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VERKOSTUNG

Deutscher Rotwein: drei Charaktere, ein Jahrgang

Kräuterwürziger Lemberger, konzentrierter Spätburgunder, saftige Cuvée: Drei deutsche Rotweine des Jahrgangs 2022 zeigen, wie unterschiedlich sich Frucht, Holz und Gerbstoff verbinden können.

Deutscher Rotwein muss sich nicht zwischen Leichtigkeit und Wucht entscheiden. Spannender ist, wie Frucht, Säure und Gerbstoff zueinanderstehen: Kräuter können einer dunklen Beerenfrucht Kontur geben, Holz kann Konzentration auffangen, Säure einen kräftigen Körper beweglich halten. Drei trockene Weine des Jahrgangs 2022 setzen dabei deutlich unterschiedliche Schwerpunkte.

Schnaitmanns „Steinwiege“ Lemberger aus Fellbach, Hubers „Malterdinger“ Spätburgunder aus Baden und die Pfälzer Cuvée „Das kleine Kreuz“ von Rings stehen für drei eigenständige Rotweinstile. Ihr gemeinsamer Nenner ist nicht maximale Fülle, sondern das Zusammenspiel von Substanz und Spannung.

Schnaitmann: Würze mit schlankem Alkoholrahmen

Der 2022er „Steinwiege“ Lemberger kommt mit 12,5 Prozent Alkohol aus. Nach Angaben des Weinguts wachsen die Trauben auf Gipskeuper; sie werden als ganze Trauben spontan auf der Maische vergoren. Anschließend reift der Wein 24 Monate in alten großen Holzfässern und wird unfiltriert abgefüllt. Ein Ausbau, der dem gebrauchten Holz viel Zeit, aber keine Hauptrolle als neue Eichenwürze gibt.

Schnaitmann beschreibt ein vielschichtiges Spektrum aus Sauerkirsche, Brombeere und Cassis, begleitet von Wacholder, Thymian und schwarzem Tee. Dazu nennt das Gut eine lebhafte Säure und reife, eng gewobene Tannine. Der Reiz dieses Lembergers liegt damit in seiner würzigen Kontur: dunkle Frucht, aber kein allein auf Fruchtsüße angelegter Charakter.

0,4 Gramm Restzucker und 6 Gramm Säure je Liter unterstreichen die trockene Ausrichtung. Das ist ein ernsthafter Gegenentwurf zur Vorstellung, zugänglicher Rotwein müsse vor allem weich sein. Als Speisenbegleiter nennt das Weingut unter anderem gebratenes Gemüse, Eintöpfe und Wildgeflügel.

Huber: Spätburgunder mit Konzentration

Der 2022er „Malterdinger“ Spätburgunder des Weinguts Bernhard Huber setzt einen anderen Akzent. Der badische Ortswein hat 13,5 Prozent Alkohol und stammt aus dem von Muschelkalk geprägten Malterdingen. Hier steht nicht zarte Rotbeerigkeit im Mittelpunkt, sondern ein konzentrierterer Pinot-Stil.

Weinfurore hebt in seiner Verkostung vom September 2024 Schwarzkirsche und Brombeere hervor, dazu Süßholz, getrocknete Kräuter und eine rauchige Holzwürze. Die Notiz beschreibt zugleich feine Tannine und eine bereits gut eingebundene Säure. Entscheidend ist diese Verbindung: Konzentration erhält durch präzisen Gerbstoff Form, statt bloß Gewicht aufzubauen.

Der teilweise Einsatz neuer Barriques gehört zu diesem Profil. Das Holz setzt einen würzigen Rahmen um die dunkle Frucht. Innerhalb des Trios steht der „Malterdinger“ damit für einen substanzreichen Spätburgunder, dessen Anspruch über unkomplizierte Fruchtigkeit hinausgeht. Weinfurore nennt ein Trinkfenster von 2025 bis 2032.

Rings: Cuvée mit saftigem Zug

„Das kleine Kreuz“ 2022 verbindet Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und St. Laurent. Die trockene Pfälzer Cuvée hat 14 Prozent Alkohol und reift in neuen sowie gebrauchten Barriques. Ihr Charakter ist körperreicher angelegt, doch die Säure bleibt ein wesentlicher Teil der Balance.

Beim Deutschen Rotweinpreis 2024 von VINUM erreichte sie mit 93 Punkten den zweiten Platz unter den Cuvées. Die Jury notiert schwarze Johannisbeere, Heidelbeere und Vanille; besonders betont sie die saftige Frucht und eine deutlich präsente Säure. Das dort angegebene Trinkfenster reicht von 2024 bis 2028.

Gerade diese Frische macht den Stil interessant: kein Rotwein, der Kraft mit schwerer Ruhe verwechselt. Gegenüber dem kräuterbetonten Lemberger und dem konzentrierten Pinot bietet „Das kleine Kreuz“ die vollere Cuvée-Handschrift. Drei verschiedene Wege also: Würze bei Schnaitmann, Verdichtung bei Huber, Fruchtfülle mit Säurezug bei Rings.

Redaktionell geprüft · 5. November 2026

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