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WEINWISSEN · PORTRÄT

Monika Christmann: Wie önologisches Wissen international wirksam wird

Monika Christmann hat önologisches Wissen aus Geisenheim in internationale Fachdebatten getragen – und umgekehrt globale Fragen in Forschung und Lehre eingebracht. Am 6. November 2026 wird ihr Wirken mit dem Professor-Müller-Thurgau-Preis gewürdigt.

Monika Christmanns beruflicher Weg führt vom önologischen Institut in Geisenheim in die internationalen Gremien der Weinwelt und wieder zurück. In dieser Bewegung liegt mehr als eine akademische Karriere: Kellerfragen werden dort zu Fragen gemeinsamer Regeln – und internationale Debatten müssen sich daran messen lassen, ob sie in Forschung und Praxis Bestand haben.

Am 6. November 2026 soll Christmann in Geisenheim der Professor-Müller-Thurgau-Preis verliehen werden. Der angekündigte Abend fällt in eine Phase des Übergangs: Die Hochschule nennt ihren Eintritt in den Ruhestand. Anlass für einen Rückblick also, aber auch für die Frage, wie önologisches Wissen über einen einzelnen Keller oder ein einzelnes Land hinaus wirksam wird.

Vom Keller in die Wissenschaft

Christmann ist Önologin, also Fachwissenschaftlerin für Weinbereitung. An der Hochschule Geisenheim leitete sie das Institut für Önologie. Das Fach reicht von Gärungsprozessen und Inhaltsstoffen bis zu technischen Verfahren und ihrer analytischen Kontrolle. Es verbindet naturwissenschaftliche Grundlagen mit Entscheidungen, die später im Keller getroffen werden.

Diese Nähe zur Praxis ist wichtig: Ein Verfahren ist nicht allein deshalb sinnvoll, weil es technisch möglich ist. Es muss auch zuverlässig messbar, rechtlich eingeordnet und für die unterschiedlichen Bedingungen der Weinbereitung verständlich sein. Christmanns wissenschaftliches Profil umfasst unter anderem neue önologische Technologien und die Arbeit an Inhaltsstoffen und Zusatzstoffen. Die Hochschule dokumentiert dazu gemeinsame Forschungsarbeiten und Publikationen; sie belegen ein Forschungsfeld, nicht automatisch eine einzelne, abgeschlossene Lösung für die Branche.

Die OIV als Ort der Verständigung

Ein zentraler Weg nach außen führte über die Internationale Organisation für Rebe und Wein, kurz OIV. Die zwischenstaatliche Organisation bündelt wissenschaftliche und technische Expertise und arbeitet an Empfehlungen und Standards für den Weinsektor. Christmann war dort in Führungsfunktionen tätig und wurde 2021 zur Ehrenpräsidentin ernannt. Die OIV ist kein Weltgesetzgeber: Ihre Beschlüsse ersetzen nicht die nationalen oder regionalen Weinrechte. Doch gemeinsame Definitionen und Verfahren können den Austausch zwischen Ländern erleichtern.

Wie anspruchsvoll diese Arbeit ist, zeigt die Frage nach Wasser in der Önologie. In einem OIV-Bericht, für dessen Arbeitsgruppe Christmann als Berichterstatterin eingesetzt war, ging es um technische Notwendigkeiten, unterschiedliche nationale Regeln und die Grenzen analytischer Nachweise. Wasser kann etwa beim Lösen zugelassener Hilfsstoffe eine Rolle spielen; zugleich verbietet das EU-Recht eine Zugabe, sofern keine spezifische technische Notwendigkeit besteht. Der Bericht macht deutlich, warum eine internationale Debatte nicht bei einem Schlagwort wie „Verdünnung“ stehen bleiben kann: Messmethoden haben Grenzen, und neue Verfahren können Analysen beeinflussen.

Standards sind Aushandlung

Darin zeigt sich eine weniger sichtbare Seite der Önologie. International wirksam wird Fachwissen nicht nur, wenn es in einem Labor entsteht, sondern wenn es in nachvollziehbare Begriffe, Prüfmethoden und Regeln übersetzt wird. Das verlangt wissenschaftliche Präzision – und die Bereitschaft, Unsicherheiten offenzulegen. Ein Standard ist Ergebnis fachlicher Verständigung, kein Beweis dafür, dass alle Länder dieselben Interessen oder Bedingungen haben.

Christmanns Laufbahn steht für diese Vermittlungsarbeit zwischen Hochschule, Weinwirtschaft und internationalen Gremien. Sie bietet zugleich keinen Anlass, Konflikte glattzubügeln: Bei Fragen der Weinbereitung treffen technische Machbarkeit, Verbrauchererwartungen und Rechtsrahmen aufeinander. Gerade deshalb braucht es öffentlich nachvollziehbare Begründungen und die Unterscheidung zwischen einer wissenschaftlichen Empfehlung und einer verbindlichen Vorschrift.

Der angekündigte Preisabend in Geisenheim würdigt ein langes Wirken. Sein fachlicher Kern reicht über die Ehrung hinaus: Weinwissen wird dann international tragfähig, wenn Forschung nicht als fertige Antwort auftritt, sondern als Grundlage für überprüfbare, gemeinsam ausgehandelte Entscheidungen.

Redaktionell geprüft · 6. November 2026

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