder zusätzliche Markt verlangt Ansprechpartner, passende Angebote und eine realistische Einschätzung der eigenen Lieferfähigkeit. Die nüchterne Leitfrage lautet deshalb nicht, wo der US-Umsatz eins zu eins ersetzt werden kann, sondern welche Beziehungen ein Weingut dauerhaft pflegen kann – und welche Aufträge sich für seinen Betrieb tatsächlich rechnen.

  • Wie viel Weinwelt passt in ein Händlersortiment?

    Wie viel Weinwelt passt in ein Händlersortiment?

    Ein Sortiment ist eine Landkarte mit blinden Flecken. Es kann zeigen, wie weit Weinbau geografisch und stilistisch reicht – und zugleich erzählen, was ein Händler für relevant, verständlich und lieferbar hält. Die MondoVino macht diese Auswahl in Wien sichtbar: WEIN & CO kündigt für den 13. und 14. November in der MARX HALLE mehr als 170 Produzentinnen und Produzenten aus Österreich und anderen Ländern an. Über 1.000 Produkte sollen sich dort erkunden lassen, neben Wein auch Bier, Spirituosen, Delikatessen und alkoholfreie Angebote.

    Die Zahl klingt nach Fülle. Doch Vielfalt ist nicht schon dann vermittelt, wenn viele Flaschen nebeneinanderstehen. Ein gutes Sortiment braucht Entscheidungen: Welche Herkunft bekommt Platz? Welche Rebsorte erzählt etwas Eigenständiges? Und wie finden Kundinnen und Kunden zwischen vertrauten Namen und weniger bekannten Regionen einen Zugang? Gerade diese Fragen machen eine Händlerverkostung interessant – nicht als Einkaufsliste, sondern als Blick auf die Arbeit hinter dem Regal.

    Auswahl heißt auch: weglassen

    Kein Händler kann die Weinwelt vollständig abbilden. Platz, Nachfrage, Verfügbarkeit und Preis setzen Grenzen; hinzu kommen persönliche Beziehungen zu Produzenten und die Frage, ob sich ein Wein schlüssig erklären lässt. Das sind allgemeine Kriterien des Handels, keine Aussage über die Auswahl der diesjährigen Messe. Bei einer Veranstaltung wie der MondoVino treffen sie auf ein Publikum, das vergleichen und nachfragen kann: über Herkunft, Ausbau, Rebsorten oder den Weg einer Flasche bis nach Wien.

    Für unabhängige Importeure und die Gastronomie ist Auswahl ebenfalls Übersetzungsarbeit. Ein Wein auf der Karte oder im Regal braucht mehr als ein Herkunftsland als Etikett: Er sollte sich in einen Zusammenhang stellen lassen – etwa als passende Begleitung zu einem Gericht, als Ausdruck einer Region oder als Gegenpol zu einem vertrauten Stil. In der Gastronomie kann Säure etwa Fett und Cremigkeit ausbalancieren; Süße wiederum verändert, wie scharf ein Gericht wirkt. Solche Zusammenhänge helfen beim Einordnen, ohne aus Kombinationen starre Regeln zu machen.

    Orientierung statt Marathon

    Die Veranstalterankündigung nennt sechs Masterclasses und geführte Wine Walks von rund 45 Minuten. Letztere sollen jeweils ausgewählte Weingüter und Themen verbinden; eine Anmeldung ist erforderlich. Solche Formate können bei großer Auswahl eine nützliche Dramaturgie setzen: Wer sich für Schaumwein, Herkunft oder gereifte Weine interessiert, folgt einem roten Faden, statt planlos von Stand zu Stand zu gehen. Ob die jeweilige Auswahl überzeugt, lässt sich allerdings erst vor Ort beurteilen.

    Auch der angekündigte begehbare Verkostungswürfel mit Blindproben setzt einen anderen Akzent: Aufmerksamkeit weg vom Etikett, hin zum Vergleich. Das ersetzt weder Herkunftswissen noch die Erklärung durch Produzentinnen und Produzenten. Es kann aber daran erinnern, dass ein Wein nicht allein durch Namen, Preis oder Prestige spricht.

