In Würzburg liegt Weinbau nicht nur an den Hängen über dem Main. Ein Teil seiner Geschichte und Arbeit steckt unter der Stadt: in Gewölben, Lagerkellern und Räumen, die bis heute zu Weingütern gehören. Am Samstag, 21. November 2026, öffnen Bürgerspital, Juliusspital, Staatlicher Hofkeller und Weingut am Stein ihre Keller für die „Nacht der offenen Weinkeller“. Der Termin ist noch nicht gewesen; was die Gäste dort tatsächlich erfahren, lässt sich vorab nicht als Erlebnisbericht erzählen. Die angekündigten Orte und Programmpunkte zeigen aber, welche Geschichten Keller vermitteln können – und wo die Inszenierung mitredet.
Vom Raum zum Arbeitswissen
Ein Keller ist zunächst kein Museum, sondern Teil des Betriebs. Hier wird Wein gelagert, umgefüllt oder für die Abfüllung vorbereitet. Holzfass und Edelstahltank stehen dabei für unterschiedliche Materialien und Arbeitsweisen, nicht automatisch für eine einfache Gegenüberstellung von „traditionell“ und „modern“. Wer im Keller mehr erfahren will, sollte deshalb auf die konkreten Abläufe achten: Welche Gefäße werden wofür genutzt? Wie unterscheiden sich Ausbau und Lagerung? Und welche Arbeitsschritte finden heute überhaupt noch in dem Raum statt?
Die Veranstalter stellen verschiedene Kellerwelten in Aussicht. Das Bürgerspital kündigt Stationen mit ausgewählten Weinen und Einblicke in einen Bereich mit Edelstahltanks an. Im Juliusspital sollen große Holzfässer den historischen Keller prägen. Beim Weingut am Stein sind für das Warm-up Kellerführungen mit Erläuterungen zum Ausbau angekündigt; dort sollen auch Weine direkt aus dem Fass probiert werden können. Solche Programmpunkte können Arbeitswissen vermitteln – wenn aus dem Blick auf Fass oder Tank auch eine Erklärung wird, was darin geschieht.
Geschichte ist mehr als Kulisse
Besonders sichtbar wird der lange Zusammenhang von Wein und Stadt im Staatlichen Hofkeller unter der Würzburger Residenz. Das Weingut führt seine Geschichte auf eine Schenkung von 1128 zurück und verweist auf den Bau des heutigen Kellers ab 1720. Die Räume sind damit nicht bloß eine stimmungsvolle Hülle: Sie gehören zu einer Weinwirtschaft, deren Besitz- und Herrschaftsgeschichte sich mehrfach verändert hat. Die knappe Zeitlinie des Hofkellers erzählt auch von Übergängen – vom fürstbischöflichen über den königlich bayerischen zum staatlichen Betrieb.
Ein weiterer Blick in die Stadtgeschichte führt in den Gewölbekeller der Alten Universität. Nach Angaben der Universität wurde er als Weinkeller angelegt und ab 1928 vom jüdischen Weinhändler Max Stern gepachtet. Die Familie floh vor der nationalsozialistischen Verfolgung; im Zweiten Weltkrieg diente der Keller als Luftschutzraum. Er gehört nicht zu den vier Veranstaltungsorten des Abends, zeigt aber, wie sich die Geschichte eines Weinkellers mit Handel, Verfolgung und Stadtleben verschränken kann. Solche Geschichten brauchen Kontext – stimmungsvolle Beleuchtung allein erzählt sie nicht.
Unterwegs mit Maß und Orientierung
Die Keller liegen nicht an einem einzigen Ort. Der VDP kündigt Shuttlebusse zwischen den Innenstadtweingütern und dem Weingut am Stein an; die Stadt Würzburg nennt abweichende Angaben zu Preis und Ablauf. Wer den Abend plant, sollte die aktuellen Informationen des Veranstalters prüfen und nicht mit einem festen Takt oder Betrag rechnen, solange die Angaben auseinandergehen. Der Shuttle macht den Ortswechsel ohne eigenes Auto grundsätzlich möglich; die Veranstaltung sollte dennoch kein Trinkparcours sein. Ein einzelner Keller, eine Führung und Zeit zum Zuhören können mehr über Wein vermitteln als möglichst viele Stationen.
Auch die Atmosphäre ist Teil des Abends: Musik, Licht, Essen und Ausschank gehören zum angekündigten Programm. Sie können Keller zugänglich machen, aber auch den Blick auf ihre Funktion überdecken. Entscheidend ist die Frage, ob neben dem schönen Raum verständlich wird, wie Wein entsteht und warum genau dieser Keller so gebaut und genutzt wurde. Unter der Stadt lässt sich dann nicht nur feiern, sondern auch lesen – in Mauern, Fässern und den Geschichten, die Menschen mit ihnen verbinden.
Redaktionell geprüft · 5. November 2026


