Wer am 13. oder 14. November die MARX HALLE betritt, muss sich nicht vornehmen, möglichst viele Gläser zu probieren. Die MondoVino ist groß genug, um sich darin zu verlieren: WEIN & CO kündigt mehr als 170 Produzentinnen und Produzenten aus Österreich und anderen Ländern sowie über 1.000 Produkte an. Neben Wein gehören auch Spirituosen, Bier, Delikatessen und alkoholfreie Alternativen zum Angebot. Interessant wird der Besuch nicht durch eine möglichst lange Liste, sondern durch eine gute Frage, die man von Stand zu Stand mitnimmt.
Die Messe findet an beiden Tagen von 15 bis 21 Uhr statt; der Eintritt ist ab 18 Jahren. Veranstalter ist WEIN & CO. Das breite Angebot verspricht Vielfalt, sagt aber noch nichts darüber, welche Flaschen oder Stilrichtungen den eigenen Geschmack treffen. Genau darin liegt der Reiz eines offenen Messeformats: Man kann vergleichen, nachfragen und sich den eigenen Weg durch die Auswahl suchen.
Eine Frage als roter Faden
Wer bei einem Wein stehen bleibt, kann zunächst nach seiner Herkunft fragen: Aus welcher Region, welcher Lage oder welchem Klima stammt er? Danach lohnt sich der Blick auf die Machart. Wurde der Wein im Holz oder im Edelstahltank ausgebaut? Wurde er spontan vergoren? Wie lange lag er auf der Hefe? Solche Fragen führen weg vom bloßen Etikett und hin zu Entscheidungen, die den Stil prägen.
Auch ein konkreter Anlass hilft beim Auswählen: Gesucht ist ein Wein für ein Essen, für einen besonderen Moment oder einfach ein neuer Zugang zu einer Rebsorte? Bei der Speisenbegleitung kann man nach dem Zusammenspiel fragen. Säure wirkt neben Fett oft erfrischend; Süße kann Schärfe abfedern, während kräftige Gerbstoffe mit sehr scharfen Gerichten schwierig wirken können. Das sind keine starren Regeln, sondern gute Gesprächsöffner – und ein Grund, nach einem passenden Gericht oder einer kleinen Kostprobe zu fragen, sofern sie angeboten wird.
Geführte Wege und bewusste Pausen
Wer lieber mit einer Orientierung startet, findet im angekündigten Programm geführte Wine Walks. Sie dauern rund 45 Minuten, sind kostenlos und führen jeweils zu ausgewählten Produzenten; eine vorherige Anmeldung ist nötig. Die Themen wechseln: Am Freitag stehen unter anderem Schaumweine sowie Herkunft im Mittelpunkt, am Samstag Cool-Climate-Weine und gereifte Weine. Für Besucherinnen und Besucher, die sich nicht allein durch die Halle bewegen möchten, kann ein solcher Rundgang einen konzentrierten Einstieg bieten.
Daneben kündigt WEIN & CO sechs Masterclasses und eine Ikonen-Bar mit gereiften Weinen und Raritäten an; beides ist nicht im regulären Ticket enthalten. Ein digitaler Messekatalog soll Informationen zu den verkosteten Produkten bündeln. Wer sich Notizen macht, kann Herkunft, Rebsorte und Ausbau festhalten – und später besser einordnen, warum ein Wein interessant war, ohne sich auf ein flüchtiges Gedächtnis verlassen zu müssen.
Weniger Gläser, mehr Gespräch
Ein überschaubarer Plan hält den Besuch angenehm: vorab ein Thema wählen, einige Produzenten ansteuern und zwischendurch Wasser trinken und Pausen machen. Bei einer Verkostung muss nicht jedes Glas geleert werden; maßvoll zu probieren ist Teil eines aufmerksamen Umgangs mit Wein. Auch alkoholfreie Angebote verdienen eine eigene Frage: Wie entstehen sie, und worin unterscheiden sich die Verfahren?
Die MondoVino bietet viele mögliche Wege durch Wein und Genuss. Ein kleiner persönlicher Auftrag – eine Region besser verstehen, den Unterschied zweier Ausbaustile entdecken oder eine passende Flasche zum Essen finden – macht aus der großen Auswahl eher eine Reihe guter Begegnungen als eine Pflicht zum Durchkosten.
Redaktionell geprüft · 6. November 2026