    Was im Regal nachwirkt

    Eine Messe zeigt ein Sortiment für zwei Nachmittage; ein Händler muss daraus Entscheidungen für den Alltag treffen. Welche Flasche bleibt im Gespräch, welche findet ihren Platz bei einem Essen, welche erschließt eine neue Region? Die MondoVino liefert dafür ein großes Schaufenster und die Gelegenheit, Fragen direkt an Ausstellende zu richten. Das Urteil über noch nicht verkostete Weine bleibt offen. Interessant ist schon jetzt die Grundfrage: Wie viel Welt passt ins Regal – und wie viel Erklärung braucht es, damit aus Auswahl Orientierung wird?

  • Alkoholfrei am Winterstand: Was gehört auf die Getränkekarte?

    Alkoholfrei am Winterstand: Was gehört auf die Getränkekarte?

    Am Winterstand stehen sie oft nebeneinander: dampfende Becher mit Zimtduft, dunkler Farbe und Zitrusschale am Rand. Doch die Ähnlichkeit im Becher sagt wenig darüber aus, was im Getränk steckt. Für die Karte zählen vor allem zwei Fragen: Woraus wurde es hergestellt – und welche Verkehrsbezeichnung ist dafür zulässig?

    „Glühwein“ ist eine geschützte Bezeichnung

    Glühwein ist nicht einfach jedes erhitzte Getränk mit Gewürzen. Die EU definiert ihn als aromatisiertes weinhaltiges Getränk, das ausschließlich aus Rot-, Weiß- oder Roséwein beziehungsweise einer Kombination dieser Weine gewonnen und vor allem mit Zimt, Gewürznelken oder beidem gewürzt wird. Der vorhandene Alkoholgehalt muss mindestens 7 Prozent vol betragen. Für Weißwein-Glühwein ist ein entsprechender Zusatz in der Bezeichnung vorgesehen. Diese Anforderungen erklären, warum gewürzter Saft oder entalkoholisierter Wein nicht allein wegen seines Geschmacks oder seiner Zubereitung „Glühwein“ heißt.

    Das Deutsche Weininstitut weist darauf hin, dass für gewürzten alkoholfreien Wein eine Bezeichnung wie „aromatisiertes Getränk aus alkoholfreiem Rotwein“ verwendet werden kann. Das klingt nüchterner als ein Fantasiename, macht aber die Grundlage kenntlich. „Alkoholfrei“ allein verrät dagegen weder, ob Wein, Traubensaft oder eine andere Basis verwendet wurde, noch welche Zutaten hinzukommen.

    Drei Grundlagen, drei unterschiedliche Profile

    Auf einer gut erklärten Karte lassen sich die Getränke nach ihrer Basis ordnen: klassischer Glühwein aus Wein; ein gewürztes Getränk aus entalkoholisiertem Wein; und eine alkoholfreie Variante auf Saftbasis. Auch wenn Zimt, Nelken und Zitrusschalen bei mehreren Rezepturen vorkommen, sind das keine austauschbaren Produkte. Die Bezeichnung sollte nicht den Eindruck erwecken, ein Saftgetränk sei Wein oder ein entalkoholisierter Wein klassischer Glühwein.

    Bei entalkoholisiertem Wein bleibt die Weinherkunft Teil der Beschreibung, doch der Alkohol wurde nach der Gärung ganz oder weitgehend entfernt. „Alkoholfrei“ bedeutet dabei nicht zwingend, dass analytisch keinerlei Alkohol enthalten ist: Für entalkoholisierte Weinerzeugnisse sehen EU- und deutsches Recht eigene Angaben vor. Wer genaue Werte oder eine Aussage wie „0,0“ auf die Karte schreiben möchte, sollte sie am konkreten Produktetikett beziehungsweise an den Herstellerangaben prüfen – und nicht aus der allgemeinen Kategorie ableiten.

