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WEINGÜTER · PORTRÄT

Paul Fürst und die Kunst, Erfahrung weiterzugeben

Der VINUM Weinguide 2027 würdigt Paul Fürst erstmals mit einem Preis für sein Lebenswerk. Das Porträt führt nach Bürgstadt – zu einem Familienbetrieb, in dem Erfahrung und Verantwortung über Generationen weitergegeben werden.

Ein Preis für das Lebenswerk blickt zurück. Im Fall von Paul Fürst führt dieser Blick zugleich in einen Betrieb, in dem die nächste Generation längst Verantwortung trägt: Das Weingut Rudolf Fürst in Bürgstadt wird von Paul und seinem Sohn Sebastian geführt. Der VINUM Weinguide Deutschland 2027 zeichnete Paul Fürst am 3. November 2026 als ersten Winzer mit seinem Lebenswerkpreis aus.

Was bleibt, wenn ein Betrieb über Generationen weitergegeben wird? Nicht einfach eine Folge übernommener Regeln. Eher ein Bestand an Erfahrung, der im Weinberg und Keller immer wieder auf neue Bedingungen trifft. Wie Paul und Sebastian Fürst einzelne Entscheidungen untereinander aushandeln, ist öffentlich nicht dokumentiert. Sichtbar ist aber, worauf ihre Arbeit ausgerichtet ist: auf die Eigenheiten der Lagen und auf eine präzise, handwerklich geprägte Bewirtschaftung.

Bürgstadt und der rote Buntsandstein

Die Familie baut nach Angaben des Deutschen Weininstituts seit fast 400 Jahren in Bürgstadt Wein an. Paul und Monika Fürst errichteten dort 1979 neue Gutsgebäude; seit 2007 führen Paul und Sebastian den Betrieb gemeinsam. Der VDP nennt heute 22,8 Hektar Rebfläche und beschreibt Buntsandstein mit Lehm- und Tonauflagen als prägende Geologie.

Die Weinberge reichen über mehrere Orte und Herkünfte. Zu den vom VDP aufgeführten Lagen gehören der Bürgstadter Centgrafenberg und Hundsrück, außerdem der Klingenberger Schlossberg und der Karthäuser in Volkach. Das Profil ist stark von Burgundersorten geprägt: Laut VDP entfallen 60 Prozent der Rebfläche auf Spät- und Frühburgunder; Riesling, Weißburgunder, Silvaner, Chardonnay und weitere Sorten ergänzen das Spektrum. Die Zahlen geben den veröffentlichten Betriebsstand wieder, nicht eine unveränderliche Aufteilung.

Handarbeit als tägliche Entscheidung

Boden und Hangneigung bestimmen mit, wie sich ein Weinberg bewirtschaften lässt. Sebastian Fürst beschreibt beim VDP die individuelle Arbeit nach Kleinklima und Geologie: In steilen Terrassen werde der Boden mit der Handhacke gepflegt, gedüngt werde mit selbst erzeugtem Kompost; hinzu kämen vielfältige Begrünung und herbizidfreie Bewirtschaftung. Das sind konkrete Entscheidungen, keine abstrakte Traditionsformel – und sie müssen sich in jeder Parzelle bewähren.

Auch für den Keller nennt der VDP eine zurückhaltende Arbeitsweise: lange Hefelagerung, langsame Klärung durch Lagerung im Pièce und Abfüllung ohne Filtration. Paul Fürst beschreibt als Ziel bei den Pinots eine maßvolle Extraktion und längere Reife im kleinen Holzfass. Diese Angaben geben die vom Betrieb formulierte Arbeitsweise wieder; sie sind kein unabhängiges Urteil über einzelne Weine.

Erfahrung ist kein fertiger Lehrsatz

Paul Fürst begann nach eigener Aussage beim VDP schon als Kind in Weinberg und Landwirtschaft mitzuhelfen. 1971 ging er in die Lehre auf Schloss Johannisberg. Dort beeindruckten ihn gereifte Jahrgänge, wie er erzählt. Seine Laufbahn verbindet damit praktische Erfahrung im Familienbetrieb und Ausbildung außerhalb Bürgstadts – ein Weg, der zeigt, dass Weitergabe nicht nur Bewahrung bedeutet.

Heute weist die Rollenverteilung auf eine geteilte Verantwortung: Der VDP führt Paul und Sebastian als Inhaber, Sebastian außerdem als Kellermeister. Was daraus im Alltag folgt, lässt sich ohne aktuelle Gespräche mit beiden nicht genauer beschreiben. Doch die Arbeit an den Weinbergen macht deutlich, woran sich Entscheidungen orientieren: an Lage, Boden und Jahrgang, nicht allein an einer überlieferten Vorschrift.

Der Lebenswerkpreis würdigt Paul Fürsts lange Arbeit. Zugleich rückt er ein Weingut in den Blick, dessen Zukunft nicht an einer einzelnen Auszeichnung hängt. Sie entsteht in der wiederkehrenden Aufgabe, Erfahrung weiterzugeben und sie dort zu überprüfen, wo der Wein wächst: in den steilen Hängen und Parzellen rund um Bürgstadt und darüber hinaus.

Redaktionell geprüft · 7. November 2026

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