Meran bringt für ein Gespräch über Herkunft gute Voraussetzungen mit: Weinbau prägt das Umland, dessen vergleichsweise mildes Klima und sandige Böden die örtliche Tourismusorganisation hervorhebt. Doch wenn sich die Weinwelt vom 6. bis 10. November zum 35. Merano WineFestival trifft, reicht der Blick auf den Weinberg allein nicht aus. Ebenso wichtig wird sein, wer die Weine künftig bestellt – und zu welchem Anlass.
Termin und Hauptort sind inzwischen direkt bestätigt: Gourmet’s International veranstaltet das Festival im Kurhaus und an weiteren Orten der Stadt. Die fünftägige Schau bietet damit einen konkreten Treffpunkt für eine Branche, deren Hoffnungen auf Erholung neben grundlegenden Fragen an ihr Angebot stehen.
Was Meran auf den Tisch bringt
Der Auftakt am 6. November gehört „TasteTerroir – bio&dynamica“. Angekündigt sind biologische, biodynamische und Naturweine, Amphorenweine sowie Produkte mit wenig oder ohne Alkohol. Vom 7. bis 9. November folgt „The Festival“ mit italienischen und internationalen Weinen; am 10. November setzt „Catwalk Champagne &more“ den Schwerpunkt auf Schaumwein. Masterclasses im Hotel Terme ergänzen das Programm.
Schon diese Nachbarschaft ist interessant: Herkunft, Bewirtschaftung, Ausbaugefäß und Alkoholgehalt bezeichnen unterschiedliche Eigenschaften eines Weins. Keine ersetzt die andere. Die Frage an die Betriebe lautet deshalb nicht bloß, welche Kategorie sie bedienen. Sie lautet, wie verständlich sie erklären können, was ihr Produkt ausmacht. Meran ist dabei keine Vorschau auf einen einzigen Jahrgang, sondern ein Vergleichsraum für unterschiedliche Herkünfte und Erzeugnisse. Ein Qualitätsurteil über das angekündigte Angebot lässt sich daraus nicht ableiten.
Exportplus ist noch keine Entwarnung
Wie vorsichtig Erfolgsmeldungen zu lesen sind, zeigen die jüngsten Zahlen des Branchenverbands Unione Italiana Vini. Nach dessen Auswertung vorläufiger EU-Daten stieg der Wert italienischer Weinlieferungen in die USA von Juli bis September 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um nahezu 17 Prozent. Über die ersten neun Monate blieb jedoch ein Minus von sechs Prozent.
UIV-Präsident Lamberto Frescobaldi sieht als mögliche Erklärung für den Quartalsanstieg auch das Auffüllen amerikanischer Lager, nicht allein zusätzlichen Konsum. Für die Gespräche in Meran ergibt sich daraus eine nüchterne Leitfrage: Kommen neue Bestellungen aus dauerhaftem Interesse – oder aus dem Warenbedarf der Zwischenhändler? Beides kann Kellereien helfen, verlangt aber unterschiedliche Planung. Eine Exportzahl allein beantwortet noch nicht, welche Weine am Restauranttisch oder im Handel tatsächlich überzeugen.
Alkoholfrei braucht ein eigenes Profil
Besonders deutlich wird die Unsicherheit bei entalkoholisierten Weinen. Im April erwartete das Observatorium UIV-Vinitaly für 2026 einen Anstieg der italienischen Produktion um 90 Prozent. Das war eine Prognose, kein bereits erreichtes Jahresergebnis. Zugleich meldete die Untersuchung FIPE-UIV, dass 71 Prozent der befragten Restaurants kein Interesse hätten, entalkoholisierte Weine auf ihre Karte zu nehmen.
Wachstumserwartung und Zurückhaltung stehen also nebeneinander. Dass der Meraner Auftakttag No-/Low-Alcohol-Produkte ausdrücklich aufführt, macht die Kategorie sichtbar; ihren Platz beim Publikum beweist es noch nicht. Zu klären bleibt, welches geschmackliche Profil, welchen Service und welche verständliche Ansprache solche Produkte brauchen. Sie verdienen eine eigenständige Betrachtung, nicht die Rolle einer bloßen Ersatzlösung.
Die produktivste Erwartung an Meran ist deshalb keine schnelle Antwort für ganz Italien. Interessant wird, ob Betriebe Herkunft und veränderte Nachfrage zusammenbringen, ohne ihre Unterschiede einzuebnen. Nicht jeder Wein muss leichter werden, nicht jedes Weingut braucht eine alkoholfreie Linie. Aber jedes Angebot braucht eine plausible Antwort auf die Frage, für wen es gedacht ist.
Redaktionell geprüft · 5. November 2026