    Für die Praxis am Stand ist eine kurze Erläuterung meist hilfreicher als ein möglichst weinähnlicher Fantasiename: „aus entalkoholisiertem Rotwein, mit Gewürzen“ oder „auf Traubensaftbasis“. Das macht den Unterschied sichtbar, ohne ein Qualitätsurteil vorwegzunehmen. Bei abgefüllten Produkten sind außerdem die vorgeschriebenen Angaben auf dem Etikett maßgeblich; eine handgeschriebene Karte ersetzt sie nicht.

    Reform beschlossen – aber nicht alles sofort

    Für den Winter 2026 ist die zeitliche Einordnung wichtig: Die EU-Verordnung 2026/471 ist bereits in Kraft, doch ihre Bestimmungen gelten nicht alle gleichzeitig. Die Verordnung sieht Änderungen für aromatisierte Weinerzeugnisse vor, darunter Regelungen zu Erzeugnissen aus teilweise oder vollständig entalkoholisiertem Wein. Bestimmte Änderungen greifen erst am 19. September 2027, weitere am 19. März 2030. Ein politischer Beschluss oder eine veröffentlichte Reform ist deshalb nicht automatisch die heute schon anwendbare Regel.

    Bis zum Wintergeschäft 2026 bleibt für die Getränkekarte der sichere Grundsatz: Die Bezeichnung muss zum Erzeugnis passen, und „Glühwein“ ist keine freie Umschreibung für jedes gewürzte Heißgetränk. Bei einem konkreten Produkt sollte der Betrieb Zutatenbasis, Etikett und geltenden Rechtsstand zusammen prüfen. So wird aus der Karte nicht nur eine Liste warmer Getränke, sondern eine verlässliche Orientierung für Gäste, die bewusst zwischen Wein, entalkoholisiertem Wein und Saft wählen möchten.

  • KaiserHerbst: Ein Weinwochenende ohne Veranstaltungs-Marathon

    KaiserHerbst: Ein Weinwochenende ohne Veranstaltungs-Marathon

    Der Kalender ist am Kaiserstuhl im Herbst schnell voller, als ein Tag lang ist. Der KaiserHerbst 2026 bündelt vom 10. Oktober bis zum 8. November Veranstaltungen rund um Wein, Kulinarik, Natur und Kultur – am Kaiserstuhl und am Tuniberg. Für das Abschlusswochenende muss daraus kein Wettlauf werden. Ein gutes Programm beginnt nicht mit der Frage, wie viele Stationen hineinpassen, sondern womit man sich wirklich beschäftigen möchte.

    Ein Vorbehalt gehört dazu: Dieser Bericht beruht auf den veröffentlichten Angaben und Fachinformationen, nicht auf einem eigenen Besuch vor Ort. Deshalb geht es nicht um behauptete Eindrücke aus einzelnen Veranstaltungen, sondern darum, welche Art von Tag sich aus dem Charakter der Region und dem Festivalgedanken sinnvoll ableiten lässt.

    Ein Gelände, das Zeit verlangt

    Der Kaiserstuhl hebt sich als vulkanischer Gebirgsstock aus der Oberrheinebene. Doch wer hier nur an dunkles Gestein denkt, übersieht eine zweite prägende Schicht: Löss, den der Wind aus den Schotterflächen des Rheintals herantrug. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg beschreibt, wie der kalkhaltige Boden Hohlwege und Terrassen begünstigt – zugleich aber erosionsanfällig ist, wenn er ungeschützt bleibt.

    So ist die Landschaft keine Kulisse neben dem Weinbau, sondern dessen Arbeitsraum. Rebflächen folgen den Hängen; dazwischen liegen bewaldete Kuppen, Hohlwege und offene Böschungen. Das Bundesamt für Naturschutz hebt auch die Bedeutung dieser gegliederten Kulturlandschaft für trockene Lebensräume hervor. Wer einen Spaziergang einplant, schaut also nicht bloß auf Reben, sondern auf ein Gelände, das Landwirtschaft und Natur über lange Zeit gemeinsam geformt haben.

