Gesunde Trauben, aber zu wenig Wasser: Schon zum Lesebeginn am 18. August 2026 meldete das Deutsche Weininstitut Trockenheitsprobleme, besonders in jungen Anlagen. Teilweise wurden Trauben entfernt, um die Reben zu entlasten. Auch ältere Weinberge auf wenig wasserspeichernden Böden waren gefährdet. Der Bericht beschreibt einen Zwischenstand, zeigt aber deutlich: Traubengesundheit und Wasserversorgung sind verschiedene Aufgaben.
Genau deshalb lohnt der Blick auf die Geisenheimer Rebsortentage vom 27. und 28. August 2026. Die Hochschule stellte dort Arbeiten an PIWI-Sorten, Klonen und Unterlagen vor. Drei Ansätze, die im Gespräch über robuste Reben leicht zusammenrücken, tatsächlich aber unterschiedliche Probleme bearbeiten.
PIWI: Abwehr ist kein Wasservorrat
PIWI steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Bei ihrer Züchtung werden Qualitätseigenschaften von Kulturreben mit Resistenzen anderer Reben kombiniert. Im Mittelpunkt stehen der Echte und der Falsche Mehltau. Die Widerstandskraft fällt je nach Sorte und Erreger unterschiedlich aus; auch Blätter und Trauben können verschieden reagieren.
Widerstandsfähig bedeutet zudem nicht unverwundbar. Die rheinland-pfälzische Weinbauberatung sieht auch bei PIWIs gezielte Pflanzenschutzbehandlungen vor, unter anderem, um die Resistenz zu erhalten. Der Gewinn liegt im verminderten Aufwand, nicht im Versprechen völliger Behandlungsfreiheit.
Über die Reaktion auf Wassermangel sagt das Kürzel dagegen nichts Verlässliches. Das Julius Kühn-Institut behandelt Klimaanpassung ausdrücklich als zusätzliche Züchtungsaufgabe neben der Pilzresistenz. Eine PIWI-Sorte kann für einen trockenen Standort geeignet sein – belegt werden muss diese Eigenschaft gesondert.
Klone: dieselbe Sorte, andere Trauben
Klonenselektion setzt innerhalb einer bestehenden Rebsorte an. Ausgewählte Rebstöcke werden vegetativ, also ohne neue Kreuzung über Samen, vermehrt. Genutzt werden Unterschiede, die etwa durch natürliche Mutationen entstanden sind.
Ein anschauliches Beispiel liefert der Spätburgunder: Geisenheim entwickelte unter anderem lockerbeerige und kleinbeerige Klontypen sowie solche mit aufrechtem Wuchs. Ziel war insbesondere, die Anfälligkeit für Botrytis, den Erreger der Graufäule, zu senken. Eine günstigere Traubenstruktur ist jedoch etwas anderes als die eingekreuzte Mehltauresistenz einer PIWI-Sorte. Und auch sie belegt noch keine Trockenheitstoleranz.
Unterlagen: die Entscheidung unter der Erde
Bei der Pfropfrebe trägt die Unterlage das Wurzelsystem; auf ihr sitzt das Edelreis der gewünschten Weinsorte. Unterlagen dienen dem Schutz vor der Wurzelreblaus, müssen aber zugleich zum Boden und zum Wasserhaushalt passen.
Wie eng die Auswahl abgewogen werden muss, zeigt Weinbauberater Gerd Götz vom DLR Rheinpfalz: Trockentoleranz steht neben Kalkverträglichkeit, Wuchskraft und Verträglichkeit mit dem Edelreis. Auch die Reife wird beeinflusst. Für einen beispielhaften trockenen, heißen Rieslingstandort nennt er unter anderem „5 BB“ und „1103 Paulsen“ als mögliche Unterlagen. Das ist eine standortgebundene Abwägung, keine Bestenliste für trockene Weinberge.
Erst den Standort prüfen
Für eine Pflanzentscheidung gehören deshalb Bodenbeschaffenheit, Wasserhaushalt, Kalkgehalt, Pflanzdichte und Ertragsziel zusammen. Dazu braucht es mehrjährige Vergleiche der vorgesehenen Sorte-Klon-Unterlagen-Kombination unter ähnlichen Bedingungen. Auch das Rebalter zählt: Geisenheim untersucht Wasserstresstoleranz in einem Rieslingversuch mit gleichem Klon und gleicher Unterlage, aber unterschiedlich alten Reben.
Die entscheidende Frage lautet also nicht: Welche Rebe kann alles? Sondern: Welches Problem soll sie hier lösen? Gegen Mehltau, Traubenfäule und Wassermangel können unterschiedliche Eigenschaften helfen. Erst ihre passende Kombination macht aus einem einzelnen Vorteil eine tragfähige Entscheidung für den Weinberg.
Redaktionell geprüft · 5. November 2026


