Nach der Lese 2026 steht für Thomas Huber nicht nur die Frage im Raum, wie viel Wein im Keller liegt. Der Winzer des Wiener Weinguts Fuhrgassl-Huber kündigt an, die Wasserversorgung der Weingärten neu aufzustellen. Im Interview mit Falstaff PROFI bezifferte er die Ernte auf rund 35 bis 40 Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt. Als Reaktion will der Betrieb Tröpfchenbewässerung ausbauen – allerdings zunächst dort, wo Brunnen oder bestehende Wassernetze vorhanden sind.
Das klingt nach einer pragmatischen Antwort auf ein akutes Problem. Wie weit sie trägt, hängt jedoch von Details ab, die bislang nicht öffentlich benannt sind: etwa davon, welche Flächen angeschlossen werden, wie viel Wasser verfügbar ist und welche Investitionen nötig sind.
Wiener Weinbau zwischen Stadt und Hang
Fuhrgassl-Huber liegt in Neustift am Walde, im 19. Wiener Gemeindebezirk. Das Weingut beschreibt seine Weingärten als vollständig innerhalb der Wiener Stadtgrenze; 14 Hektar davon seien steile Berglagen mit mehr als 25 Prozent Gefälle. Die Stadtlandwirtschaft Wien nennt als Teilflächen 26 Hektar in Neustift am Walde sowie fünf Hektar am Nußberg und in Grinzing. Da diese Angaben nicht alle Betriebsflächen erläutern, lässt sich daraus keine widerspruchsfreie Gesamtfläche ableiten.
Zum Profil gehört der Wiener Gemischte Satz DAC. Fast die Hälfte der Anbaufläche widme der Betrieb dieser Herkunft, heißt es auf seiner Website. Verschiedene Rebsorten wachsen dabei gemeinsam im Weingarten und werden zusammen gelesen und verarbeitet. Für diese traditionelle Anbauweise bedeutet trockener Boden eine Herausforderung, die sich nicht allein an einer einzelnen Sorte oder Parzelle festmachen lässt.
Tropfen statt Flächengießung
Huber beschreibt die geplante Technik als Tröpfchenbewässerung: Schläuche sollen Wasser gezielt zu den Rebstöcken bringen. Der Ausbau solle dort beginnen, wo bereits Brunnen oder Wassernetze vorhanden seien. Das ist eine wichtige Einschränkung: Eine technische Anlage schafft selbst keine Wasserressource. Welche Brunnen und Netze konkret gemeint sind, wie deren Ergiebigkeit geprüft wird und welche Bewilligungen gelten, geht aus dem Interview nicht hervor.
Auch Kosten, Bauzeit und Umfang nennt Huber nicht. Die Flächenauswahl dürfte deshalb entscheidend sein. Aus den vorliegenden Angaben lässt sich nicht sagen, ob zuerst jüngere Reben, besonders trockene Parzellen oder bestimmte Hanglagen berücksichtigt werden. Ebenso wenig ist belegt, wie oft und nach welchen Messwerten bewässert werden soll. Hubers Hinweis, die Wassergabe am Wetter auszurichten, bleibt eine allgemeine Leitlinie, kein veröffentlichter Bewässerungsplan.
Bewässerung ist kein Ersatz für Beobachtung
Die Höhere Bundeslehranstalt und das Bundesamt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg hielten 2026 fest, dass Trockenheit kleinere Beeren, geringere Erträge und Schäden durch Sonnenbrand begünstigte. Die Fachstelle betont außerdem die genaue Beobachtung der Reben und eine angepasste Bewirtschaftung. Das macht Bewässerung nicht überflüssig, aber es rückt sie in einen größeren Zusammenhang: Wasser gezielt einzusetzen setzt voraus, den Bedarf der jeweiligen Reben und Böden zu beurteilen.
Welche ergänzenden Schritte Fuhrgassl-Huber plant – etwa beim Bodenmanagement oder bei der Begrünung – ist öffentlich nicht dokumentiert. Huber begründet den Ausbau wirtschaftlich: Eine notwendige Produktionsmenge lasse sich nicht einfach durch zusätzliche Rebfläche sichern. Zugleich sagt er, Bewässerungskosten sollten über mehrere Jahre betrachtet werden, nicht nur über ein schwaches Erntejahr. Das ist eine betriebliche Kalkulation, keine Garantie, dass Wasser künftig jederzeit verfügbar oder Bewässerung allein ausreichend sein wird.
Eine Entscheidung mit offenen Variablen
Der aktuelle Plan ist damit weniger ein fertiges System als eine Richtung: gezielte Tropfenversorgung, zuerst an Standorten mit vorhandener Infrastruktur. Für einen belastbaren Blick auf die neue Wasserversorgung fehlen noch Angaben zur Herkunft und Menge des Wassers, zu Kosten und Zeitplan sowie zu den zuerst angeschlossenen Flächen. Klar ist vorerst nur der Anlass: Nach einem Erntejahr, das Huber deutlich unter seinem langjährigen Mittel verortet, soll der Betrieb seine Reben besser gegen ausbleibenden Regen absichern – Schritt für Schritt und offenbar nicht überall zugleich.
Redaktionell geprüft · 7. November 2026