    Eine Station mit Erkenntniswert

    Das Veranstaltungsangebot des KaiserHerbstes reicht laut Veranstalter von Wein und Kulinarik bis zu Natur- und Kulturformaten. Diese Breite ist ein Angebot, kein Auftrag, alles mitzunehmen. Für ein überschaubares Wochenende bietet sich eine einfache Dramaturgie an: erst eine Strecke durch die Landschaft, dann eine einzelne Veranstaltung, die eine Frage vertieft – etwa, wie Weinbau und Boden zusammenhängen oder wie regionale Küche mit den Erzeugnissen der Umgebung arbeitet.

    Das ist eine redaktionelle Orientierung, kein bestätigter Ablaufplan für einen bestimmten Ort oder Tag. Das veröffentlichte Programm kann sich ändern; konkrete Termine, Plätze und Anreisewege sollten vor dem Aufbruch beim Veranstalter geprüft werden. Wo ein Programmpunkt Erklärungen und Austausch ermöglicht, kann er mehr über die Region vermitteln als eine Reihe rasch wechselnder Angebote.

    Wein gehört in den Zusammenhang

    Am Kaiserstuhl sind die Burgundersorten besonders präsent; der Badische Weinbauverband nennt unter anderem Spätburgunder, Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnay. Daraus folgt jedoch keine pauschale Geschmacksformel. Vulkanit und Löss, Exposition, Arbeit im Weinberg und Ausbau unterscheiden sich von Ort zu Ort und Betrieb zu Betrieb. Ein Glas erklärt die Landschaft nicht allein – es wird interessanter, wenn man weiß, woher die Trauben stammen und wie sie verarbeitet wurden.

    Eine Verkostung kann deshalb Teil des Tages sein, muss ihn aber nicht dominieren. Sinnvoll ist, sich auf ein Format zu konzentrieren und den übrigen Raum für Wege, Gespräche oder eine Mahlzeit zu lassen. Bei Weinveranstaltungen gilt: Teilnahme und Heimweg gehören zusammen geplant; wer fährt, bleibt alkoholfrei.

    Der Maßstab ist nicht die Menge

    Der KaiserHerbst endet am Sonntag, 8. November 2026. Sein Wert für Besucherinnen und Besucher bemisst sich nicht daran, wie viele Programmpunkte sich abhaken lassen. Ein gut gewählter Spaziergang, eine Veranstaltung mit nachvollziehbarem Bezug zur Region und Zeit für das Essen können einen klareren Eindruck hinterlassen als ein dicht getakteter Tag. Gerade die Terrassen und Hohlwege machen sichtbar, dass Weinbau hier nicht nur im Keller stattfindet: Er prägt das Gelände – und verlangt, dass man ihm Aufmerksamkeit schenkt.

  • Sekt zwischen Rieslinglosen: Wie eine Auktion ihr Angebot erweitert

    Sekt zwischen Rieslinglosen: Wie eine Auktion ihr Angebot erweitert

    Die Liste ist lang und auffällig geschlossen: Riesling, Lage, Jahrgang – immer wieder Stillwein, dazu einzelne Großformate und Raritäten. Mitten in den 30 Losen der VDP-Versteigerung an der Nahe stehen am 7. November jedoch zwei Posten, die das Muster aufbrechen. Gut Hermannsberg bringt seinen 2019er Rieslingsekt aus der Kupfergrube in zwei Flaschengrößen an den Start.

    Das ist keine zweite Versteigerung im Rahmen der ersten, sondern ein Schaumwein-Angebot innerhalb eines vor allem von Stillweinen geprägten Katalogs. Gerade diese Position macht den Sekt interessant: Er erweitert die Auswahl nicht über eine neue Rebsorte, sondern über eine andere Form, Riesling und Herkunft zu präsentieren.

    Zwei Lose, eine Herkunft

    Im Losverzeichnis steht der Sekt als „2019 Kupfergrube Schloßböckelheim Riesling Sekt extra brut“, ausgewiesen als VDP.SEKT PRESTIGE. Los N3 umfasst 360 Flaschen à 0,75 Liter. Los N4 bietet zwölf Magnumflaschen à 1,5 Liter. Das sind nicht bloß zwei Verpackungsvarianten: Mit dem Großformat wird dasselbe Produkt in einer anderen Flaschengröße angeboten, ohne dass der Katalog daraus eine eigene Stil- oder Jahrgangsaussage macht.

    Die Lose sind zudem räumlich klar verankert. „Kupfergrube“ ist die Herkunftsangabe im Namen; das Weingut sitzt an der Nahe, in Niederhausen. Der Auktionskatalog führt für beide Posten den Jahrgang 2019 und die Bezeichnung Extra Brut auf. Aussagen zu Ausbau, Reifezeit oder sensorischem Profil des angebotenen Sekts enthält die aktuelle Losübersicht nicht. Vor der Versteigerung lässt sich deshalb aus den Daten keine Verkostungsbewertung ableiten.

    Der Sekt neben den Stillweinen

    Der Kontrast ist im Katalog deutlich: Auf den Sekt folgen zahlreiche Riesling-Stillweine, darunter trockene Weine, Große Gewächse, eine Beerenauslese und weitere Raritäten. Auch Großformate gibt es mehrfach – etwa bei Rieslingen von Dr. Bürklin-Wolf, Emrich-Schönleber und K. F. Groebe. Der Sekt tritt also nicht allein gegen Stillwein an, sondern steht in einem Angebot, das Herkunft, Jahrgang, Reife und Flaschengröße auf verschiedene Weise nebeneinanderstellt.

    Für den Veranstalter gehört die Versteigerung zur langen Bad Kreuznacher Tradition: Der VDP verweist auf eine Geschichte, die bis 1912 zurückreiche. 2026 beteiligen sich nach dessen Angaben 14 Weingüter aus Nahe, Ahr, Rheinhessen und Pfalz. Die Vorprobe ist von 9 bis 11 Uhr im Museum Römerhalle angekündigt; die nasse Versteigerung beginnt dort um 13 Uhr. Dabei werden die ausgerufenen Weine im Saal ausgeschenkt, wie der Verband mitteilt.

    Eine Ergänzung, kein Markturteil

    Der 2019er Sekt nimmt im Katalog eine kleine, aber klar erkennbare Sonderrolle ein: zwei Lose, eine Lage, ein Jahrgang, zwei Flaschengrößen. Das erweitert die Auktion um eine Schaumweinposition, ohne das Grundprofil des Angebots zu verändern. Ob die besondere Form und die Großflasche bei den Bietenden auf Resonanz stoßen, zeigt sich erst am 7. November. Vorab lässt sich lediglich feststellen, dass der Sekt im Losverzeichnis nicht als Randnotiz verschwindet, sondern als eigenständiges Produkt neben den Riesling-Stillweinen steht.

  • Wer einen Betrieb führt, soll auch für ihn sprechen

    Wer einen Betrieb führt, soll auch für ihn sprechen

    Heute öffnet im Château de Rolle am Genfersee DiVINes!, der Schweizer Salon für Winzerinnen. Vom 5. bis 7. November kommen Frauen aus verschiedenen Weinbauregionen zusammen, um ihre Betriebe und Weine vorzustellen. Die Liste der Teilnehmerinnen nennt Winzerinnen, Eigentümerinnen, Önologinnen und weitere Fachleute. Sie macht sichtbar, wie vielfältig die Arbeit im Wein ist – beantwortet aber nicht automatisch die Frage, wer im Betrieb tatsächlich das letzte Wort hat.

    Genau dort beginnt die journalistisch interessantere Frage: Wer besitzt den Betrieb, wer trägt die wirtschaftliche Verantwortung, wer entscheidet über Reben, Keller und Verkauf? Und wenn ein Familienbetrieb übergeben wird: Wer gilt als mögliche Nachfolgerin oder möglicher Nachfolger? Eine Frau am Stand ist nicht zwangsläufig Eigentümerin; eine Eigentümerin muss nicht zugleich die operative Leitung innehaben. Diese Rollen auseinanderzuhalten, ist keine Spitzfindigkeit. Es geht um die Verteilung von Vermögen, Verantwortung und Entscheidungsmacht.

    Sichtbarkeit ist nicht gleich Verfügungsmacht

    DiVINes! findet seit 2021 in Rolle statt. 2026 dauert der Salon erstmals drei Tage; als Ehrengäste sind Schweizer Bäuerinnen und Landwirtinnen angekündigt. Die Veranstalterinnen führen auf ihrer Website Frauen mit sehr unterschiedlichen beruflichen Bezeichnungen und Betriebsnamen auf. Swiss Wine Vaud beschreibt das Format als Treffpunkt für Winzerinnen, Önologinnen, Weinhändlerinnen und Eigentümerinnen. Das ist ein breites Bild der Branche, aber noch keine Auskunft darüber, wie die einzelnen Unternehmen organisiert sind.

    Der Unterschied zwischen Sichtbarkeit und Verfügungsmacht ist für den Blick auf Weingüter zentral. Ein Betrieb kann familiär geprägt sein, ohne dass alle Angehörigen über Eigentum oder strategische Fragen gleichberechtigt entscheiden. Umgekehrt kann eine Betriebsleiterin Entscheidungen verantworten, obwohl Besitzanteile anders verteilt sind. Ohne Gespräche und konkrete Angaben lässt sich daraus weder ein allgemeines Muster für Schweizer Weingüter noch eine individuelle Geschichte ableiten.

    Die Fragen hinter dem Namen am Stand

    Ein belastbarer Bericht müsste deshalb bei den einzelnen Betrieben nachfragen: Wem gehören Rebflächen, Gebäude und Keller? Wer trägt Investitions- und Absatzrisiken? Wer bestimmt über Bewirtschaftung, Ausbau und Vermarktung? Und wie wird eine Übergabe vorbereitet – durch Erbfolge, Verkauf oder eine andere Lösung? Antworten wären den jeweiligen Gesprächspartnerinnen zuzuordnen und, wo nötig, mit weiteren Beteiligten oder öffentlich zugänglichen Betriebsangaben abzugleichen.

    Die veröffentlichte Teilnehmerinnenliste erlaubt eine erste Auswahl möglicher Gesprächspartnerinnen, nicht aber die Behauptung, eine bestimmte Frau sei Eigentümerin oder treffe allein die Entscheidungen. Auch eine persönliche Darstellung auf der Messe ersetzt nicht die Prüfung, wie Zuständigkeiten im Betrieb verteilt sind. Diese Grenze ist wichtig: Ein Porträt über eine Winzerin kann Anerkennung schaffen, aber die Macht- und Besitzverhältnisse ihres Unternehmens unsichtbar lassen.

    Ein Salon, ein Recherchefenster

    Die Gemeinde Rolle bestätigt das Datum und den Ort, die Veranstalterinnen veröffentlichen Öffnungszeiten und Teilnehmerinnen. Diese Informationen belegen den Anlass und seine Ausrichtung. Zu Eigentumsstrukturen, Entscheidungsrechten oder Nachfolgeregelungen der einzelnen Weingüter geben die genannten öffentlichen Angaben jedoch keine Auskunft. Deshalb wäre es verfrüht, aus dem Programm bereits Schlüsse über die Stellung von Frauen im Schweizer Weinbau zu ziehen.

    Der Salon eröffnet vielmehr ein konkretes Recherchefenster: Wer den Betrieb führt, sollte auch Gelegenheit bekommen, über seine wirtschaftliche und strategische Verantwortung zu sprechen. Nicht als Symbolfigur für Sichtbarkeit, sondern als Auskunftsperson zu Arbeit, Besitz und Zukunft des Weinguts. Für einen Bericht, der diese Fragen ernst nimmt, braucht es direkte Gespräche – und Antworten, die über den Messestand hinausreichen.

  • Piacenza als Treffpunkt kleiner Herkunftsgeschichten

    Piacenza als Treffpunkt kleiner Herkunftsgeschichten

    Piacenza liegt dort, wo die Po-Ebene nach Süden in Täler und Hügel ausläuft. Die Fiera dei Vini holt diese Landschaft nicht auf ein Podest, sondern stellt sie neben viele andere: Vom 14. bis 16. November 2026 wird die Piacenza Expo zum Treffpunkt für Weingüter aus Italien und darüber hinaus. Im Zentrum steht ein einfaches Format: am Stand ins Gespräch kommen, Weine probieren und direkt bei den Produzenten kaufen.

    Die Veranstalter sprechen von mehr als 300 Weingütern, 20 italienischen Regionen und über 2.000 Etiketten. Das ist eine Einladung zum Vergleichen, aber auch eine Herausforderung: Wie wird aus einem Namen auf der Flasche eine nachvollziehbare Herkunft? Für eine Vorschau ist das die spannendere Frage als jede Erwartung an noch nicht verkostete Weine.

    Von den piacentinischen Hügeln in viele Regionen

    Piacenza ist nicht bloß eine praktische Adresse für eine Messe. In der Provinz führen Wein- und Genussrouten durch vier Täler des Appennino Piacentino: Tidone, Trebbia, Nure und Arda. Die Landschaft wechselt zwischen Hängen, Dörfern und landwirtschaftlich genutzten Flächen; unterschiedliche Böden und örtliche Traditionen gehören zum Bild. Die geschützte Herkunft Colli Piacentini DOC steht für eine Vielzahl von Weintypen. Zu den bekannten Namen zählen Gutturnio, Malvasia und Ortrugo – drei Stichworte, die bereits unterschiedliche Rebsorten und Weintraditionen aufrufen.

    Die Messe soll den Blick darüber hinaus öffnen. Auf der Ausstellerliste stehen Betriebe aus vielen Teilen Italiens; auch Produzenten aus dem Ausland sind angekündigt. Erstmals soll eine Delegation unabhängiger Champagne-Erzeuger vertreten sein, mit Häusern aus mehreren Teilgebieten der Champagne. Damit treffen in Piacenza nicht nur große, vertraute Herkunftsbegriffe aufeinander. Entscheidend wird sein, ob sich an den Ständen auch kleinere geografische Bezüge, lokale Rebsorten und die Arbeit im Weinberg verständlich vermitteln lassen.

    Direkter Kontakt statt bloßer Etikettenkunde

    Der Direktverkauf ist Teil des Messekonzepts. Besucherinnen und Besucher können Weine an den Ständen kennenlernen und anschließend bei den Erzeugern kaufen. Das verändert die Rolle des Gesprächs: Es geht nicht allein darum, einen Wein kurz einzuordnen, sondern auch darum, Anbaugebiet, Stil und Produktionsweise so zu erklären, dass sie über den Messetag hinaus im Gedächtnis bleiben. Für kleinere Betriebe kann diese unmittelbare Ansprache besonders wichtig sein – gerade dort, wo der Herkunftsname außerhalb der Region wenig bekannt ist.

    Das Programm nennt außerdem thematische Verkostungen und Begegnungen. Die Veranstalter kündigen für die Ausgabe 2026 neue Formate und Veranstaltungen im Rahmen der Piacenza Food & Wine Week an. Details und Beteiligte sollten vor dem Messebesuch nochmals geprüft werden, denn Programm und Angebot können sich ändern. Der Montag, 16. November, ist laut Veranstalter von 10 bis 16.30 Uhr für Fachpublikum und Handel besonders ausgerichtet; am Samstag und Sonntag ist die Messe jeweils von 11 bis 19.30 Uhr geöffnet.

    Piacenza verspricht damit keinen Ersatz für den Besuch in den Weinbergen. Eher bietet die Messe einen ersten Atlas: viele Stimmen, unterschiedliche Maßstäbe und die Möglichkeit, beim Produzenten nachzufragen, was ein Herkunftsname konkret bedeutet. Ob diese Begegnungen die weniger bekannten Regionen sichtbar machen, wird sich nicht an der Zahl der Flaschen entscheiden, sondern an der Qualität der Erklärungen am Stand.